Warum "Alleestraße" falsch geschrieben ist

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Die Straße, die Macher und die Unterstützer mit dem Buch (v.l.): Holger Kreuttner (Kreissparkasse), Reiner Wieland (Schriftgutarchiv), Gestalter Micha Rau, OB Richard Arnold, Autor Hans-Helmut Dieterich und KSK-Filialdirektor Stephan Palmer.
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Unehelich geboren, vom König geadelt, später vergessen: Ein neues Buch erzählt vom Gmünder Schul-Pionier Johann Leonhard von Allé.

Schwäbisch Gmünd

Warum steht da eigentlich nicht „Alleestraße“? Das Straßenschild gibt Rätsel auf, das da zwischen der Gmünder Kreissparkassen-Hauptstelle und dem Stadtgarten steht: „Alléstraße“ steht dort zu lesen. Ein neues Buch, das der Gmünder Hans-Helmut Dieterich geschrieben kann, kann die Frage klären. Die Straße erinnert an den Pädagogen und Schulgründer Johann Leonhard von Allé, der vor 200 Jahren einen prägenden Einfluss auf Gmünd hatte.

Dass es heute die Schule für Hörgeschädigte St. Josef gibt, geht direkt auf ihn zurück. Allé (1777 bis 1857) gründete in Gmünd 1817 das erste Gehörlosen-Institut in Württemberg, König Wilhelm hatte zuvor entschieden, die „Taubstummenanstalt des Lehrers Alle“ finanziell zu fördern.

„Es ist ein Verdienst, diese historischen Linien ins Heute wieder ins Bewusstsein zu rücken“, sagt Oberbürgermeister Richard Arnold. Das Verdienst hat die Stiftung Literaturforschung Ostwürttemberg, die das 85 Seiten starke und mit 187 versehene Buch herausgegeben hat. Die schöne, aufwendige Gestaltung des kleinen Bändchens hatte der Gmünder Gestalter Micha Rau übernommen, finanziell mit 1250 Euro gefördert hat die Kreissparkasse Ostalb, deren Hauptstellen-Gebäude im Norden von der Alléstraße eingesäumt wird. Auch Filialdirektor Stephan Palmer ist froh über das Update seines geschichtlichen Bewusstseins: „Wer den Straßennamen nur hört und nie aufs Schild schaut, denkt erst einmal an Bäume. Es ist schön zu wissen, was sich dahinter verbirgt.“

Als hoher adliger Herr, wie er nun auf dem Schild steht, ist der Gmünder Pädagoge nicht geboren worden - sondern als uneheliches Kind einer Magd. Erst später wurde er vom König geadelt. Er war ein echter Bildungsaufsteiger, auch dank früher Förderung durch den Gmünder Dekan Thomas Kratzer. Doch trotz seiner beachtlichen Karriere und seiner Leistungen für Gmünd war er bei seinem Tod dem damaligen "Amts und Intelligenzblatt für den Oberamtsbezirk Gemünd" keine Erwähnung wert. Heute wissen nur noch wenige Gmünder, wer Johann Leonhard von Allé. Jurist und Hobby-Geschichtsforscher Hans-Helmut Dieterich hat beschlossen, das ein wenig zu ändern. Allés Wirken sieht der Biograph so: „Sein großes Verständnis und sein unermüdlicher Einsatz für Kinder mit Behinderungen ist auch aus seinem eigenen Schicksal zu erklären.“

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