Vom Nepomuk zur Scheißdrecksgasse

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Beim Start an der Waldstetter Kirche St. Laurentius segnete Pfarrer Dr. Horst Walter die Gruppe.

Bei der zentralen Wanderung von Waldstetten nach Weilerstoffel gibt‘s viele Geschichten und Anekdoten rund um Wegkreuze, Hausbilder und Bildstöcke.

Waldstetten/Schwäbisch Gmünd

Gerade mal fünf Grad konnte man vom Thermometer ablesen, als sich am Sonntag die Teilnehmer der zentralen Wanderung der Glaubenswege auf dem Platz vor der Kirche St. Laurentius in Waldstetten trafen. Doch die frischen Temperaturen taten der guten Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil, umso beschwingter wurde zwischen den einzelnen Stationen gewandert. "Und lass‘ sie wieder unversehrt nach Hause gehen …" segnete Pfarrer Dr. Horst Walter die Gruppe. Bürgermeister Michael Rembold stellte fest, dass man sich nun gemeinschaftlich auf den Weg mache, der etwas für "Körper, Geist und Seele ist".

83 Waldstetter Kleindenkmale

Bevor sich die Gruppe schließlich aufmachte, wurde ein kurzer Halt beim Schulhaus Kramer, unterhalb der Kirche, eingelegt. Hier informierte Cornelia Nesper über das Hausbild, das Jesus beim Segnen von Schulkindern zeigt. Sie gab auch unumwunden zu, dass ihr Adrenalinspiegel erst vor einer Stunde mächtig in die Höhe geschossen sei. Grund war, dass Bernd Krieger, der ursprünglich die Erläuterungen für die Hausbilder, Wegkreuze und Bildstöcke bieten wollte, erkrankt war. So sprang Cornelia Nesper für ihn ein, an ihrer Seite immer wieder Zusatzinfos bietend, Anton Kaiser.

Das Trio Nesper, Krieger und Kaiser vom Heimatverein war es auch, das die Wegführung für die diesjährige zentrale Wanderung auf den Glaubenswegen ausgesucht hatte, die über die Gemarkungen von gut einem Dutzend Kommunen führen. Cornelia Nesper informierte unter anderem darüber, dass es in Waldstetten insgesamt 83 Kleindenkmale gebe. Davon allein 32 in Wißgoldingen. "Uns interessierte die Historie", beschrieb sie, dass sie und ihre Heimatverein-Kollegen sich ans Werk machten, die Geschichten hinter den Kleindenkmälern zu erkunden. Gut eineinhalb Jahre wurden hierfür investiert, zahllose Zeitzeugen befragt und schließlich die Erläuterungen, Geschichten und "Histörchen" aufbereitet. Zu groß sei die Gefahr, dass diese sonst in Vergessenheit gerieten, beschrieb sie.

Gymnasiast Niklas Lorösch ging auf die Historie von St. Laurentius ein. So erfuhren die Teilnehmer etwa, dass die heutige Kirche bereits zwei Vorgängerkirchen an selber Stelle hat.

Die gut zweistündige Wanderung brachte viele Erkenntnisse durch die Erläuterungen von Cornelia Nesper und Anton Kaiser. Etwa, dass eine Nepomuk-Statue gespendet wurde, damit sich endlich Kindersegen im Haus einstellte. Ergebnis: Ein Sohn wurde geboren – und der wiederum wurde Vater von 16 Kindern. Oft zeigte sich auch, dass Wegkreuze aus Dankbarkeit errichtet wurden. Zum Beispiel dafür, dass Gatte und Söhne unbeschadet aus dem Krieg wiedergekehrt waren.

Zum allgemeinen Vergnügen wurde in Waldstetten zudem ein Hohlweg passiert, der einen außergewöhnlichen Namen hat: Scheißdrecksgasse. Leider kann bis heute nicht geklärt werden, warum dieser Hohlweg diesen Namen hat.

Höhepunkt und Abschluss der Wanderung war an der Patriziuskapelle in Weilerstoffel. Einst im 18. Jahrhundert aus Dankbarkeit von Bauern errichtet, da Viehseuchen geendet waren.

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