Viele Fragen nach 18 Corona-Todesfällen

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Im Seniorenzentrum Wetzgauer Berg hat es mit insgesamt 77 infizierten Bewohnern und 37 infizierten Mitarbeitern den bisher größten Corona-Ausbruch in Senioreneinrichtungen im Ostalbkreis gegeben.
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Wie weit die mobilen Teams bei den Impfungen in den Seniorenheimen sind. Und warum die Menschen in den Einrichtungen, in denen das Virus grassiert, nicht zuerst eine Impfung bekommen.

Schwäbisch Gmünd

Nachdem mittlerweile 18 Menschen seit Ende Dezember durch die Corona-Ausbreitung im Seniorenzentrum Wetzgauer Berg gestorben sind, taucht die Frage nach der Schuld auf. Mehrere Angehörige von Bewohnern des Heims haben sich nach dem mit insgesamt 114 infizierten Bewohnern und Mitarbeitern bisher größten Corona-Ausbruch in einer Einrichtung im Ostalbkreis an das Landratsamt gewandt.

Warum hat das Landratsamt nach dem Ausbruch im Seniorenzentrum Wetzgauer Berg Ende 2020 nicht gleich Impfungen dort veranlasst? So lautet eine der Fragen der Angehörigen. Sobald in einem Heim Corona-Infizierte nachgewiesen seien, werde dort nicht mehr geimpft, erklärt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle. Einerseits, um die mobilen Impfteams vor Ansteckung zu schützen. Zum anderen sei es medizinisch nicht sinnvoll, jemanden zu impfen, der das Virus bereits in sich trage – und dieses sei anfangs nicht immer nachweisbar. Die Zuständigen des Landratsamts hätten den Angehörigen auf ihre Schreiben hin geantwortet und mitunter darauf sowie auf die Infektionsschutzmaßnahmen in den Heimen verwiesen, sagt Susanne Dietterle.

Hätte das Heim die Angehörigen früher informieren müssen? Sobald der Test eines Bewohners positiv ausgefallen sei, riefen die Mitarbeiter die Angehörigen an, antwortet Bernhard Rössler, Pressesprecher der Senioren-Dienstleistungsgesellschaft Haus Edelberg, zu der das Seniorenheim Wetzgauer Berg gehört. Es sei nicht möglich gewesen, alle gleichzeitig zu informieren, immerhin gebe es dort 130 Bewohner. Doch die Angehörigen der Nicht-Infizierten seien in den kommenden Tagen und Wochen in Kenntnis gesetzt worden.

Reichten die Schutzmaßnahmen im Seniorenzentrum aus? Es habe täglich Antigentests für Mitarbeiter sowie wöchentlich zwei Antigentests für Bewohner gegeben, sagt Bernhard Rössler. Bei positiven Antigentests seien sofort PCR-Tests erfolgt. Nach positiven Tests seien Infizierte und Nicht-Infizierte unverzüglich getrennt worden.

Wie ist der Stand bei den Impfungen in den Seniorenheimen? In der Hälfte der insgesamt 52 Heime im Ostalbkreis seien die mobilen Teams gewesen, um Mitarbeiter und Senioren zu impfen, oder die Termine stehen nun an, antwortet Susanne Dietterle. Das mobile Impfteam des Ostalbkreises bediene insgesamt 28 Heime in Aalen, Ellwangen und anderen Orten im östlichen Kreis. Das mobile Impfteam des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) aus Stuttgart sei zuständig für 24 Einrichtungen im westlichen Kreis. Denn die Anfahrt von Stuttgart nach Lorch oder Schwäbisch Gmünd sei doch deutlich kürzer als nach Aalen. Das Seniorenzentrum Wetzgauer Berg sei jedoch dem Impfteam des Kreises zugeordnet, teilt RBK-Sprecherin Britta Käppeler mit. Sie berichtet, dass die mobilen Impfteams des RBK bis einschließlich kommenden Sonntag insgesamt 23 Einrichtungen im Ostalbkreis besucht haben, davon zwei Hospize. Hinzu kommen Besuche in fünf Einrichtungen für die Zweitimpfung. Nun sei angedacht, dass das RBK weitere Einrichtungen vom Impfteam des Kreises übernimmt.

Es wäre natürlich einfacher, wenn der Impfstoff in Massen fließen könnte.

Susanne Dietterle, Sprecherin des Landratsamts

Wie viele Bewohner und Mitarbeiter in den Heimen lassen sich impfen? "Unsere Beobachtung ist, dass insbesondere die Impfbereitschaft von Bewohnern sehr hoch ist", erklärt Britta Käppeler. Doch auch mehr als die Hälfte des Personals von Alten- und Pflegeheimen lasse sich im Durchschnitt impfen. Allerdings sei dies von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich: Während manchenorts nahezu jeder Mitarbeiter eine Impfung wolle, sei anderswo hohe Zurückhaltung spürbar.

Wie lange soll es grob dauern, bis die mobilen Impfteams in allen Heimen waren? Dies hänge von der Verfügbarkeit des Impfstoffes ab, antwortet Susanne Dietterle und gibt daher keine Prognose ab.

Wie wird der Impfstoff zwischen dem Kreisimpfzentrum und den mobilen Teams aufgeteilt? 80 Prozent gehen an die Heime, 20 Prozent an das Kreisimpfzentrum, wo derzeit Menschen über 80 Jahren geimpft werden, sagt die Landratsamtssprecherin. Denn Bewohner in Seniorenheimen seien allein durch das Personal zwangsweise mehr Begegnungen und so einem viel größeren Infektionsrisiko ausgesetzt als Senioren, die in ihren eigenen vier Wänden leben.

Ist fehlender Impfstoff Ursache dafür, dass Menschen sterben? "Eine schwierige Frage", sagt Susanne Dietterle: "Es wäre natürlich einfacher, wenn der Impfstoff in Massen fließen könnte." Doch nachdem zunächst angekündigt war, dass ein Impfstoff erst im zweiten Halbjahr 2021 auf den Markt kommen könnte, "müssen wir jetzt froh sein, dass es so schnell ging", meint sie. Wohlwissend, dass dies für Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, kein Trost ist. Gerade auch den Angehörigen der Verstorbenen im Seniorenzentrum Wetzgauer Berg drücken Landrat Dr. Joachim Bläse und sie ihre herzliche Anteilnahme aus.

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