Verantwortung in belasteten Zeiten übernehmen

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Passionsandachten
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Landrat Joachim Bläse spricht in der ersten Passionsandacht auch über die Kriegssituation in der Ukraine.

Schwäbisch Gmünd. Wenn es um Hetze und Verantwortung geht, haben Politiker derzeit ein schweres Päckchen zu tragen.

Das machte die Passionsandacht am Donnerstagabend in der Augustinuskirche deutlich. Landrat Dr. Joachim Bläse und Landtagsabgeordnete und Kirchengemeinderätin Martina Häusler berichteten, wie es ihnen während der Pandemie ergangen ist. Bläse zog den Vergleich zu seiner Zeit als erster Bürgermeister in Schwäbisch Gmünd. Auch da sei er, wenn es etwa um das religiöse Miteinander ging, von manchen als „Türkenfreund“ beschimpft worden. „Damit konnte ich umgehen.“ Doch während der Pandemie haben die Anfeindungen ein anderes Aggressionspotenzial entwickelt. Er berichtete von zynischen Anfeindungen und wüsten Beschimpfungen und fragte: „Wo ist die Grenze gesetzt?“

Gefahr für „unsere Demokratie“

Auch zu dem Begriff „Verantwortung“ hatte Bläse, den Dekanin Ursula Richter als lieben und geschätzten Landrat begrüßte, Gewichtiges zu sagen. Zuständig zu sein, sei das eine. Eine Stufe höher siedelte er an, für eine Sache verantwortlich zu sein, und da sieht sich der Landrat in vielen Bereichen in der Pflicht. Er nannte den „schrecklichen Angriffskrieg“, den Russland gegen die Ukraine führt, und sieht es als seine Verantwortung, die flüchtenden Menschen, die erwartet werden, zu versorgen. Was derzeit in der Ukraine passiere, sei ein tiefes Unrecht und eine Gefahr für unsere Demokratie.

Nun gehe es um Solidarität, fuhr der Landrat fort: Solidarität, die er in der Bevölkerung wahrnehme. „Ich spüre, die Menschen wollen loslegen, spenden und sammeln.“ Landrat Dr. Jaochim Bläse empfahl die großen karitativen Organisationen zu unterstützen und Sachspenden dann zu geben, wenn Flüchtlinge vor Ort ankommen.

Er gab zu bedenken, dass es nicht immer einfach sei, den richtigen Weg zu finden. „Darf ein Landrat oder ein anderer Politiker einen Fehler machen?“, fragte er und warnte vor einer Fehlerkultur, die immer einen Schuldigen brauche, um ihn ans Kreuz zu nageln. „Seien wir wachsam“, legte er den rund 50 Kirchenbesuchern ans Herz.

Am Ende erklärte Bläse, warum er sich für Dinge über seine eigene Verantwortung hinaus engagiere: „Ich fühle mich vor Gott verantwortlich und den christlichen Werten verpflichtet.“ Auch bei falschen Entscheidungen stehe er vor einem gnädigen Gott. „Hass und Hetze untergraben alle Bemühungen für eine nachhaltige Entwicklung und für Frieden“, erklärte Martina Häusler. Sie seien ein Angriff auf die Gesellschaft und es sei an der Zeit, diesem Tun entschieden entgegenzutreten. „Wir sind mehr und viele.“ Sie zitierte den kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Manfred Köhnlein: „Kirche besteht nicht aus den Oberen, sondern dem Mut der Basis.“

Christen dürfen nicht schweig

Den Gedanken nahm Dekanin Ursula Richter auf, die forderte: „Christen dürfen nicht schweigen.“ Wenn jemand bedroht werde, müsse dem sachlich und klar entgegengetreten werden. Sie appellierte aber auch, das Gespräch nicht aufzugeben – die Verständigung sei so notwendig wie nie, auch wenn Gräben zwischen den Gesprächsparteien liegen. Am Ende dankte die Dekanin den Menschen, die bereit sind, Verantwortung in belasteten Zeiten zu übernehmen.

Esther Esch, Blockflöte und Thomas Brückmann, Orgelpositiv umrahmten die Passionsandacht mit passendem Liedgut wie „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt“, das mit dem Vers endet: „Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“

⋌Birgit Markert

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