Vorausschauender Dialog in der Klinikdiskussion gefordert

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Ostalb-Klinikum in Aalen, Stauferklinikum in Mutlangen und Virngrundklinik: Die Zukunft der Kliniken im Ostalbkreis beschäftigt die Kreisärzteschaft.

Offener Brief der Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd an Landrat Dr. Joachim Bläse zur Klinikstandortdebatte.

Schwäbisch Gmünd

Mit einem offenen Brief an Landrat Dr. Joachim Bläse bezieht die Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd Stellung zur Klinikstandortdiskussion des Ostalbkreises. Darin heißt es: Die Kreisärzteschaft Schwäbisch Gmünd unterstütze die Bemühungen von Landkreis und Klinikverwaltung, die umfassende medizinische Versorgung der Bevölkerung angesichts des immer herausfordernder werdenden Umfeldes zukunftssicher aufzustellen. Die vielfältigen Aktivitäten des Landkreises bezüglich der sektorenübergreifenden Versorgung wie Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin, Studiengang Arztassistenz, Nachwuchsförderung, Stipendien für Medizinstudenten und die Unterstützung hausärztlicher Medizinischer Versorgungszentren im ländlichen Raum „werden durch uns begrüßt und tatkräftig begleitet“. Die stationäre und ambulante medizinische Betreuung im Krankenhaus sei dabei ein wichtiger Pfeiler der medizinischen Versorgung. Die Kreisärzteschaft begrüße die Absicht, diesen in der Trägerschaft des Landkreises zu halten. Eckpunkte bei der Zukunftssicherung der medizinischen Versorgung seien für die Kreisärzteschaft: 

Erreichbarkeit zumindest einer Erstversorgung innerhalb der vorgegebenen 30 Minuten flächendeckend für die von den Ärztinnen und Ärzten der Kreisärzteschaft versorgten Bürger – auch wenn diese an den Rändern und außerhalb des Ostalbkreises leben;gute, wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung mit stationären und ergänzend betreuten ambulanten Behandlungsmöglichkeiten;

Erhalt und wenn möglich Ausbau der überdurchschnittlichen Versorgungsbereiche, die die medizinische Versorgung im Ostalbkreis kennzeichnen wie Level-1-Neonatologie, zertifiziertes onkologisches Zentrum und Endoprothetik; 

Ausbau der inhaltlichen und räumlichen Verzahnung ambulanter und stationärer Behandlungsstrukturen unter Zusammenführen aller Sektoren.

Für ausgeglichene Verteilung

Jede Änderung in der Krankenhausplanung müsse zur Sicherstellung der lückenlosen Versorgung von einer Anpassung der flankierenden ärztlichen und unterstützenden Strukturen begleitet werden. Ein vorausschauender Dialog auf einer Grundlage konstruktiver Wertschätzung sei Voraussetzung hierfür und dürfe nicht von einer aktuell nicht auflösbaren Standortdiskussion überschattet werden. Dem Landkreis als Krankenhausträger und in seiner Fürsorgeverantwortung für die von ihm vertretenen Bürger komme dabei auch die Aufgabe zu, eine ausgeglichene regionale Verteilung der Versorgungsangebote zu ermöglichen. „Als Vertreter der Ärztinnen und Ärzte in der Raumschaft Schwäbisch Gmünd haben wir Sorge, dass eine Zentralisierung der stationären Krankenhausversorgung an einem Standort ohne begleitenden Aufbau subsidiärer Versorgungsangebote zu erheblichen Nachteilen in der medizinischen Versorgung führt“, heißt es in dem Brief weiter. Derzeit seien die Anbieter von Gesundheitsleistungen weit über die Raumschaft hinaus bedeutend und ermöglichten über den Zustrom von Patienten aus der gesamten Region eine weit überdurchschnittliche Versorgungsbreite. Ein Verzicht auf diese überregionale Stellung werde zu einem Abbau von Leistungsanbietern und Angeboten führen und den Gesundheitsmarkt nachhaltig schwächen. Letztlich werde so die Raumschaft für alle Akteure im Gesundheitswesen unattraktiver - der Verlust von Haus- und Fachärzten, Pflegedienstleistern, Anbietern von Heil- und Hilfsmitteln und mehr sei die Folge. 

Wunsch nach Offenlegung

Daher fordere die Gmünder Kreisärzteschaft Landkreis, Klinikvorstand und Lokalpolitik auf, die Option einer dezentralen, aber spezialisierten stationären Krankenversorgung - „quasi ein 'virtuelles Zentralklinikum'“ - offen und ernsthaft zu prüfen. „Ferner erwarten wir, dass die seit dem Zusammenführen der drei Krankenhäuser erhobenen Erkenntnisse und Gutachten vollumfänglich veröffentlicht und in die Diskussion mit einbezogen werden.“ 

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