Von der Rute über den Trichter bis hin zum Eselskopf

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Schulmuseum
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Was noch bis Ende August in den Räumen in der Klösterlestraße zu sehen ist.

Schwäbisch Gmünd. Das vierte Zimmer im Gmünder Schulmuseum zeigt aktuell die Sonderausstellung „Lob und Tadel – Schulleid und Schulfreud in aller Zeit“, die mit dem Museumsgestalter Tomas Sturm entwickelt wurde. Die Ausstellung endet Ende August, dann wird sie abgebaut und macht einem anderen Thema Platz.

„Lob und Tadel“ ist eine informative Ausstellung über Pädagogik von der Antike bis in die Moderne. Sehenswert deshalb, weil sie die einzelnen Methoden und Erziehungsziele aussagestark formuliert. Sie macht nachdenklich, weil deutlich wird, wie prägend Schule für die Entwicklung der Persönlichkeit ist.

Das Gmünder Schulmuseum

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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom
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Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße. © Tom

Schläge an der Tagesordnung

Ein Kapitel, das erst im Jahr 1973 per Verbot endete, ist physische Bestrafung. Nach dem Motto „Wer nicht hören will, muss fühlen!“,erhielten Kinder Schläge: mit der Rute auf die Fingerspitzen, aufs Gesäß mit Stock, Rute und Gürtel oder ein Schlüsselbund flog an den Kopf, und besonders schmerzhaft, das Knien auf einem Dreikantholz.

Passte jemand nicht auf oder wusste etwas nicht, kam ein Trichter zum Einsatz. „Was ist dir eingetrichtert worden?“, fragten Lehrer und knallte einen großen Trichter auf den Kopf des Kindes, aus dem Kreidestaub auf das Haar fiel. Der durfte nichtweggewischt werden, blieb als weißer Fleck sichtbares Schandmal: „Der ist heute getrichert worden!“ Besonders schmerzhaft war, wenn der Trichter ans Ohr gesetzt wurde und die Lehrkraft hinein brüllte.

Die Schülerinnen bei der Führung mit Gerda Fetzer fanden den hölzernen Eselsbock recht niedlich. Aber auch er war eine Strafe. Das Kind bekam einen Eselskopf aufgesetzt, ein Schild mit „Ich bin ein Esel“ umgehängt und die restlichen Kinder durften es laut verhöhnen mit „Du bist ein Esel“. Der Lehrer setzte noch eins drauf, indem er einen Spitznamen wie zum Beispiel Transuse erfand, der ewig klebenblieb.

So beginnt die Reise in die Vergangenheit. Im 17./18. Jahrhundert wurden Kinder aller Altersstufen gemeinsam in einem Raum in einem „Haufen“ unterrichtet. Ende des 19. Jahrhunderts wird frontal unterrichtet, der Unterricht ausgebaut, vieles normiert und perfektioniert und Disziplin steht an erster Stelle. Von Anfang an geht es darum, den Willen des Kindes zu brechen mit dem Ziel des unbedingten Gehorsams.

Psychische Strafen

Bis ins 20. Jahrhundert, mit besonderem Höhepunkt während der NS-Zeit, geht es um die Unterdrückung physischer und emotionaler Bedürfnisse. Bei kindlichem „Fehlverhalten“ kam schon früh die elterliche Ansage: „Warte bis du in die Schule kommst!“ Hier warteten Tadel, am Pranger stehen, vom Unterricht ausgeschlossen oder eingesperrt werden. Alles mit dem Erziehungsziel „dem Kind die Sündhaftigkeit vor Augen zu führen.“

Psychische Strafen für Abweichen in Verhalten und Tugend, bildlich vorgeführt in Büchern wie „Der Struwwelpeter“ und „Häschenschule“,dienten dazu, physische und emotionale Bedürfnisse von Kindern zu unterdrücken. War körperliche Züchtigung vom Mittelalter bis zur Industrialisierung hauptsächliche Bestrafungsmethode, setzten Jean Jacques Rousseau und Friedrich Schleimacher im 18. Jahrhundert bereits Grundsteine für eine neue Sicht.

Im Mittelalter gab es keine Noten, Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Deutschland Noten und Zeugnisse eingeführt, 1834 moderne Notengebung und das Abitur in Preußen. Staatliche Lenkung zielte darauf ab, den Menschen zu entmündigen und zu dressieren, sie mündete während der NS-Zeit in: „Du bist nichts, das Kollektiv ist alles.“

Die Ausstellung endet mit „Der Traum von einer Schule von heute“:Wertschätzung, Anerkennung, Ermutigung und Lob, aber mit der Feststellung: Ohne Regeln und Grenzen geht es nicht. Gise Kayser-Gantner

  • Geänderte Öffnungszeiten
  • Das Gmünder Schulmuseum in der Klösterlestraße hat im August seine Öffnungszeiten geändert: samstags (21. und 28. August) sowie sonntags (22. und 29. August) jeweils von 13 bis 17 Uhr. Für Eltern und Kinder zusätzlich nach telefonischer Terminvereinbarung unter (07171 ) 73675.
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