Von der Schraube bis zum Strom: Alles nur ergaunert?

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Amtsgericht Gmünd
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Das Gmünder Schöffengericht verhandelt den Vorwurf von schwerem Betrug, Untreue und Diebstahl in 165 Fällen.

Schwäbisch Gmünd

Wenn alles stimmt, was Oberstaatsanwalt Jörg Böhmer am Dienstag vor dem Schöffengericht am Gmünder Amtsgericht dem 34-jährigen F. vorwarf, dann hat der sehr viel Geld ausgegeben zu einer Zeit, als er bereits wusste, dass er keines mehr hat - und er hat sich Geld auf unrechtmäßige Weise verschafft. 165 Punkte umfasste die Anklageschrift, die Böhmer vortrug. Sie hält dem bereits wegen Betrugs vorbestraften F. Betrug in besonders schwerem Fall, Untreue und Diebstahl vor. Unterm Strich forderte der Ankläger die Einziehung von 405 000 Euro als Ersatz für den nach Überzeugung des Staatsanwalts angerichteten Schaden.

Autopflege und TÜV-Lehrgang

So habe F. 2017 ein Fahrzeug für seine inzwischen insolvente Firma gemietet, den für die Mietzahlungen vereinbarten Dauerauftrag jedoch nicht eingerichtet. Der Schaden laut Anklage allein in diesem Fall: gut 32 000 Euro. Die Rechnung für eine Autopflege sei ebenso offen geblieben wie für einen Lehrgang beim TÜV. Mehrfach habe F. Schrauben bei einem namhaften süddeutschen Hersteller bestellt, aber nicht bezahlt. Ebenso, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, lief es bei der Überlassung von Arbeitnehmern oder bei Geländearbeiten.

Immer wieder habe F. Transportfahrten in Auftrag gegeben, mal von Bartholomä nach Heilbronn, mal von Ravensburger nach Hamburg. „Die Bezahlung blieb jedoch aus“, so Jörg Böhmer. Zu den Geschädigten habe darüber hinaus ein Konzert- und Eventservice gehört. Mit rund 16 000 Euro bezahlt worden sei hingegen ein Fahrzeug aus Dubai, das F. einem Kunden zugesagt, aber nicht geliefert habe.

Vier weitere Tage

Und dann war da offenbar noch die Firma eines Verwandten. Für dieses Unternehmen habe F. Kontovollmacht gehabt und das auch weidlich ausgenutzt, so beschreibt es die Anklage. Einmal habe F. zum Beispiel 10 000 Euro auf sein Privatkonto überwiesen. Insgesamt, so summierte es Jörg Böhmer, seien auf einem Konto der Firma 93 000 Euro Schaden zurückgeblieben, auf einem anderen Konto 119 000. Im Namen dieser Firma habe F. zum Beispiel ein Grundstück in Lorch ein Jahr lang angemietet, die Miete aber nur sehr vereinzelt bezahlt. Ebenso im Namen dieser Firma habe er einen Stromliefervertrag mit der EnBW abgeschlossen. Und schließlich habe der 34-Jährige bei der Firma auch noch Baumaschinen, beispielsweise eine Rüttelplatte und einen kleinen Bagger, gestohlen.

Die Verteidigerin des Angeklagten, Kristina Brandt, räumte im Namen ihres Mandanten eine ganze Reihe der Anklagepunkte ein. Andere Vorwürfe dagegen müssten näher beleuchtet werden. So sei zum Beispiel die Beteiligung des Verwandten noch zu hinterfragen. Dafür wird sicher Zeit sein: Das Gericht hat bereits vier weitere Sitzungstage im Mai und Juni für dieses Verfahren angesetzt.

Der Vorsitzende des Schöffengerichts, Amtsgerichtsdirektor Thomas Baßmann, informierte darüber, dass F. bereits drei Mal rechtskräftig verurteilt worden ist: zweimal vom Schorndorfer Amtsgericht und 2021 einmal vom Amtsgericht in Gmünd. Zwölf der vorgeworfenen Taten seien vor der ersten Schorndorfer Verurteilung datiert, alle weiteren Punkte vor dem Gmünder Urteil.

Auf Kristina Brandts Anregung zogen sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht zu einer längeren Beratung zurück, in der offenbar vor allem die folgenden Sitzungstage strukturiert und weitere Zeugen geladen wurden.

Die Bezahlung blieb jedoch aus.“

Oberstaatsanwalt Jörg Böhmer, zu einem der 165 Anklagepunkte

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