Viel Frust wegen November-Schließung

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Geschäftsleute und Gastronomen äußern Unverständnis für neue Maßnahmen. Kirchen sind froh über Gottesdienste.

Schwäbisch Gmünd

Gmünds Gastronomen, Kinobetreiber, Fitnessstudios, Veranstaltungsmacher und Kulturschaffende sind verärgert. Sie verstehen nicht, weshalb sie im November schließen sollen, obwohl sie in den vergangenen Wochen große Sorge getragen haben für Hygienevorschriften. Eine Zusammenfassung.

Gastronomie: "Stinksauer" ist Ute Schamberger, Inhaberin der Gaststätte "Rössle - Kapperle" in Unterbettringen. "Wenn es so weiter geht, sind wir ruiniert", sagt die Wirtin. Viel Geld wurde in den letzten Monaten in das "Kapperle" investiert. Zuletzt für die Außenwirtschaft. "Bei uns kann sich keiner anstecken", ist sich Ute Schamberger sicher. Auf Hygienemaßnahmen werde genau geachtet. Auch im "Fässle" ist die Stimmung gedrückt. Zelt und Plexiglasscheibe, "hat alles nichts gebracht", sagt Saskia Steeb. Vor allem vergesse man die vielen Studenten, die jetzt kein Geld verdienen. Niedergeschlagen meldet sich auch Irene Bürger, Inhaberin des "Bistro Café am Turm", zu Wort: "Ich weiß nicht, ob ich das überlebe." Für die Wintermonate hat sie extra ein beheiztes Riesenzelt gemietet. Was sie nun damit macht, weiß die Wirtin noch nicht. Stehen lassen und auf den Dezember hoffen oder zurückgeben, diese Möglichkeiten stehen zur Debatte. Ob aber im Dezember wieder geöffnet werden darf, daran zweifeln die meisten Gastronomen.

Gans und Ente haben jetzt Hochsaison. Das Gasthaus "Zum Roten Löwen" in Rechberg ist im November eigentlich voll ausgelastet, sagt Bärbel Nuding. Ihr Mann Gebhard Nuding habe sich mit dem Lieferanten darauf geeinigt, Gänse und Enten nur auf Abruf zu bestellen. Den Braten zuhause zu essen, das habe einfach nicht denselben Flair. Zudem bleibe das große Familienessen wegen Kontaktbeschränkungen ja sowieso aus.

Der Ostalb-Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Dagobert Hämmerer, bestätigt, dass der Landesverband erwäge, vor Gericht zu gehen. "Für die Gastronomie ist der Lockdown-Light ein Lockdown-Voll", sagt er. Die Branche leide auch als Arbeitgeber. Wer wolle noch in der Gastronomie arbeiten, wenn sie immer als erstes geschlossen werde. Nicht schlecht finde er die Hilfeleistungen von 75 Prozent des Vorjahresumsatzes. Die gelten aber nur für den November.

Handel: Kulturschaffende und Gastronomen treffe dieser neue Lockdown böse, sagt Dr. Christof Morawitz vom Vorstand des Handels- und Gewerbevereins (HGV). Gastronomen seien sehr konsequent gewesen in der Umsetzung der Hygienekonzepte, die Gaststätten seien genauso wenig Corona-Hotspots wie der Einzelhandel. Daher zweifle er an der Verhältnismäßigkeit der Bestimmungen – und auch des Appells der Kanzlerin an die Bürger, zuhause zu bleiben. Dieser treffe die Gastronomie wie auch den Einzelhandel, der jedoch seine zu erwartenden Umsatzeinbußen nicht ersetzt bekomme. Und der Appell trage dazu bei, dass Kunden ins Online-Geschäft ausweichen. Denn "nur das Zusammenspiel von Handel und Gastronomie steht für das Erlebnis Stadtbesuch in Schwäbisch Gmünd", ist Morawitz überzeugt. Das Virus sei nun ein ständiger Wegbegleiter, es gelte, sinnvoll unter Wahrung der Abstands- und Hygieneregeln damit umzugehen und nicht alles vier Wochen aufzuschieben. Weil Handel und Gastronomie Partner sind, schlägt HGV-Geschäftsführerin Simone Klaus vor, dass Händler für den Adventskalender am Rathaus neben Gutscheinen für das eigene Geschäft welche für Gaststätten spenden, um diese zu unterstützen. Eine "super Idee", findet Morawitz.

