Was sich in der Rems alles tummelt

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Am lauschigen Plätzchen direkt an der Rems wird die Geschichte des Gewässers zu einem besonderen Erlebnis.

Klaus Zwick geht auf die Nutzungsgeschichte der Rems ebenso ein wie auf die vielen Lebewesen des Naturraums. Von Birgit Markert

Schwäbisch Gmünd

Viele Jahre war die Rems in Gmünd vom Verkehr erdrückt und wurde von den Bürgern kaum wahrgenommen. Die Umbaumaßnahmen zur Landes-Gartenschau holten den Fluss 2014 aus der Versenkung und machten das Gewässer erlebbar. Mehr noch: Dank der Rems-Terrassen entstand rund um Forum Gold und Silber und Villa Hirzel ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität, denn Wasser belebt.

Doch erst mit der Remstal-Gartenschau 2019 kam ein tiefergehendes Interesse an dem Fluss auf, auch dank der Gewässerführer. Ein Projekt, das nachhaltig wirkt, denn Experten wie Klaus Zwick bieten nach wie vor ihre Führungen an; übrigens jeder mit einem anderen Schwerpunkt, wie er betont.

Am Samstag war es nach der Corona-Pause wieder soweit: Der Lorcher Gewässerführer tauchte mit den 15 Teilnehmern in die Geschichte des Flusses ein. Nicht nur: "Die Rems früher und heute" stand auf dem Programm. Der passionierte Angler Zwick kennt die Rems und alles, was sich darin tummelt, auch wie seine Westentasche. Eines der Tierchen, das die Rems bevölkert, hatte er sogar extra zuvor mit einem toten Fisch angelockt und schwuppdiwupp eingefangen. In einem durchsichtigen Waschmittel-Eimer mit Remswasser wartete der Signalkrebs darauf, genauer inspiziert zu werden.

Doch zuvor erzählte Zwick, dass der heimische Edelflusskrebs immer mehr vom amerikanischen Signalkrebs, einem Neozoon, verdrängt werde. Wie er nach Europa kam, könne nicht genau gesagt werden. Dies sei bei der aus Nordamerika stammenden Bisamratte anders: Sie wurde von Züchtern wegen ihres Pelzes eingeführt. Das Geschäft war irgendwann nicht mehr interessant, was das zoologisch zu den Wühlmäusen gehörende Tier nicht interessierte – es hatte längst einen neuen Lebensraum in Europa und der Rems gefunden.

Mit Güteklasse 2 ist die Rems gering belastet.

Klaus Zwick, Gewässerführer

Zwick stellte viele weitere Bewohner des Gewässers und der Uferbereiche vor, von den Libellen – zwischen Lorch und Waldhausen soll es 35 verschiedene Arten geben – über Eisvogel und Wasseramsel bis hin zum Fischbestand und den Kleinstlebewesen. Anhand einer Tafel erläuterte er die Wasserqualität, die zwar nicht so gut sei wie ein Gebirgsbach, der Trinkwasser mit sich führt; aber immerhin komme die Rems auf die Güteklasse 2 und sei gering belastet.

Wo es heute um Biodiversität, Naherholung und Angelerlebnisse geht, stand noch bis vor wenigen Jahrzehnten das wirtschaftliche Interesse im Vordergrund. 1867 war das Oberamt Gmünd zuständig für 59 Mühlen, darunter 15 Säg- und Ölmühlen. Noch heute zeugen Gebäude und Überreste von Mühlkanälen von dieser Geschichte. Und manch eine ist noch in Betrieb, wie etwa die Hahnsche Mühle in Schorndorf, die um 1100 bereits in Urkunden erwähnt wird. Eine ähnlich lange Geschichte hat die Hirschmühle in Zimmern, deren Mühlräder sich bis 1961 drehten. Ein Mühlbetrieb sei allerdings oft nur zwei, drei Monate im Jahr möglich gewesen, weil die Rems nicht genug Wasser führte. Wenn auch zeitlich eingeschränkt, sei die Wasserkraft aber in früheren Zeiten überaus wertvoll gewesen.

1715 kam eine weitere Nutzung hinzu: die Scheiterholzflößerei. Als das Ludwigsburger Schloss 1704 bis 1733 gebaut wurde, kam das Holz unter anderem aus dem Schwäbischen Wald. Der Ebnisee etwa wurde als Schwellsee für die Flößerei angelegt; drei weitere habe es entlang der Rems gegeben, berichtet der Gewässerführer. "Wenn der See leer war, wurde er im Sommer als Weideland genutzt." Als die Remsbahn von Cannstatt nach Wasseralfingen 1861 eröffnet wurde, war die Flößerei schließlich nicht mehr rentabel. Dafür kam die Gewinnung von Strom durch Wasserkraft auf. Ein Thema, das in der gut eineinhalb stündigen Führung ebenfalls nicht zu kurz kam.

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