Von viel Kettenöl und vielen Konzepten

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AK Mobilität
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Die Initiative Radkultur bietet einen kostenlosen Fahrrad-Check am Gmünder Bahnhof. Obendrein gibt's Schokoherzen für Fahrradfahrer und Kritik vom Arbeitskreis Mobilität und Verkehr.

Schwäbisch Gmünd

Ramon Koroll fährt täglich Fahrrad. Von seiner Wohnung in der Innenstadt zum Bahnhof und wieder zurück. Außerdem nutzt er sein Fahrrad für sämtliche Fahrten in der Innenstadt. „Das geht schneller wie mit dem Auto, und ich brauche nur etwa eine Tankfüllung im Monat“, sagt er.

An diesem Montag schiebt er sein Rad ins Zelt der Initiative Radkultur am Gmünder Bahnhof. Zum kostenlosen Checkup. Drei Mitarbeiter der Radkultur stehen mit ihren Werkzeugkästen bereit. Ramon Korolls Fahrrad ist schon ein älteres Modell. Die Radexperten kontrollieren sämtliche Lager, checken die Kette und ölen sie gegebenenfalls. „Das muss man im Winter öfters machen, denn das Salz auf den Straßen trocknet die Kette schneller aus“, sagt Martin Baytchev. Sie überprüfen das Licht, schauen, ob alle nötigen Reflektoren angebracht sind und bringen Katzenaugen an den Speichen an, wenn welche fehlen. Vorne muss ein weißer Reflektor am Fahrrad angebracht sein, hinten ein roter und in den Speichen jeweils zwei vorne und zwei hinten. Zudem muss jeder Radfahrer ein geeignetes Licht für sein Fahrzeug dabei haben. Lichter mit Dynamo, mit Batterie, mit herkömmlichen Birnen und mit Led-Lampen seien zulässig, informiert einer der Experten.

Besonders in der dunklen Jahreszeit sei eine gute Beleuchtung extrem wichtig, erklärt Baytchev. An Ramon Korolls Fahrrad sind alle nötigen Reflektoren dran. In den Speichen braucht er keine, weil er Reflektorstreifen entlang der Reifen hat. Dafür hat er einen „fetten 8er“ im Hinterrad, und eine Speiche fehlt, wie einer der Radprofis berichtet. Da müsse er sich wohl ein neues Hinterrad besorgen, raten die Profis. Eine neue Klingel bekommt Ramon Koroll gleich vor Ort montiert. Immer wieder kommen trotz der Kälte Radler mit ihren Gefährten vorbei und lassen diese untersuchen. Bei Henning Diederichs Fahrrad bastelt Martin Baytchev ein neues Kabel ans Licht.

So lange erzählt der neue Sprecher des Gmünder Arbeitskreises Mobilität und Verkehr, was ihn stört an der Radpolitik im Rathaus. Die Stadt gebe zu viel Geld für Pläne, Konzepte und Gutachten aus anstatt endlich zu handeln. Noch immer gebe es kein klares Fahrradkonzept in Gmünd. Für die Klarenbergstraße kümmere sich die Stadtverwaltung nun um Fördergelder. Das sei aber nur eine kleine Strecke. „Wie geht's dann weiter?“, fragt Diederichs. In Städten wie Aalen, Schorndorf oder Göppingen werde viel mehr für die Fahrradfahrer getan als in Gmünd, kritisiert er.

Es gebe einen großen Radwegezielplan für Schwäbisch Gmünd, sagt dazu Gmünds Mobilitätsbeauftragte Anja Tamm, die an diesem kalten Nikolaus-Montag Schokoherzen an die wenigen Radfahrer verteilt, die am Bahnhof unterwegs sind. Der hieß eigentlich Zielplan 2020, jetzt Zielplan 2030. „Wir müssen dieses große Konzept in kleine Teilprojekte aufgliedern, sonst schaffen wir das nicht“, sagt Anja Tamm. Mobilitätswende und Klimapolitik seien vor zehn Jahren noch kein so großes Thema gewesen wie heute, versucht sie zu erklären, warum es bislang in der Stadt noch keine Fahrradstraßen und keine durchgängigen Radwege gibt. Jetzt sei da aber richtig Druck dahinter.

„Wir wollen uns in nächster Zeit die Hauptradrouten ansehen“, sagt Anja Tamm und nennt als Beispiele die Wilhelmstraße und die Schwerzerallee. Doch all dies koste Geld, und es müsse genügend Personal für die Aufgaben zur Verfügung stehen. Bei der Klarenbergstraße hofft sie auf Fördergelder, um die Fahrradstraße finanzieren zu können. Gegenwind kam bereits von Teilen der Anwohner. Es gehe bei solchen Dingen immer ums Abwägen zwischen den unterschiedlichen Interessen, erklärt Inga Adam, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik in Gmünd. Am Ende müsse der Gemeinderat entscheiden, wie es weitergeht.

Henning Diederichs hofft indes auf einen schneefreien Winter, denn die Radwege in der Stadt würden nach wie vor zu spät geräumt im Vergleich zu anderen Kommunen. Als Negativbeispiel nennt er die Klepperlestrasse zwischen Gmünd und Göppingen.

Radkultur: Alle Infos und Termine der Initiative gibt's online unter www.radkultur-bw.de.

Die Stadt gibt zu viel Geld für Gutachten aus anstatt endlich zu handeln.“

Henning Diederichs, Arbeitskreis Mobilität und Verkehr

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