Viel mehr Sorgen auf der Welt als Impfen oder nicht

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Zu ihren Fürbitten entzündeten die Gläubigen beim Abendgebet in der Augustinuskirche Kerzen am Taufstein. Im Hintergrund die Dekane Ursula Richter und Robert Kloker.
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Ökumenisches Abendgebet der beiden Dekane in der Augustinuskirche gegen die drohende Spaltung der Gesellschaft.

Schwäbisch Gmünd

Geimpft oder ungeimpft: Diese Unterscheidung droht zu einem Spaltpilz der Gesellschaft zu werden. Die Menschen in diesem Konflikt wieder zum Dialog zu führen, war der Zweck eines ökumenischen Abendgebets, zu dem die evangelische Dekanin Ursula Richter und ihr katholischer Amtskollege Robert Kloker am Freitag in die Augustinuskirche geladen hatten.

Der Verlauf des Gebets zeigte die vielfältigen Probleme, die mit Corona verbunden sind. Er zeigte aber auch sehr deutlich auf, dass es neben der (Nicht-)Impfung noch weit mehr Sorgen und Probleme in der Welt gibt.

Die Besucher waren aufgerufen, zu Fürbitten nach vorne an den Taufstein vor dem Altar zu kommen, eine Kerze zu entzünden, und - wenn sie wollten - eine Fürbitte laut auszusprechen. „Für alle, die einsam sind oder sich einsam fühlen“ bat zum Beispiel eine Ordensfrau. Eine andere Besucherin bat für alle Menschen mit Handicap. „Für alle Hochschwangeren, die in diesen Tagen vor der Geburt stehen“, gab es ebenso eine Bitte wie für alle Trauernden. Für den Frieden auf der Welt baten die Kirchenbesucher oder einfach „für alle Menschen“. Robert Kloker sprach eine Fürbitte aus für die Studierenden, die bei dem Amoklauf in Heidelberg getötet oder verletzt worden sind und für die beiden Polizisten, die bei Kusel erschossen worden sind. Gedanken gingen ebenso zu den Menschen in der Ukraine, die um den Frieden in ihrem Land bangen müssen.

Für ungeimpfte Pflegende

Doch natürlich war auch in diesen Fürbitten der Anlass des ökumenischen Abendgebets ein Thema. Dekanin Ursula Richter bat zum Beispiel für diejenigen, die an den Nachwirkungen des Corona-Virus leiden, für das Pflegepersonal, das wegen der Pandemie seit zwei Jahren unter Hochdruck steht, und für alle, die in diesen Zeiten schwere Entscheidungen treffen müssen. Für ein friedliches und solidarisches Miteinander, wohl angelehnt an das Motto der Petition der Aktion „GD für Solidarität“, lautete eine andere Bitte. Und eine Besucherin sprach eine Fürbitte „für alle, die in der Pflege arbeiten, sich nicht impfen lassen wollen und nicht wissen, wie's für sie nächsten Monat weitergeht“.

„Seid auf das Gute bedacht gegenüber jedermann“, diesen Satz aus dem biblischen Römerbrief hatten die beiden Dekane als Motto über das Abendgebet für Stadt und Land gestellt. Kloker und Richter riefen erneut ganz klar dazu auf, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Freiheit sei immer auch mit Verantwortung gegenüber der Gesellschaft verbunden. Aber sie appellierten auch, den Dialog mit den anderen - geimpft oder ungeimpft - weiter zu führen. „Jeder Mensch ist mehr als ein Geimpfter oder Ungeimpfter“, so die evangelische Dekanin. Es sei ein demokratisches Recht, auf die Straße zu gehen und seine Meinung zu sagen, stellte Robert Kloker klar. Wer dabei jedoch von „Diktatur“ rede, sei geschichtsvergessen und verhöhne die Menschen, die wirklich unter einer Diktatur leiden oder gelitten haben, kritisierte Ursula Richter. „Lass und gelassener werden, aus unseren Fehlern lernen“ und „zunächst das Gute in anderen Menschen sehen“, so zitierte sie aus einem Corona-Gebet, das sie im Internet gefunden hatte.

Friedlich und würdevoll

Und eine der Fürbitten, die der katholische Dekan Robert Kloker für diesen Abend formuliert hatte, lautete: „Wecke in allen das Bewusstsein für einen friedlichen und würdevollen Umgang miteinander.“

Musikalisch umrahmt wurde das ökumenische Abendgebet von Bezirkskantor Thomas Brückmann.

Für alle, die einsam sind oder sich einsam fühlen“.

Die Fürbitte, einer Ordensfrau

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