Warum Jagd immer noch wichtig ist

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Ein Jäger mit seinem Hund

Die Jägervereinigung Schwäbisch Gmünd rückt die wesentlichen Aufgaben des Standes in den Fokus. Umfrageergebnisse belegen eine zunehmende Akzeptanz und die steigende Beliebtheit von Wildfleisch.

Schwäbisch Gmünd

Da ist etwas im Busch.? Diese und viele alltägliche Redewendungen stammen aus der Jägersprache, die bis heute Redewendungen und Sprichwörter prägt, sagt Werner Rupp, der für die regionale Jägerschaft zum Jahresende eine Bilanz zieht. Etwas abblasen zum Beispiel meine, etwas beenden. Denn früher wurde mit einem bestimmten Hornsignal das Ende des Treibens oder der Jagd angekündigt.

Bis heute sei die Jagd bedeutsam - nicht nur in der Sprache, betont er und nennt einen der Gründe: Auf 60 Prozent der deutschen Felder werden Mais, Raps und Weizen angebaut ? ideales Futter für Wildschweine. Ohne die Jägerschaft könnten die Allesfresser ihren Bestand pro Jahr mehr als verdreifachen und enorme Schäden anrichten. Zudem hätten Krankheitserreger wie Tollwut und Schweinepest - so wie aktuell die Afrikanische Schweinepest - leichtes Spiel. Und viele dieser Erreger seien auch für den Menschen gefährlich. Die Jägerschaft helfe, diesen Seuchen vorzubeugen.

Auch der Klimawandel beschert den Jägern Arbeit: Durch erhöhten Ausstoß von Stickstoff- und Kohlendioxid können Buchen, Eichen und andere Früchte tragende Baumarten mehr Samen produzieren. Die Nahrung für Wildschweine im Winter ist gesichert. Da die Winter immer milder werden, überleben zudem auch schwache Tiere und pflanzen sich fort. Jägerinnen und Jäger müssen in der Folge auch mehr Tiere erlegen, um Wildschäden zu reduzieren.

Die Umfrageergebnisse der letzten Zeit freuen die Jäger: ?Deutlich mehr als 80 Prozent halten die Jagd in Deutschland für notwendig, um Wildbestände zu regulieren?, sagt Werner Rupp. Mehr als 90 Prozent seien der Meinung, dass Jägerinnen und Jäger die Natur lieben. 85 Prozent (plus 5 Prozent gegenüber 2003) finden die Aussage ?Jagd bedeutet Schutz vor Wildschäden? korrekt. 79 Prozent (plus 11 Prozent) sind überzeugt, dass die Jägerschaft viel Zeit in den Naturschutz investiert.

Außerdem liefert die Jagd hervorragendes Fleisch für Grill, Ofen oder Herd. Denn die Tiere ernähren sich nur von dem, was sie in der Natur finden und was ihnen schmeckt. ?Das sehr magere Fleisch von Wildtieren ist besonders lecker und zart?, versichert Werner Rupp. Der Mythos, dass Wildbret aufwendig in der Zubereitung sei, stamme noch aus Zeiten, als es keinen Kühl- und Gefrierschrank in jedem Haushalt gab.

Heimisches Wild ist ein regionales Produkt, ?wenn es direkt aus lokaler Jagd oder Forst bezogen wird?, sagt Rupp und rät, bei Produkten aus dem Supermarkt die Herkunft zu kontrollieren, um nicht an Fleisch aus landwirtschaftlicher Gatterhaltung in Übersee zu geraten. Sicherheit biete das Logo ?Wild aus der Region?.

In der Gunst der Verbraucher sei Wildbret hoch im Kurs. Besonders Wildschwein landet auf dem Teller, verrät die Statistik: Mehr als 20?000 Tonnen Schwarzwild verspeisten die Deutschen im Jagdjahr 2019/20. Reh folgte mit knapp 9000 Tonnen. Von Rot- und Damhirsch wurden fast 4000 Tonnen zubereitet und gegessen. Auch Wildgeflügel ist beliebt.

Mehr als 80 Prozent nennen Wildfleisch ein gesundes und natürliches Lebensmittel. Die Beliebtheit des Naturproduktes stieg somit im Vergleich zu 1999 um mehr als 20 Prozent an. Mehr als die Hälfte hat innerhalb eines Jahres Wild gegessen oder Wild selbst zubereitet. Im Restaurant aßen 51 Prozent der Konsumierenden Wildbret. Weitere 23 Prozent bezogen ihr Wild von der lokalen Metzgerei, 18 Prozent von Jägerinnen und Jägern.

180 Stunden büffeln

?Jagen darf nicht jeder?, erinnert Werner Rupp an die schwierige Jägerprüfung, die vorher absolviert werden muss. Bis zu 180 Pflichtstunden müssen die Anwärterinnen und Anwärter im ?Klassenzimmer? und auf dem Schießstand leisten. Darüber hinaus lernen alle waidgerechten Jägerinnen und Jäger in Deutschland ein Leben lang. Regelmäßige Schießübungen, fachliche Weiterbildungen, Jagdpraxis sowie die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen aus Politik, Umwelt, Recht oder Artenschutz sollten zum Alltag gehören, sagt Rupp. Die Jäger müssten überdies ihre Zuverlässigkeit in Bezug auf den Waffenbesitz regelmäßig nachweisen.

Das Fleisch ist mager, besonders lecker und zart.?

Werner Rupp,, Jägervereinigung

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