Verborgene Schätze im Stadtarchiv

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Dr. Niklas Konzen
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In vier Kilometern Akten entdeckt Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen immer wieder bislang Unbekanntes.

Schwäbisch Gmünd

Mit Gmünds neuem Stadtarchivar Dr. Niklas Konzen setzt die Gmünder Tagespost fort, was unsere Zeitung mit Stadtarchivar Dr. David Schnur im Jahr 2020 begonnen hatte: Wir erzählen Geschichten über besondere Funde in Gmünds Stadtarchiv. Und damit Stadtgeschichte. Von den Archivalien seien inzwischen zwar 180 Meter mehr erschlossen, der Großteil ist es jedoch noch nicht, sagt Konzen. Auf vier Kilometer Akten verwies David Schnur im Jahr 2020, von denen damals gerade mal 500 Meter erschlossen seien. Heute sind es also 680 Meter. Erschließen bedeutet, die Akten zu sichten und zu bewerten. Eine Arbeit, die Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. So richtig viel konnte Schnurs Nachfolger Dr. Niklas Konzen da noch nicht aufholen. Denn das Archiv ist nach dem Weggang von Valeska Martin unterbesetzt. Ab Oktober sei die Stelle jedoch wieder besetzt, sagt Konzen, der wie in den meisten Berufssparten heute die Erfahrung machen musste, dass die Zahl der Bewerber nach der Ausschreibung nicht üppig war. Aktuell hilft dem Archivchef ein Historiker aus, der Museumserfahrung hat. 

Fast ein Jahr ist Konzen nun in Gmünd. In dieser Zeit hat er mehrere Veröffentlichungen betreut. Die des Historikers Dr. Ulrich Müller über „Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Schwäbisch Gmünd zwischen 1940 und 1950“. Oder eine Online-Publikation des in Gmünd geborenen Historikers Florian Setzen über die Herren von Rechberg im 17. Jahrhundert.

Aktuell arbeitet Konzen an der digitalen Publikation eines jüdischen Familienregisters im Gmünd der 30er-Jahre. In diesen Familienregistern finden sich Daten zu Geburten, Trauungen, Todesfällen sowie Beschneidungsbücher, Friedhofsverzeichnisse und Gemeindemitgliederlisten. Viele dieser Familienregister seien im Nationalsozialismus in den Dienst der Judenverfolgung gestellt worden, viele seien im Krieg zerstört worden. Das Gmünder Familienregister jedoch ist am 16. März 1945 verfilmt worden. Die Edition ist ein Projekt, das Valeska Martin vor ihrem Weggang begonnen hatte. Sie wird auch als Bearbeiterin genannt werden. Zu diesem Thema habe es sogar eine Anfrage aus Los Angeles gegeben, erzählt Konzen. Eine Angestellte des deutschen Konsulats fragte nach dem Großvater einer in den USA geborenen und heute noch dort lebenden Frau. Sie erwägt einen Antrag auf Einbürgerung und beruft sich dabei auf ihre jüdischen Großeltern, die 1936 in die USA auswanderten. Das Familienregister, mindestens das, was im Hauptstaatsarchiv Stuttgart dazu zu finden war, will Konzen gegen Ende des Jahres editieren, entweder zum 9. November oder zum Holocaust-Gedenktag am  27. Januar. Nach der Sommerpause, wenn das Archiv wieder besser besetzt ist, will sich Konzen auch dem Thema Erinnerungskultur wieder mehr widmen.

Los geht's mit einer Polizeiakte

Einige bislang verborgene Schätze aber hat der Stadtarchivar trotz knapper Zeit entdeckt. Diese werden er und die Gmünder Tagespost heben. Den Auftakt macht ein Bericht über den Roten Frontkämpferbund in Gmünd, zu dem Alfred Haag gehörte und der an Pfingsten 1925 einen Jugendtag plante. Welcher dann verboten wurde. Dazu fand sich im Archiv eine Polizeiakte. Weitere Schätze folgen in den Ferien-Wochen und danach in loser Folge.

Gmünds Stadtarchiv Dr. Niklas Konzen im Archiv am Münsterplatz. Mehrere Kilometer der Archivalien dort sind noch nicht erschlossen. Eine Arbeit für Jahrzehnte. Foto: Länge
Der Leiter des Gmünder Stadtarchivs, Dr. Niklas Konzen, im Archiv. Er zeigt Archivalien aus dem 17. Jahrhundert, die in einen Einband aus dem 14. Jahrhundert gehüllt sind.

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