„Vision Europa“ auch nach dem Festival

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Zum Abschluss des Festivals Europäische Kirchenmusik bringt das Collegium Vocale die musikalischen Wurzeln Europas beim ökumenischen Schlussgottesdienst in der Augustinuskirche zum Ausdruck.
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Beim Schlussgottesdienst zur Europäischen Kirchenmusik in der Augustinuskirche geht es immer wieder ums Festivalmotto. Collegium Vocale mit hochkarätigem Beitrag.

Schwäbisch Gmünd

Mehr als bei früheren Festivals Europäische Kirchenmusik steht diesmal das Motto im Mittelpunkt. „Vision Europa“, das drückt sich 2022 nicht nur bei den musikalischen Inhalten aus. Dekan und Münsterpfarrer Robert Kloker – er feiert diesen Abschlussgottesdienst gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Matthias Plocher - beleuchtet  in der Augustinuskirche den europäischen Gedanken, spricht über die Rolle der Kirche und ruft dazu auf, die Vision vom Traum von Europa jetzt nicht aufzugeben.

Die musikalischen Wurzeln Europas bringt bei diesem ökumenischen Gottesdienst das Collegium Vocale unter der Leitung von Walter Johannes Beck zum Ausdruck.  Die vielen Besucherinnen und  Besucher hören hochkarätige Aufführungen von Komponisten, die die Musik Europas geprägt haben, Werke aus der Zeit zwischen 15. und 17. Jahrhundert, unter anderem von Josquin Desprez, Claudio Monteverdi und Heinrich Schütz. Am Ende feiert das Publikum das Ensemble mit lang anhaltendem Beifall, der auch Thomas Brückmann an der Orgel gilt.

Einheit in der Vielfalt

Man dürfe „dankbar sein für die kulturelle Vielfalt Europas, die sich in den drei Wochen des Festivals im Bereich der Musik entfaltet hat“, sagt Robert Kloker. Die Programmmacher des Festivals hätten, als sie das Motto auswählten, nicht erahnen können, welche politische Sprengkraft im Sommer 2022 dahinter steckt. „Was ist denn unsere Vision von Europa, wie ist sie geprägt von unserem christlichen Glauben?“, die Frage stellt Kloker in den Mittelpunkt. Geografisch bestimmen sei schwierig, ethnisch gehe schon gar nicht, dazu kämen unterschiedliche Sprachen und Kulturen. Deshalb könne es nur um die Einheit in der Vielfalt gehen. Dennoch sieht er eine Einheit, die mit den Namen Jerusalem, Athen und Rom in Verbindung stehe. Der antike hellenistisch-römische Humanismus, die jüdisch-christliche Tradition und die neuzeitliche Aufklärung mit den allgemeinen Menschenrechten seien das gemeinsame Erbe aller Europäer.  Die europäische Kultur habe sich immer wieder als offen und integrationsfähig erwiesen für neue geschichtliche Situationen und Herausforderungen. „Vor einer solchen Herausforderung sind wir durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gestellt“, so Kloker. Der Traum vom gemeinsamen Haus Europa mit offenen Türen habe einen Dämpfer bekommen. Er bringt das von Plocher vorgetragene Gleichnis Jesu vom Unkraut unter dem Weizen ins Spiel. Gerne würden wir das vermeintlich Böse ausreißen und könnten es doch nicht. Einzig tröstlich für alle, die unter dem leiden, was in Europa derzeit geschehe, sei der christliche Gedanke. „Das letzte Wort hat Gott als Herr der Geschichte.“ Allen Widerständen zum Trotz müsse man am Traum von Europa weiter arbeiten. 

Das Festival Europäische Kirchenmusik kann weiter seinen Beitrag leisten. Intendant Klaus Stemmler erinnert schon ans 35. Festival vom 14. Juli bis 6. August 2023. Und er lobt die außergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit den Kirchen.

Erst verhaltenes Interesse, dann vielfach ausverkauft

Das 34. Festival Europäische Kirchenmusik erlebten viele Besucher aus Gmünd und weit darüber hinaus. Vermutlich wegen der Corona-Erfahrungen war der Vorverkauf zunächst  verhalten. Am Ende waren aber viele Konzerte ausverkauft. Die Veranstalter signalisierten Zufriedenheit, ebenso der Freundeskreis des Festivals.Diesmal gab‘s für Besucher nach dem Gottesdienst Bonbons mit eingearbeitetem EKM-Logo. Und die Bitte, für ukrainische Kinder zu spenden. Damit soll an der Musikschule Instrumentalunterricht ermöglicht werden. Darüber und wie das Festival im Detail gelaufen ist, wollen die Verantwortlichen am Dienstag informieren.

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