Verlängerung verändert die Stadt

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Nach der Lockdown-Fortsetzung: Stadt kann mit Liquiditätshilfen unterstützen. HGV-Vorstand sieht Monatsende als äußerste Grenze. Zukunft in der Gastronomie düster.

Schwäbisch Gmünd

Wenn im nun verlängerten Lockdown Geschäfte oder Gastronomen in größerer Zahl aufgeben müssen, dann wird das Gmünd dauerhaft verändern. Davon ist Andreas Schoell, Vorstandsmitglied des Gmünder Handels- und Gewerbevereins (HGV) überzeugt. Und er sagt das ganz klar, nachdem die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin am Dienstag die Schließung der nicht für den täglichen Bedarf notwendigen Firmen mit Publikumsverkehr bis Ende Januar verlängert haben. Schoell befürchtet, dass einige, insbesondere kleinere Geschäfte und Lokale diese verlängerte finanzielle Durststrecke nicht überstehen werden. Die Lücken, die damit in die Geschäftsstraßen gerissen werden, würden nicht durch Neueröffnungen gefüllt.

Dabei gibt es Hilfe: Alexander Groll, Wirtschaftsbeauftragter der Gmünder Stadtverwaltung, verweist auf das Programm "Gmünd hilft seiner Wirtschaft", das der Gemeinderat im Frühjahr angesichts des ersten Lockdowns aufgelegt hat. 250 000 Euro hat das Gremium damals bereitgestellt, um örtlichen Firmen mit bis zu fünf Mitarbeitern rasch und unkompliziert Liquiditätshilfen bieten zu können. Etwa 70 000 Euro des damals bereitgestellten Budgets seien noch vorhanden.

Seit etwa Mitte Dezember bekommt das städtische Wirtschaftsreferat verstärkt Anfragen kleiner Betriebe nach solchen Hilfe. "Das ist die zweite Welle", sagt Alexander Groll. Gerade am Dienstag sei wieder eine Zahlung aus diesem Programm rausgegangen. Noch seien Mittel für weitere Unterstützungen vorhanden. Und wenn die aufgebraucht sind? Dann werde er an den Gemeinderat herantreten mit der Bitte, weiteres Geld bereitzustellen.

Das Programm ist nicht dazu da, um große Finanzlücken aufzufüllen. Doch es soll mit Krediten bis zu 2500 Euro eine rasche Liquiditätshilfe bieten, um laufende Kosten abzudecken, bis Hilfen von Bund oder Land eingetroffen sind. Wenn die Kleinunternehmer die wenigen notwendigen Papiere vorlegen können, könne das Geld zwei Tage später fließen.

Gerade zum Jahreswechsel hat die Phase begonnen, in der die Unternehmer, die das Programm im Frühjahr in Anspruch genommen haben, die Hilfssumme zurückbezahlen sollten. Sollten diese Firmen nun erneut in Not sein, sollten sie sich bei der städtischen Wirtschaftsförderung melden. Auch da seien Hilfen und Fristverlängerungen möglich, informiert Alexander Groll. Denn wenn das öffentliche Leben wieder in Schwung kommt, "wollen wir möglichst viele haben, die ihre Läden wieder öffnen können".

Krisensitzung beim HGV

Andreas Schoell, der selbst ein Sportartikelgeschäft in Gmünd betreibt, ist einerseits "erschrocken" über die Ausdehnung des Lockdowns bis Monatsende, kann die Maßnahme angesichts der Infektionszahlen jedoch auch verstehen. Eine darüber hinausgehende Schließung aber "hätte katastrophale Folgen, das lehne ich ab". Für viele in Handel und Gewerbe gehe es bereits jetzt um die Existenz. Zwar böten viele Händler ihr Sortiment inzwischen auch im Internet immer besser an, aber die Online-

Das ist die zweite Welle.

Alexander Groll, Wirtschaftsbeauftragter

Umsätze blieben in aller Regel weit unter den Umsätzen, die in den Geschäften erzielt wurden. Eine "Krisensitzung" sei Anfang nächster Woche auch beim Handels- und Gewerbeverein nötig. Dabei müsse es darum gehen, den Lieferdienst der Händler weiter zu verbessern. Denn das Online-Geschäft sei "die Lebenswirklichkeit, nicht der Feind".

Andreas Schoell ist jedoch auch überzeugt, dass die Kunden nach der Krise wieder in die Geschäfte kommen. Dann sei es für die Händler umso wichtiger, ihre Stärke, den Service, auszuspielen: "Der Kunde muss den Mehrwert des Präsenzhandels spüren."

Viele Gastwirte sind am Ende

Überrascht von der Verlängerung des Lockdowns ist auch Dagobert Hämmerer, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga im Ostalbkreis, nicht. Im Grunde sei es sogar besser, die Hotels und Gaststätten geschlossen zu halten, als sie nur unter so vielen Auflagen öffnen zu dürfen, dass die Hoteliers und Wirte am Ende draufzahlen. Er gehe ohnehin nicht davon aus, dass viele Gäste kommen würden. Januar und Februar seien von jeher eher schwache Monate in der Gastronomie. Jetzt während der Corona-Pandemie haben die Leute in dieser Schnupfen- und Hustenzeit zudem große Angst vor Ansteckung, meint der Dehoga-Chef. Er geht auch davon aus, dass die Nachfrage nach Essen zum Mitnehmen im Januar sinkt, weil die Kunden "nach den Feiertagen übersättigt" sind.

Was denkt er, wann Hotels und Gaststätten wieder öffnen dürfen? "Wenn wir Glück haben: Ende Februar", antwortet er. Wohlwissend, dass einige Pensionen, Gaststätten und Bars das nicht überleben werden. Er bekomme täglich zehn bis zwölf Anrufe und 20 bis 30 E-Mails von verzweifelten Kollegen, die Rat suchen, weil sie finanziell am Ende sind. Dagobert Hämmerer kann ihnen dann nur raten, gemeinsam mit ihrem Steuerberater Zuschüsse zu beantragen, mit dem Verpächter oder den Zuständigen bei der Bank zu reden.

Doch "bei den Finanzhilfen blickt kaum mehr jemand durch", kritisiert Dagobert Hämmerer. Die Überbrückungshilfe über bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes für Dezember konnten Betroffene erst ab 23. Dezember beantragen, 257 000 Anträge seien seither im Land dafür eingegangen. Ab Januar falle diese Hilfe weg. Jetzt ersetze der Bund 90 Prozent der Fixkosten etwa für die Pacht oder Strom, doch es gebe keinen Unternehmerlohn. Dies sei am Dienstagabend bei der Telefon-Konferenz der Dehoga-Vorsitzenden im Land das Hauptthema gewesen. Der Verband mache sich derzeit stark dafür, dass das Land Hoteliers und Wirten 3000 Euro pro Betrieb und 2000 Euro pro Festangestelltem bezahlt, wobei drei 450-Euro-Kräfte als ein Mitarbeiter gelten.

Die Dehoga hat aktuell 350 Mitgliedsbetriebe im Ostalbkreis, 39 mehr als Anfang 2020, weil viele während Corona Hilfe gesucht hatten, sagt der Dehoga-Chef. Insgesamt gibt es rund 800 Hotels und Lokale im Kreis.

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