War es Unwissenheit - oder mehr?

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Ursprung aller Fragen: das für 8,2 Millionen Euro verkaufte frühere TSB-Gelände in der Buchstraße.
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TSB Gmünd sieht einer ersten Gerichtsverhandlung wegen strittiger Millionensummen im Oktober entgegen - sehr unterschiedliche Finanzierungsvorstellung von Stadt und TSB für Sportplatzbau.

Schwäbisch Gmünd

Wenn man an Tag eins nach der langen Stellungnahme des TSB Gmünd mit Vereinsmitgliedern redet, landen die schnell wieder bei diesen Fragen: Wie konnte es so weit kommen? Wie kam‘s zu solchen - vor knapp einem Jahr scheinbar überraschend aufgetauchten - Millionensummen an Honoraren, um die nun vor Gericht gestritten wird? Wer ist dafür verantwortlich, dass der TSB-Karren nun so festzustecken scheint? War es schlicht Missmanagement?

Die scharfe Kritik der TSB-Vorstandsmitglieder an der Stadt Gmünd zieht eine weitere Frage nach sich: Ist das Tischtuch zwischen Stadt und Verein zerschnitten? Kann es nun noch eine Einigung über Kosten und Zuschüssen beim Sportplatzbau geben? Und was bedeutet das für die Zukunft, für die Baupläne des TSB im Laichle?

Die ersteren Fragen, die im Grunde seit der Mitgliederversammlung im Oktober im Raum stehen, lässt Vorstandssprecher Ernst Heidler offen und verweist auf die ausstehende gerichtliche Klärung. Es sei wohl „Unwissenheit“ im Spiel gewesen, sagt er nur. Der TSB Gmünd sieht insgesamt zwei Gerichtsverhandlungen entgegen (GT vom 5. August): Einmal wegen eines Mahnbescheids, Streitwert rund 500 000 Euro, die laut Heidler Rechtsanwalt Werner Deininger vom TSB einfordert. Zudem geht es um 3,2 Millionen Architektenhonorar, die Architekt Christof Preiß dem TSB in Rechnung gestellt hat. „Wir sind den Gerichtsweg nur gegangen, weil es von Preiß keine prüfbaren Rechnungen gibt - wir konnten nicht anders.“

Christof Preiß beschränkt sich auf diese Aussage zur Situation: „Dem TSB ist bekannt, dass ich jederzeit bereit bin, diese unsägliche Geschichte außergerichtlich zu klären. Jedoch gehört auch der Wille seitens des TSB zu einem klärenden Gespräch.“ Heidler wiederum betont, dass der Grund für den Gang vor Gericht („keine prüfbaren Rechnungen“) auch die Ursache fürs Scheitern von Gesprächen zur Einigung gewesen sei.

Zuversichtlich ist Heidler, was die Dauer der gerichtlichen Auseinandersetzung angeht. Es gebe schon einen absehbaren ersten Schritt: „Im Oktober ist die erste Verhandlung. Die Anwälte (der TSB hat für jeden Fall einen gesonderten Fachanwalt – Red.) sind optimistisch, die werden das sicher auf die Reihe kriegen.“

„Lage ist etwas verfahren“

Von einem Sicher-auf-die-Reihe-kriegen lässt sich im Konflikt des TSB mit der Stadt derzeit nicht reden, eine Einigung scheint in einiger Ferne zu liegen. Um rund eine Million Euro liegen laut Sportbürgermeister Christian Baron die Vorstellungen der Stadt und des Vereins, wer was finanziert beim geplanten Sportplatzbau, immer noch auseinander. „Je nach Dimension der Ausführung sind es zwischen 900  000 und 1,3 Millionen Euro. Die Lage ist etwas verfahren.“

Weil die Stadt ihr Versprechen gebrochen hat? Die TSB-Vorstände jedenfalls verweisen verärgert auf 2019 zugesagte 1,6 Millionen Euro für einen neuen Sportplatz. Christian Baron verweist auf finanzielle Erschwernisse, die nicht absehbar gewesen seien: „Die Corona-Krise hat uns auch finanziell den Boden unter den Füßen weggezogen.“ In so einem Fall müsse es auch möglich sein, unangenehme Dinge offen anzusprechen. Das Geld sei einfach nicht da: „Ich kann kein Auge vor der Realität verschließen.“ Baron fügt hinzu: „Wir können die Enttäuschung beim TSB nachvollziehen – und es ist uns wichtig, dass wir uns wieder in einem konstruktiven Klima begegnen.“

Womit Baron auch argumentiert, das sind die 8,2 Millionen Euro, die der TSB beim Verkauf des Geländes in der Buchstraße eingenommen hat - mehr als geplant war. „Der TSB steht besser da als gedacht, die Stadt steht schlechter da als gedacht.“

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