Verfolgt, verschleppt – aber nicht vergessen

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Stadtführerin Susanne Lutz (Bildmitte) deutet auf eine der Tafeln, die Im Gewölbekeller der Imhofstraße 9 über das Leben und Leiden von Juden in Schwäbisch Gmünd informieren.

Bei einem Stadtrundgang wird die jüdische Geschichte von Schwäbisch Gmünd wieder zum Leben erweckt.

Schwäbisch Gmünd

Gemeinsam mit Stadtführerin Susanne Lutz machten sich am Wochenende einige geschichtsinteressierte Bürger auf eine Spurensuche in die Vergangenheit der Gmünder Juden. Der Gmünder Marktplatz zähle zu den schönsten in Baden-Württemberg, sagte die Stadtführerin. Augenfällig sei hier das Kriegerdenkmal, das im Volksmund gerne "Siegessäule" genannt werde. Das Denkmal, früher mit Hakenkreuz an der Spitze, wurde 1935 aufgestellt. Die ganze Stadt habe damals "Freudenbeflaggung" gezeigt. Lediglich die jüdische Familie Heimann weigerte sich, zu beflaggen, und bezahlte in späteren Jahren mit der Deportation ins Konzentrationslager und dem dortigen Tod, informierte Susanne Lutz. 17 im Boden eingelassene und über die ganze Innenstadt verteilte Stolpersteine erinnern an die Schicksale jüdischer Familien im Zweiten Weltkrieg.

Der Ursprung der überlieferten jüdischen Geschichte in Schwäbisch Gmünd befindet sich in der Imhofstraße. Gmünder Juden wurden in einer Reichssteuerliste von 1241/42 erstmals erwähnt. In der Folgezeit entstand dort eine vermögende Judensiedlung, die sich innerhalb der ersten Stadtummauerung befand. Sie zähle zu den ältesten jüdischen Ansiedlungen in ganz Süddeutschland.

Juden der Stadt verwiesen

1521 verwies Kaiser Karl V. die Juden "auf ewig aus der Stadt". Das bereits 1501 ausgesprochene Besiedlungsverbot galt bis Ende des 19. Jahrhunderts und besagte, dass in Gmünd keine jüdischen Bürger mehr leben durften. Judenpogrome fanden auch in der ältesten Stauferstadt statt. Da nur Juden als "Nichtchristen" Geld verleihen durften, wurden sie nach und nach auch aus dem Handwerk ausgeschlossen, zum Teil gefoltert und getötet. Eine der furchtbarsten Judenpogrome fand 1349 in der Imhofstraße statt. Grund dafür war eine sich "wie ein Lauffeuer verbreitende Nachricht", die "ohne Internet und Telefon" den Weg durch alle Städte machte: Ein Jude habe unter Folter gestanden, "Hostien geschändet" zu haben.

Wie groß die damalige Besiedlung war, sei nicht bekannt, erklärte Susanne Lutz. Das Gebäude Imhofstraße 9 lasse aber Rückschlüsse zu, dass hier Ende des 13. Jahrhunderts eine jüdische Ansiedlung war – als Ansiedlung galt damals eine Bewohnerzahl von zwölf Personen. Der Dachstuhl des ehemaligen "hochherrschaftlichen Haus" stammt aus dem Jahr 1288, hier wird eine ehemalige Synagoge vermutet. Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Juden, wieder nach Gmünd zu ziehen. Ihr Geschäftssinn ließ sie zu vermögenden Unternehmern aufsteigen. In der Königsturmstraße zeugen einige Gebäude davon. Schuh- und Spielzeugfabrikanten, Gewürzgroßhändler, Süßwaren- und Viehhändler bewohnten die dortigen Anwesen.

Nur wenigen gelang die Flucht

Mit dem Dritten Reich mussten die jüdischen Familien "zum Schutz der Rasse" die Aberkennung der Staatsbürgerschaft und die Beschlagnahmung aller Güter erfahren. Am Ende stand die Umsiedlung in die Mutlanger Straße. Von dort aus wurden die meisten ins Konzentrationslager geschickt. Nur wenigen gelang die Flucht, meist nach Amerika.

Mit Schaubildern im Achilles-von-Stahl-Weg und Mahnmalen in der Bocksgasse gedenkt die Stadt Schwäbisch Gmünd dieser Verbrechen, damit diese immer im kollektiven Gedächtnis verankert bleiben.

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