Von diesem Austausch profitieren beide Seiten

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Der Treff ist nun eingerichtet (v.l.) Maria Sinz, Boguslawa Ostapiuk und Karolina Tomanek.

Katholische Betriebsseelsorge und KAB organisierten Angebot für polnische Betreuungskräfte.

Schwäbisch Gmünd. „Respekt 24 h Betreuerynki“ heißt die neue Initiative für Betreuer und Betreuerinnen aus Polen in privaten Haushalten, eingerichtet von Katholischen Betriebsseelsorge Ostwürttemberg und der KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung). Treffpunkt ist der Gemeindesaal im Franziskaner.

„Ich liebe meinen Beruf!“, gesteht Bogusha, die in Polen in einem Krankenhaus in der Neurologie und beim Roten Kreuz gearbeitet hat. Seit sechs Jahren arbeitet sie in Deutschland, davon drei in Schwäbisch Gmünd. Die energische 65-Jährige spricht noch wenig Deutsch. Es fehle an Kommunikation mit anderen Deutschen. Im Treffpunkt sucht sie das Gespräch mit Polinnen, damit ein Stück Heimat „gefüttert“ werden kann in den sechs Wochen, die sie am Stück in Deutschland arbeitet. Dann fährt sie nach Hause und kommt nach sechs Wochen wieder zurück. So ist es mit ihrer polnischen Agentur vereinbart.

Maria Sinz vom KAB und Karolina Tomanek von der Betriebsseelsorge haben diesen Treffpunkt organisiert, weil sie aus ihrem Alltag wissen, dass es mangels Sprachkenntnissen kaum „echte“ Kontakte außerhalb der „Familien“ gibt. Karolina Tomanek kennt die positive Wirkung einer Anlaufstelle oder eines Treffpunktes aus eigenem Erleben. Mit ihren Eltern kam sie 1989 aus Polen nach Deutschland. Sie lebten in einem kleinen Dorf in einem Haus mit großem Garten. Schnell trafen sich dort Polen aus der Umgebung zum Kaffeetrinken, denn im Gespräch ließen sich Probleme zur Erleichterung der Betroffenen schneller lösen, als man es allein hätte schaffen können.

Offen über alles sprechen

„In den meisten Fällen ist der Wunsch, im Alter in den eigenen vier Wänden bleiben, nur mit Hilfe von osteuropäischen Betreuerinnen zu erfüllen“, sagt Tomanek. „Wir kommen ohne die polnischen Kräfte nicht aus,“ erläutert auch Maria Sinz: „Wir müssen diese Realität anerkennen und offen darüber sprechen.“ Die Gesellschaft in Deutschland profitiere von dieser gewichtigen Leistung, die für polnische Kräfte eine Möglichkeit darstellt, aus der Arbeitslosigkeit heraus zu kommen. Die für alle, besonders für junge Familien, eine große Belastung für die Beziehungen zu Partner und Kindern mit sich bringt. Bogusha weiß von einem Vater, dessen Kinder zum Nachbarn in Polen „Vater“ sagen, weil sie den eigenen nur einmal im Monat sehen.

Eine Betreuung für den privaten Haushalt kann man selbst suchen oder eine Agentur in Deutschland oder Polen beauftragen. Manche Betreuer wissen nicht um ihre Rechte, was häufig ausgenutzt wird. Zu, Beispiel arbeiten sie 24 Stunden in einer Sieben-Tage-Woche. Oder es wird neben der Betreuung der Person auch die Führung des gesamten Haushaltes samt Putzen, Waschen und Kochen erwartet.

Cari Fair, eine Organisation der Caritas, sorgt für solide Ausgangsverhältnisse. Sie empfiehlt, den Arbeitsvertrag mit der zu betreuenden Person oder seinen Angehörigen zu schließen. Bezahlt wird nach einem Tarifvertrag, indem unter anderem die wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden und ein freier Tag in der Woche festgelegt ist.

Leben im Sechs-Wochen-Takt

Bogusha, seit drei Jahren Witwe, hat drei Kinder und acht Enkelkinder. Für sie ist der Sechs-Wochen-Arbeits-Takt in Ordnung. Was heißt, dass der Lohn auch für die folgenden sechs Wochen reichen muss. Es sei zwar anstrengend, sein Leben im Rhythmus der anderen zu verbringen, aber dann komme ja wieder sechs Wochen eigenes Leben.

Im Treffpunkt in Deutschland kann sie, andere Polinnen treffen und sprechen. Der Austausch in der Muttersprache ist ihr wichtig. Einen sehnlichen Wunsch zu diesen Treffen habe sie: Vielleicht könnte man Deutsch von Muttersprachlern lernen und so Freundschaften schließen? ⋌Gise Kayser-Gantner

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