Wahre Tonkaskaden im Münster

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Gemeindegottesdienst im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik  im Münster: Felix Mendelssohn Bartholdys „Lauda Sion“ als Gmünder Erstaufführung.

Schwäbisch Gmünd

Es war ein Gemeindegottesdienst im Rahmen des Festival Europäische Kirchenmusik vom Allerfeinsten im Münster. Der Münsterchor und das Münsterorchester brachten Felix Mendelssohn Bartholdys „Lauda Sion“, eine oratorische Kantate für Soli, Chor und Orchester als Gmünder Erstaufführung, beschrieben als „Kleinod der Romantik“.

Für ein ökumenisches Publikum ist Mendelssohn Bartholdy ein „passender“ Komponist. Felix, Enkel eines jüdischen Großvaters, wurde protestantisch getauft, schrieb die Musik zu „Lauda Sion“ als Auftrag zu einem Fronleichnam-Jubiläum in Belgien, wie Dekan Robert Kloker erläuterte. Es geht um die zentrale Frage, die Jesu Jünger ihrem Meister stellten: „Wie betet man richtig?“ Augustinus’ Antwort, der den Text zu „Lauda Sion“ schrieb: „Wer singt, betet doppelt!“

Das erfüllten die Sängerinnen und Sänger des Münsterchors, das Orchester unter Konzertmeister Walter Töws und Leitung von Kirchenmusikdirektor Stephan Beck mit großer Emphase. Herausragend die Stimme der Sopranistin Johanna Pommeranz, der selbst höchste Töne klar und kraftvoll gelangen. Im Zusammenklang mit dem warmen Alt von Susanne Wiker ergab sich ein harmonischer Klang, der von den männlichen Solisten verstärkt wurde. Für Steffen Barkawitz war Tenor Dominik Tobias eingesprungen, der mit Bassist Thomas Scharr in feinen Tonfarben das musikalische Erleben vertiefte.

Zum Einzug von Dekan Kloker, Mesnerin und vier Ministrantinnen intonierte Organistin Susanne Rott kraftvoll „Grand Chœur“ aus dem Werk „Douze pièces pour orgue“ von Théodor Dubois (19./20. Jahrhundert).

Die Predigt Klokers stand im Zeichen der Eucharistie. Thomas von Aquin verfasste ein großes Lob zum Bekenntnis des heiligen Sakraments von Jesu Leib und Blut, transformiert in Brot und Wein. Den Namen von Jesus Christus aufnehmen, die Kraft aus dem Gottesbild schöpfen soll des Menschen Leben prägen. „Aus Jesu Tod leben wir“, so Robert Kloker, Jesus, der Hirte des Menschen, das Bekenntnis der selbstlosen Liebe Gottes: „Gottes Wesen ist Geben … Gott gibt alles, was er zu geben hat – seinen Sohn.“

Die Klänge und gesungenen Worte des „Lauda Sion“ verliehen Klokers Worten großes Gewicht. Der jubilierende, dann wieder tief nachdenklich machende Klang von Chor und Orchester erfüllten das Kirchenschiff. Das „Gloria“ des Chores, der Zwischengesang mit Sopransolo und Chor, das „Grave“ bei der Gabenbereitung und das Sopransolo im „Agnus Dei“ waren meisterlich in der Interpretation. Deutlich war die Hand von Stephan Beck in der Erarbeitung des Werks zu spüren.

Das gewaltige tonale Erlebnis der Chor- und Solostimmen, dazu die reiche Vielfalt an Klängen und Intonationen von Blechbläsern und Streichern könnten den Glauben an das Abendmahl verstärken. Oder wie Dekan Robert Kloker es ausdrückte: Ich freue mich, wenn die Freude an der Eucharistie geweckt wurde.“

Zum Auszug erklang „Carillon de Westminster“ von Louis Verne, mit Organistin Susanne Rott. Ein Stück, in dem scheinbar alle Strömungen der Zeit in einer gewaltigen Tonkaskade zusammen zu finden.

Orchestrale Wucht im Münster beim Gottesdienst zum Festival Europäische Kirchenmusik.

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