Vom Herrenhof zur Reichsstadt

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Mit einem historischen Gewand gekleidet führt Gästeführer Walter Schaaf (2.v.l.) Interessierte durch Schwäbisch Gmünd.
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Gästeführer Walter Schaaf beleuchtet die Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd von den Ursprüngen an.

Schwäbisch Gmünd

Im Jahr 2012 feierte Schwäbisch Gmünd sein 850.jähriges Stadtjubiläum und wird als „älteste Stauferstadt“ bezeichnet. Aber was war vor der Zeit der Staufer, welche markanten Zeichen hat das Adelsgeschlecht in der Stadt hinterlassen und was passierte nach dem Ende der Staufer mit Schwäbisch Gmünd? Einige dieser Fragen konnte der Gästeführer Walter Schaaf am Sonntag einer interessierten Gruppe von rund zwölf Personen auf einer Stadtführung beantworten.

Unter dem Motto „vom Herrenhof zur Reichsstadt“ wurden einige Fakten aus der Vergangenheit, die aber nicht in Vergessenheit geraten sind, präsentiert. Eine exakte Jahreszahl, wann die erste Besiedlungen im jetzigen Schwäbisch Gmünd begonnen haben ist nicht hinterlegt, Gästeführer Schaaf geht aber von der Zeit um 160 nach Christi Geburt aus. Um diesen Zeitpunkt herum seien die Römer „den Neckar herauf“ nach Schwäbisch Gmünd gekommen, dies belegen die zwei Kastelle in der Region dem Schirenhof und die Freimühle und legt die Vermutung nahe, dass die Region besiedelt wurde. Dies bezeugen auch etliche Orte in der Umgebung die mit der Endung „ingen“ versehen sind. Diese Wortendung weisen auf die alamannische Landnahme hin.

Ein weiterer Beleg für eine frühere Besiedlung ist bei der Johanniskirche zu finden. An der Stelle des Gotteshauses standen in Vorzeiten bereits zwei Vorgängerkirchen. Dies sei ein Zeichen, dass hier der erste „Herrenhof“ eine kleine Siedlung mit kleineren Bauernstellen zu finden war.

Ein Erbgeschäft

In der Folgezeit wurde dieser „Herrenhof“ zu einem „Marktort“ ausgebaut, um schließlich zu einer Stadt erweitert zu werden. Ein Erbgeschäft zwischen Adligen belegt die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Schwäbisch Gmünd. Die Verschenkung von Leibeigenen an das Kloster Lorch wurde von 15 Zeugen beurkundet, die in dem noch vorhandenen Schriftstück als „Stadtbürger von Gmünd“ bezeichnet werden. Somit kann Gmünd das Attribut „älteste Stauferstadt“ tragen.

In den Jahrhunderten ihres Herrschens haben die Staufer zahlreiche Zeugnisse hinterlassen. So ist der Gmünder Marktplatz im typischen Stil der Staufer angelegt: langgezogen und die angrenzenden Gassen führen strahlenförmig zum Stadtmittelpunkt.

Die Lage der Stadt an der Rems gelegen, machte die Siedlung „prädestiniert dazu zu einer Stadt ausgebaut zu werden“ – die Rems wurde benötigt um Mühlen zu betreiben und die Handwerkskunst der Sensenmacher war bis nach Frankreich hin bekannt, denn nur Gmünder Sensen wurden mit dem Gütesiegel, dem Einhorn, versehen.

Die im 13. Jahrhundert errichtete erste Stadtmauer umfasste ein Areal von rund 16 Hektar, eine Erweiterung erfolgte bereits ein Jahrhundert später, eine zweite Stadtmauer mit 24 Türmen wurde gebaut. Wobei einige Türme eine „unrühmliche“ Vergangenheit besitzen. Der Königsturm diente als Gefängnisturm, hier fanden im 17. Jahrhundert die Hexenprozesse statt, bei denen rund 50 Personen ihr Leben lassen mussten.

Der „Stammgast“ Barbarossa

Das Barbarossa „Stammgast“ in Gmünd war, belegt der „Barbarossakeller“ aus dem 13. Jahrhundert im Hotel Einhorn, weiteren „hohen Gästen“ wird eine Anwesenheit in Schwäbisch Gmünd nachgesagt. So sollen die Gebeine der Heiligen drei Könige auf ihrer Überführung von Mailand nach Köln zumindest eine Nacht hier verbracht haben.

Mit der Enthauptung des letzten Stauferkönigs Konradin im Oktober 1268 endet die Staufergeschichte in Schwäbisch Gmünd nicht aber die Stadtgeschichte. Bis in das Jahr 1802 war die Stadt rein katholisch, alle Reformationsversuche scheiterten, im September 1802 nahm das Herzogtum Württemberg militärisch Besitz von der Reichsstadt und brachte „evangelische Soldaten“ in die Stadt – damit endete gleichzeitig die Ära der Stadt Schwäbisch Gmünd als „Reichsstadt“.

Die Führung „Vom Herrenhof zur Reichsstadt“ wird von der Stadt Schwäbisch Gmünd zweimal im Jahr angeboten - das nächste Mal am Sonntag, 31. Oktober. Eine Anmeldung ist nicht zwingend erforderlich, wobei eine Reservierung möglich ist. Nähere Informationen gibt es im i-Punkt in Schwäbisch Gmünd Telefon sowie telefonisch unter der Nummer (07171) 6034250.

"Alle Reformationsversuche in Schwäbisch Gmünd scheiterten.“

Walter Schaaf,, Gästeführer

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