Vincent Klink war in zehn Minuten fertig

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Immer in Bewegung: So charakterisiert sich Ingrid Hertfelder mit dem Bild, das sie von sich selbst gemacht hat - inmitten der Porträts ihrer Ausstellung "Kreatvie Köpfe".
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Wie sind sie, die Ostalb-Menschen, wenn man sie vor der Kamera hat? Die Fotografin und Ausstellungsmacherin Ingrid Hertfelder im Interview.

Schwäbisch Gmünd. Mit Vincent Klink war sie in zehn Minuten fertig, Michael Gaedt hat sich erst einmal eine Stunde nur unterhalten. Werner Koczwara hat ihr blind vertraut. Die Gmünderin Ingrid Hertfelder hat über vier Jahre hinweg fast 50 Persönlichkeiten von der Ostalb fotografiert: „Kreative Köpfe“ heißt ihre Ausstellungen großformatiger Porträts. Ein Interview mit der Menschen-Kennerin - und die Frage: Wie sind sie eigentlich, die Ostalb-Menschen?

Sie haben fast zehn Jahre in den USA gearbeitet, ehe Sie wieder heimgekehrt sind. Das Klischee heißt: Amerikaner sind ganz offen, Schwaben erst einmal verschlossen. Richtig?

Ingrid Hertfelder: Es stimmt tatsächlich. Aber das heißt nicht, dass ersteres besser ist. In den USA ist meist eine große Offenheit da, aber keine große Verbundenheit.

Zu Ihrer Arbeit als Porträtfotografin gehört, dass man eine Beziehung herstellt. Hat es Ihnen da geholfen, dass Sie auch von hier sind?

Auf jeden Fall.

Wird schwäbisch geredet bei so einer Porträtsitzung?

Ja, mit ganz vielen. Dass sich diese Menschen auf mich eingelassen haben, das hat glaube ich damit zu tun, dass sie diesen gemeinsamen Bezug gesehen haben, diese Zugehörigkeit zur Ostalb. Da ist dann schon ein kleinster gemeinsamer Nenner.

Mit wem haben Sie angefangen?

Mit Michael Nuber, weil wir uns ganz gut kannten, er ist mein ehemaliger Klavierlehrer. Aber die meisten kannte ich zuvor nicht.

„Kreative Köpfe“ heißt Ihre Ausstellung, da denkt man erst einmal an Künstler. Sie haben auch Politiker fotografiert – sind die denn so kreativ?

Ich finde schon, Gmünds OB Richard Arnold hat doch viele kreative Ideen.

Auch Wirtschaftsleute, Unternehmer?

Absolut, ich bin ja selber Unternehmerin. Andreas Götz von der Kreissparkasse hatte sogar Ideen, wen ich noch unbedingt fotografieren sollte: Er hat mir den Flex vorgeschlagen (Michael Flechsler von Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle – Red.), deshalb ist der dabei.

Wie haben Sie Ihre Auswahl getroffen?

Es ist eine Mischung aus Recherche, Intuition und subjektivem Interesse. Ich hatte nie den Anspruch, alle Kreativen im Ostalbkreis enzyklopädisch abzubilden. Es ist sicher nur ein kleiner Teil.

Unter Ihren „Kreativen Köpfen“ sind zehn Frauen und 36 Männer.

Auch auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern habe ich nicht geachtet. Aber es ist für mich ein Spiegel der Verhältnisse, wie sie wirklich sind. Ich habe einmal bei einer Wirtschaftsrunde in Aalen fotografiert, da waren 60 Leute dabei, davon eine Frau.

Wer hat Sie überrascht?

Michael Gaedt hat mich überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass er sich so viel Zeit nimmt. Wir haben erst einmal eine Stunde nur geredet, er hat viel von seiner Zeit in Amerika erzählt.

Mit wem war es am witzigsten?

Witzig war eigentlich kein Treffen, ich würde eher sagen: unterhaltsam. Das war es etwa mit Michael Gaedt, sehr sogar. Schon wenn er kommt, mit seinem Oldtimer und im Pelzmantel, was für ein Auftritt.

Ein Experte für Witz ist der Kabarettist Werner Koczwara. Die Humor-Profis sind abseits ihrer Bühne aber gar nicht immer witzig, oder?

Ja, mit ihm war es die kürzeste Sitzung von allen. Als ich gefragt habe: Wollen Sie die Bilder sehen?, meinte er: Nee, passt.

Gab's auch Absagen?

Vincent Klink hat meine Anfrage erst abgelehnt. Ich habe ihn später bei einer Lesung in Aalen angesprochen, und er hat sich überzeugen lassen. Er hat dann erzählt, dass er schon schlechte Erfahrungen mit Fotografen gemacht hatte. Was sehr geholfen hat, war das Fortschreiten meines Projekts. Irgendwann konnte ich auf die schon entstandenen Bilder verweisen, und ganz oft kam die Reaktion: „Ach, den oder die kenne ich gut ...“

Ist mit der Ausstellung Ihre Ostalb-Porträtphase nun abgeschlossen? Wenn ja, was kommt als nächstes?

Nein, es geht weiter mit den „Kreativen Köpfen“. Aber ein neues Projekt habe ich auch in Planung.

Ingrid Hertfelder (41), gebürtige Gmünderin, hat seit 2016 insgesamt 46 Persönlichkeiten aus dem Ostalbkreis für ihre Ausstellung fotografiert. Das Ergebnis sind großformatige Schwarz-Weiß-Porträts, von denen eine Auswahl noch bis zum 21. August beim Schwäbisch Gmünder Kunstverein (Galerie im Kornhaus) ausgestellt ist.

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