Veranstaltungen: Die wird es grundsätzlich nicht mehr geben. Theater im Stadtgarten wie in der Theaterwerkstatt, die Literaturtage "WortReich" und vorgesehene Konzerte fallen Corona zum Opfer. Auch die Museen müssen schließen. Wie schon angedeutet, kann im November kein (reduzierter) Weihnachtsmarkt stattfinden. Wie es danach weitergehen wird, ist offen. Ohne Konzerte bleibt auch das Geschäft für die Veranstaltungsbranche aus. Mixtown-Geschäftsführer Dominik Arnold und Chris Kittel: "Wir müssen allein im November auf 16 große Veranstaltungen verzichten." Geöffnet bleibt der i-Punkt am Marktplatz, auch wenn es keine Tickets für November zu kaufen gibt. Der Souvenir-Verkauf sei aber möglich, "vielleicht für die ersten Weihnachtseinkäufe", sagt der Chef der Touristik- und Marketing GmbH. Im i-Punkt wird im Zweischicht-Betrieb gearbeitet und versucht, die bekannten Öffnungszeiten aufrecht zu erhalten. Abgesagt sind, so Markus Herrmann, alle Veranstaltungen des Amateursports.

Bäder: Kein Badespaß mehr: "Durch den aktuellen Beschluss der Bundesregierung schließen das Hallenbad und die Sauna für die Öffentlichkeit ab Montag voraussichtlich bis zum 30. November", sagt die Pressesprecherin der Stadtwerke Schwäbisch Gmünd, Hanna Ostertag. Wie es mit dem Schulschwimmen weitergeht, das sei noch offen. Aktuell warte man auf die Verordnung des Landes mit Details.

Kirchen: Religionsfreiheit sei neben dem Demonstrationsrecht eines der wichtigsten Rechte in einer Demokratie, sagt die evangelische Dekanin Ursula Richter. Deshalb ist sie froh, dass die Kirchen weiterhin Gottesdienste feiern können. Sie verwies auf gute Schutzkonzepte mit einem Abstand von zwei Metern während der Gottesdienste, mit Masken, ohne Gesang und mit namentlichen Erfassung der Gottesdienstbesucher. Richter bedauert, dass Restaurants und Gaststätten schließen sollen. Diese seie keine Hotspots. Fast am wichtigsten aber ist der Dekanin, dass mit den Gottesdiensten "in dieser Zeit, wo's ins Dunkle hineingeht, die Menschen durch Hoffnung und Gemeinschaft gestärkt werden". Froh, dass die Kirchen weiter Gottesdienste feiern können, ist auch der katholische Dekan Robert Kloker. Auch er verwies auf strengere Schutzmaßnahmen. Schwieriger werde die Gremienarbeit, sagte Kloker und nannte den Kirchengemeinderat als ein Beispiel.

Kinos: "Nicht nachvollziehbar" ist für KKF-Chef Walter Deininger, dass Kinos schließen müssen. Es gebe keine einzige nachgewiesene Infektion in einem Kino. Schließen muss er auch seine Kinokneipe nebenan. Dabei habe die sich gerade erholt. Vor zwei Wochen sei der Umsatz gewesen wie vor Corona. Dann habe es zu bröckeln begonnen. Noch nicht erholt hatte sich die Zahl der Kinobesucher. Deininger führt dies darauf zurück, dass die Besucher des anspruchsvolleren Films älter und damit vorsichtiger seien. "Manchmal ist das zum Verzweifeln, weil viele gute Filme den Bach runtergehen", sagt der Filmliebhaber, dessen Kino 2021 40 Jahre alt wird. Den "Rundumschlag nicht ganz nachvollziehen" kann auch Marius Lochmann, Chef des Gmünder Traumpalasts. Der Traumpalast hatte Ende August wieder geöffnet, mit einem strengen Hygienekonzept. Dabei seien die Monate September und Oktober gar nicht so schlecht gewesen, sagt Lochmann. Nun müsse der November überbrückt werden. Dann hoffe er, dass es im Dezember weitergeht, denn dieser Monat sei der umsatzstärkste.

Sportstudios: Runwald Schopf und sein Team vom Squash & Fit in Waldstetten mit der Außenstelle Safe in Bettringen sind vom Lockdown gleich doppelt betroffen: Neben den Fitnessstudios muss die Waldsauna ab Montag schließen. Er fürchtet, dass der Lockdown verlängert werden könnte. Wenn aber auch noch der Dezember wegbreche, in dem viele Kunden Gutscheine kaufen, werde die Lage kritisch. Zumal er jetzt erst "Tausende von Euro" in Luftreinhaltegeräte investiert habe. Im Studio Vera Braun sind die Tanz- und Fitnesskurse seit der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown im Juni auf die Hälfte der Teilnehmer reduziert, damit alle genug Abstand haben. Bis zum markierten Platz gilt Maskenpflicht. Und dennoch habe sie sich in den vergangenen Wochen angesichts der steigenden Fallzahlen nicht wohl gefühlt und könne die angeordnete Schließung für Fitnessstudios nachvollziehen, sagt Vera Braun. Hier bewegten sich die Leute doch nochmal anders als etwa in Gaststätten, wo sie eine Schließung nicht für nötig halte, wenn die Hygieneregeln umgesetzt werden. Ihr Studio werde nun wieder Onlinekurse anbieten.

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