Was es bedeutet, eine Frau zu sein

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Der Film „Woman“ hinterlässt Spuren: Die zehn Zuschauerinnen zeigen sich tief ergriffen von den Erzählungen der Frauen, der Kraft der Bilder und der kongenialen Filmmusik.
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Kreisfrauenrat Ostalb und Gmünder Frauenforum organisieren einen Themenabend im Kino Brazil. Der Film „Woman“ zeigt, wie stark, aber auch verletzlich und verletzt Frauen weltweit sind.

Schwäbisch Gmünd

Wie leben Frauen weltweit und was bewegt sie? Der Film „Woman“ von Yann Arthus-Bertrand und Anastasia Mikova lässt sie selbst zu Wort kommen, in einer Buntheit, Authentizität und Stärke, die beeindruckt, aber auch auf verstörende Weise als Verletzte, Benachteiligte und Ausgebeutete. Nach der Filmvorführung im Gmünder Programmkino Brazil, organisiert vom Kreisfrauenrat Ostalb und dem Gmünder Frauenforum, waren die zehn Zuschauerinnen tief ergriffen von den Erzählungen der Frauen, der Kraft der Bilder und der kongenialen Filmmusik.

2000 Frauen aus 50 Ländern haben der Fotograf und Umweltschützer und die Journalistin interviewt, Frauen aus westlichen Metropolen und aus völlig abgeschiedenen Regionen der Welt, Unternehmerinnen und Busfahrerinnen, Bäuerinnen, Schönheitsköniginnen und Prostituierte. Frauen aus Frankreich und den USA, vom Kongo, von Afghanistan, Indien, Syrien und vielen weiteren Ländern. Die Perspektiven und Schicksale sind so vielfältig und reich, wie das Leben ist.

Eine Stärke des Films ist es, dass er nicht nur eine Seite thematisiert, sondern offen für weibliches Glück und Unglück ist: Inderinnen mit entstellten Gesichtern kommen zu Wort, die wegen einer zu kleinen Mitgift Opfer eines Säureanschlags wurden, eine Jesidin, die von Menschenhandel und der Vergewaltigung eines neunjährigen Mädchens berichtet, die die Frauen tatenlos mit erleben müssen, oder häusliche Gewalt, die so subtil daherkommt, dass die Frauen nur schwer ausbrechen können. Doch der Schwerpunkt liegt nicht auf dem Leid: Frauen berichten auch von Selbstbestimmung, erfüllender Partnerschaft und Sexualität. Auch Mutterschaft ist auf überwältigende Art ein Thema.

Auch wenn der Film in weiten Strecken harte Kost bietet und Geschlechtergerechtigkeit für viele Frauen in weiter Ferne liegt, verleiht der Film jeder der 2000 Frauen Würde. Die Aufnahmen legen den Fokus zumeist auf das Gesicht und sind in ihrer Ästhetik nicht zu überbieten, auch wenn es von Gewalt gezeichnet und alt ist. So geschunden die einzelne Frau ist, immer schwingt die Hoffnung mit, dass die bestehenden Verhältnisse sich verändern können.

Die Ursachen von Gewalt gegen Frauen und ihrer Benachteiligung werden immer wieder angesprochen: Sie sind in einer Machogesellschaft, in Chauvinismus und überkommenen Strukturen zu finden. Im Umkehrschluss zeigt der Film, dass die Position der Frau ein Indikator dafür ist, wie intakt eine Gesellschaft ist.

Mit dem knapp zweistündigen Film ist Yann Arthus-Bertrand und Anastasi Mikova nach dem Vorgängerfilm „Human“ wieder ein großer Wurf gelungen. Neben der filmischen Qualität ist es die Filmmusik von Armand Amar, einem französischen Komponisten, die sich einprägt. Zu den instrumentalen Stücken passen perfekt die Songs von Imany, „No more fight left in me“ und „Don’t be scared sweet child“ von Isabel Sörling und Anne-Sophie Versnaeyen.

Nach knapp zwei Stunden verabschiedete Dr. Julia Frank, die im Vorstandsteam des Kreisfrauenrats ist, die Zuschauerinnen. Auch wenn manche der gezeigten Schicksale weit weg seien, müsse man auch hier noch „dicke Bretter bohren“ und Traditionen hinterfragen. Sie lobte den ermutigenden Charakter des Films und bedankte sich beim Brazil-Team für die „endlose Geduld“ beim Verschieben, da man ihn bereits Im November 2020 nach dem Filmstart zeigen wollte. Jana Thiem stellte in Aussicht, „Woman“ Ende Juli noch einmal ins Programm aufzunehmen.

Es müssen noch dicke Bretter gebohrt und Traditionen hinterfragt werden.“

Dr. Julia Frank,, Kreisfrauenrat Ostalb

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