Von Fleisch bis Sprit: Alles teurer

+
Auch an den Zapfsäulen der Außenstelle, die das Autohaus Wagenblast Mitte der sechziger Jahre in Lorch eröffnet hatte, ging der Preisanstieg nicht vorbei. Foto: GT-Archiv
  • schließen

Eine heftige Teuerungswelle  macht den Menschen im Gmünder Raum 1973 zu schaffen.

Schwäbisch Gmünd

Rentner schwer betroffen: Preise steigen um 7,8 Prozent: Keine aktuelle Schlagzeile, das meldete die Gmünder Tagespost im Juni 1973.   Ebenso wie: „Bei den Fleischpreisen droht weiterer kräftiger Anstieg“.  Das Statistische Bundesamt meldete damals  den stärksten Preisauftrieb  innerhalb eines Monats der vergangenen zwei Jahrzehnte.  Die Preise für Lebensmittel waren sogar um elf Prozent hochgeschnellt - und es ging weiter: Die Mineralölsteuer sollte im Juli angehoben werden und der Verband der Haftpflicht-, Unfall- und Krankenversicherer (HUK) teilte mit, dass die Kfz-Haftpflicht ab Juli um bis zu 18 Prozent teurer werde.

 Die Nachrichtenlage im überregionalen Teil der Zeitung spiegelt sich auch im Lokalteil wider. „Benzin bald für eine Mark?“ lautet die Schlagzeile.  Die Zeiten, in   denen ein Liter Super für 70 Pfennige zu haben war, gehören der Vergangenheit an, stellt GT-Reporter Kuno Staudenmaier damals fest. Zur Orientierung für die jüngeren Leser:  Eine D-Mark damals entsprach etwa einem halben Euro.

„Leben könnte ich  vom Benzinverkauf längst nicht mehr. Man tut den Kunden einen Gefallen, damit sie weiter zu Reparatur- und Wartungsarbeiten kommen“, sagt ein Gmünder Tankstelleninhaber.  Und er prognostiziert bereits, dass der Sprit schon  einen Monat später eine Mark kosten werde - damals eine magische Grenze, deren Durchbruch keiner für möglich gehalten hätte. Der Tipp für die Autofahrer lautete damals: Sie sollten nach den Tankstellen Ausschau halten, an denen der Kunde selbst tanken kann.  Dort sei der Sprit um bis zu 3 Pfennig je Liter günstiger.

Die Teuerung macht den Arbeitnehmern zu schaffen.  Der Betriebsrat der Gmünder ZF beantragt bei der Geschäftsleitung,  angesichts der ständig steigenden Preise  eine Teuerungszulage zu genehmigen.  Gefordert wurde für Arbeiter ein Zuschlag von 30 Pfennig je Stunde,  für Angestellte eine monatliche Zulage von 50 Mark.  Die Geschäftsleitung sagt eine Prüfung zu.  Die jedoch dauert  den Beschäftigten zu lange:  Um der Forderung Nachdruck zu verleihen,  legen rund 1000 ZFler  an einem Tag nach der Vesperpause spontan die Arbeit nieder.

Auch der VdK der Region hat die Bundestagsabgeordneten des  damaligen Wahlkreises 175 (Backnang, Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd) zum Gespräch gebeten. Der Kreisvorsitzende Hans Franke  benennt den Grund:  1970 sei die Kriegsopferversorgung erstmals angepasst worden.  Doch die Preisentwicklung habe einen großen Teil dessen,  was den Kriegsopfern eigentlich  den Lebensunterhalt erleichtern sollte, wieder aufgezehrt.

Ein Aspekt des vielfältigen Preisauftriebs  betraf auch  einen  besonderen Teil der Gmünder Wirtschaft: die Gold-verarbeitenden Firmen und Handwerker.  Immerhin war der Kurs des Edelmetalls innerhalb weniger Monate um mehr als 100 Prozent angestiegen.  Der damalige Direktor der Deutschen Bank in Gmünd, Gerhard Belz,  verzeichnet dennoch keinen geringeren Gold-Absatz. Die Kunden, zumeist Schmuckhersteller, gäben den höheren Preis wiederum an ihre Kunden weiter  Vielleicht deshalb kann der Direktor des Gmünder Edelmetallverbands damals melden,  dass ihm von wirtschaftlichen Problemen  bei Unternehmen der Gold- und Silberbranche noch nichts bekannt sei.  Dennoch sagt er: „Wir hoffen, dass der Preis bald wieder fällt.“

Auch an den Zapfsäulen der Außenstelle, die das Autohaus Wagenblast Mitte der sechziger Jahre in Lorch eröffnet hatte, ging der Preisanstieg nicht vorbei. Foto: GT-Archiv

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare