Verborgene Schätze in der Ledergasse 15

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Georg Wacker und Annika Ahrens präsentieren den Scheck, mit dem sie Ralph Stegmaier, Monika Stegmaier und Hannelore Widmann bei der Sanierung des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Hauses in der Ledergasse 15 unterstützen.
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Glücksspirale und Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördern die Sanierung des Hauses mit einer Bohlenstube aus dem 16. Jahrhundert.

Schwäbisch Gmünd

Wer an dem Haus mit der Nummer 15 in der Ledergasse vorbeiläuft, ahnt nicht, welche Schätze sich in dem Gebäude verbergen. Im ersten Obergeschoss gibt es eine Bohlenstube aus dem 16. Jahrhundert, in einem weiteren Raum eine Tapete aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das Gebäude gehört den Familien Widmann und Stegmaier. Sie wollen die oberen Stockwerke, nach Jahrzehnten des Leerstands seit 1969, bewohnbar machen. Dabei helfen die Glücksspirale und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg: Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker und Annika Ahrens von der Denkmalstiftung überreichten den Eigentümern am Freitag einen Scheck über 40 000 Euro. Weitere 60 000 Euro erhalten sie vom Landesdenkmalamt. Trotzdem müssen die beiden Familien noch einen ordentlichen Batzen drauflegen, wie Ralph Stegmaier vom Straßdorfer Malerunternehmen Stegmaier sagt. Denn in den oberen Stockwerken gibt es kein Wasser und keinen Strom.

Dafür aber mehrere Schätze. Annika Ahrens nennt sie "innere Werte". Solche wie die Bohlenstube. Stegmaier und seine Schwiegermutter Hannelore Widmann erzählen, was sie darüber wissen: Dass das Holz für die Decke der Stube im Jahr 1517 gefällt worden sei. 1520 sei die Decke entstanden. Der erste Besitzer muss wohlhabend gewesen sein. Davon zeugen die Verzierungen in den Holzbalken.

In der Ledergasse 15 ist die Zeit stehen geblieben.

Martina Fischer, Restauratorin

Um die Sanierung zu stemmen, die Wacker und Ahrens eine "Herausforderung" nennen, haben die Besitzer die Restauratorin Martina Fischer beauftragt. Für sie ist es ein Glücksfall, dass in der Ledergasse 15 "die Zeit stehen geblieben" sei und die oberen Geschosse lange nicht genutzt worden seien. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts habe es in dem Haus "nur kleinste Renovierungen" gegeben. Die Bohlenstube sei ein "Dokument einer Wohnkultur" von vor 500 Jahren, sagt Fischer. Dies bekräftigt Janina Gehrmann vom Gmünder Denkmalamt, das den Besitzern die Genehmigung zur Sanierung erteilt hat. Wie lange die dauert, kann Ralph Stegmaier noch nicht sagen. Was er aber weiß: Bewohnen soll das Haus später jemand, der erlaubt, dass die Gmünder an einem Tag des offenen Denkmals einen Blick auf die Kostbarkeiten der Ledergasse 15 werfen dürfen.

Zur Geschichte des Hauses Ledergasse 15

Das Haus in der Ledergasse 15 stammt vermutlich aus dem späten 15. Jahrhundert. Es ist ein zweigeschossiges Fachwerkgebäude. Bedeutend ist das Haus, weil es in der ersten Etage eine Bohlenstube hat. Im Erdgeschoss ist das Gebäude mehrfach umgebaut worden. So beschreibt Richard Strobel das Haus in seinem Buch "Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. Die Stadt Schwäbisch Gmünd". Theo Zanek erzählt in "Gmünder Häuser und Geschichten", dass der Eigentümer des Hauses im 15. Jahrhundert ein wohlhabender Bürger gewesen sei. Mitte 18. Jahrhundert nennt Zanek den Goldschmied Ulrich Schleicher als Eigentümer. Er habe es an den Chirurgen Andreas Hartmann verkauft. Um 1804 erwarb der Bäcker Ignaz Nagel das Gebäude und richtete im Erdgeschoss eine Bäckerei ein. Im Erdgeschoss war auch die Backstube, im hinteren Bereich in Richtung Waisenhausgasse ein Stall. Auf Bäcker Nagel folgte Bäcker Leopold Vogt. Nach seinem Tod baute seine Witwe den Stall zu einem Wohnzimmer um. 1869 kaufte Bäcker Albert App das Haus. Jüngere Nutzungen waren eine Reinigung und eine Neckermann-Verkaufsstelle. Aktuell ist dort im Erdgeschoss eine Boutique. mil

Hannelore Widmann und Ralph und Monika Stegmaier in der gut 500 Jahre alten Bohlenstube in der Ledergasse 15.
Restauratorin Fischer zeigt die wertvolle Tapete.
Solche Muster zieren die Holzdecke der Bohlenstube.

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