Viele Schulleiter kritisieren den Wegfall der Corona-Tests

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Friedensschule
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Wenn die Masken- und gleichzeitig die Testpflicht an Schulen wegfällt, könnte es vermehrt zu Unterrichtsausfällen und Erkrankten kommen.

Schwäbisch Gmünd

Sophie ist zehn Jahre alt und in der fünften Klasse der Realschule. Wenn sie ins Schulhaus geht, zieht sie ganz selbstverständlich ihre OP-Maske über die Nase. Und das, obwohl seit dieser Woche die Maskenpflicht an den Schulen nicht mehr gilt. „Mich stört das nicht, und ich bin so besser geschützt vor Corona“, sagt das Mädchen. So wie Sophie macht es etwa die Hälfte der Schüler an der Adalbert-Stifter-Realschule in Gmünd, wie der stellvertretende Schulleiter Wilfried Morschl berichtet.

Er sieht's einerseits als Erleichterung. „Wir sehen die Gesichter der Schüler wieder, können mit Mimik und Gestik arbeiten und die Schüler auch mal anlächeln“, sagt er. Wenn Morschl mit Abstand vor der Klasse steht, nimmt er die FFP2-Maske ab. Im direkten Gespräch setzt er sie auf. Andererseits schwingt die Sorge vor massiv steigenden Corona-Zahlen mit. An der Realschule habe es eine richtige Welle nach den Faschingsferien gegeben, in der Spitze seien elf von 55 Lehrern an Corona erkrankt gewesen, Unterricht musste ausfallen, Schüler erhielten Aufgaben online, erklärt Morschl und lobt Schüler und Eltern, die sehr verständnisvoll reagiert hatten.

Dies alles bestätigt Daniela Maschka-Dengler, Schulleiterin der Friedensschule auf dem Rehnenhof und geschäftsführende Schulleiterin der Gmünder Grund-, Haupt- und Realschulen. „Wir haben zurzeit keine Klasse, die coronafrei ist.“ Sie sei ständig dabei, Unterrichtslücken zu stopfen, weil Lehrer fehlten. Sie gönne den Schülern und Lehrern Schule ohne Maske. Aber das Tragen der Maske sei einfach ein großer Schutz. Deshalb ist die Schulleiterin froh, dass viele Lehrer und Schüler trotzdem eine Maske aufsetzten. In den unteren und in den Abschlussklassen seien es rund 20 bis 30 Prozent, bei den Fünft- und Sechstklässlern sitze etwa die Hälfte mit Maske im Unterricht.  „Wir empfehlen sehr das Tragen einer Maske bis mindestens zu den Osterferien“, erläutert Thomas Eich, Schulleiter des Gmünder Parler-Gymnasiums. „Meine Sorge ist groß, dass bei den weiter hohen Inzidenzen durch den Wegfall der Maskenpflicht das Infektionsgeschehen zunehmen wird, wir mehr Infektionsfälle erhalten, mehr Lehrkräfte sich anstecken.“ Besonders im Hinblick auf den Abiturjahrgang könnte die Prüfungsvorbereitung eingeschränkt werden. Bislang tragen laut Eich mehr als 75 Prozent der Schüler eine Maske, bei den Lehrkräften seien es sogar 100 Prozent. Besorgte Abiturienten gibt's auch am Hans-Baldung-Gymnasium, wie Schulleiter Veit Botsch berichtet. In dem Jahrgang werde verstärkt auf Maske gesetzt. Prinzipiell begrüßt er aber den Wegfall der Pflicht. „Ich glaube, es könnte wieder normaler werden.“ An der Schule hätten die meisten schon eine Infektion hinter sich. Viele Eltern seien vernünftig und ließen kranke Kinder zuhause. Deshalb befürwortet Botsch auch den Wegfall der Testpflicht nach den Osterferien. Denn Corona sei in den betroffenen Klassen trotz Masken und Tests herum gegangen.

Zu wenig Sicherheit

Viele Schulleiter sehen dies anders. „Das Beibehalten der Tests hätte ich mir sehr gewünscht“, sagt Daniela Maschka-Dengler. Bei allen Tests seien positive Ergebnisse dabei. Nach ihrem Empfinden kommen die meisten Schüler gut mit den Tests zurecht. „Ein echtes Problem“, so beschreibt Wilfried Morschl den Wegfall der Tests in Kombination mit dem Wegfall der Maskenpflicht. „Wir hatten innerhalb der Klassen nie ein großes Infektionsgeschehen, weil wir etliche Schüler bei den regelmäßigen Tests rausfischen konnten“, erläutert er. Morschl hätte sich wenigstens Tests an den Montagen gewünscht. An der Friedensschule möchte Daniela Maschka-Dengler nach den Osterferien nochmals montags und mittwochs Tests anbieten, wenn die Eltern nichts dagegen haben.

Auch Thomas Eich kritisiert den Wegfall, sollten die Inzidenzen nicht deutlich fallen. Er selbst habe sich vor einiger Zeit mit Corona angesteckt und erfahren, wie ansteckend die aktuelle Variante ist. „Wir erhalten leider relativ zuverlässig an den Testtagen positive Schnelltests, können aber reagieren.“ Durch die Testpflicht der Schule testeten viele Eltern am Parler ihre Kinder schon zuhause und verhinderten damit in sehr vielen Fällen, dass die Infektion ins Klassenzimmer kommt. Eich: „Mit dem Wegfall der Testangebote befürchte ich, dass diese Testbereitschaft bereits zuhause sinken wird.“ Er fragt, welche Sicherheitsmaßnahmen an Schulen bleiben. Offene Fenster und - teilweise - CO2-Melder. „Das erscheint mir zu wenig.“

Wir können aktuell dank der Testpflicht reagieren.“

Thomas Eich,, Schulleiter

Keine Zahlen vom Gesundheitsamt

Wie viele Schüler im Ostalbkreis aktuell an Corona erkrankt sind, ist nicht bekannt. Die Gesundheitsämter verfolgen das Infektionsgeschehen an Schulen und Kitas seit Anfang Februar nicht mehr nach, erklärt Susanne Dietterle, Pressesprecherin des Landratsamtes. me

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