Wasserstoffbus als Klepperle?

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Werden wieder Züge oder gar ein Wasserstoffbus auf der Klepperle-Trasse von Schwäbisch Gmünd nach Göppingen unterwegs sein? Experten untersuchen 2021 das Projekt ausführlich. Sicher ist: Die Radtrasse soll bleiben, sagt Gmünds Stadtsprecher.
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Eine Idee, viele Fragezeichen: Vor einer Reaktivierung der Bahntrasse Gmünd – Göppingen müssen Studien viele Fragen untersuchen.

Schwäbisch Gmünd

Die Idee hat nicht nur für Begeisterung gesorgt: dass die Bahnlinie von Gmünd nach Göppingen reaktiviert werden könnte. Und was wird aus dem Radweg?, haben sich viele Gmünder gefragt. Der muss bleiben, das versichert Stadtsprecher Markus Herrmann. "Niemand will die super eingeführte Radtrasse aufgeben."

Wie das technisch gelöst werden könnte, das Klepperle wieder fahren lassen und trotzdem Radfahrern, Spaziergängern, Inlineskatern weiter die beliebte Strecke zu bieten, das weiß Markus Herrmann nicht. Muss er auch nicht. Es weiß keiner in Gmünd. Was die Idee zur Revitalisierung aufgebracht hat, hat erst mal mit technischen Fragen nichts zu tun. Grundlage ist der erklärte politische Wille der grün-schwarzen Landesregierung, den Klimaschutz voranzubringen, indem im Land CO2 eingespart wird. Zum Beispiel mit mehr öffentlichem Nahverkehr. Darum ist die Studie entstanden, die sich zunächst nur für das Potenzial ehemaliger Bahnstrecken, also die möglichen Fahrgastzahlen interessiert hat. Ob und wie alles technisch gehen könnte, das soll nun eine Machbarkeitsstudie untersuchen, so Stadtsprecher Herrmann. Die Stadt Gmünd geht die Sache mit entspannter Neugierde an. Neugierig, weil "wir für alles offen sind, was Verbesserung bringt". Entspannt, weil für Gmünd kaum Zeit- und Geldaufwand damit verbunden ist. "Fördersätze bis zu 96 Prozent" sind möglich, so fasst es die Verwaltung des Landkreises Göppingen zusammen, in der 2021 sogar eine neue Personalstelle für die Planungsarbeit geschaffen wird. Die Göppinger haben die Federführung übernommen, weil ihr Anteil an der Strecke größer ist als derjenige der Gmünder.

So richtig ums Geld würde es dann gehen, wenn die Machbarkeitsstudie zu einem positiven Ergebnis kommt. Dann müsste Studie Nummer drei Folgen. "Der nächste Schritt ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung", erzählt ein Göppinger, der sich dort für den Verein "Ein neuer Zug im Kreis" engagiert, der die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Bad Boll zum Ziel hat. Geht die Rechnung nicht auf – "jeder Euro muss einen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen" -, dann ist schnell Schluss.

Die Klepperle-Strecke bringt für beide Studien keine richtig guten Voraussetzungen mit sich. Während zwischen Boll und Göppingen noch die Schienen liegen, müsste auf der Strecke nach Gmünd die Frage nach einer guten Co-Existenz mit dem Radweg geklärt werden. "Das dürfte die riesen Herausforderung sein", sagt Herrmann. Dann gibt es Gemeinden, die von der Strecke durchschnitten werden. Während in Straßdorf links und rechts der Strecke noch Platz ist, geht es in Wäschenbeuren extrem eng zu, weil dort die Häuser eines Wohngebiets ganz eng anliegend die ehemalige Bahntrasse umschließen. "Das ist schwer vorstellbar, wie da ein Zug durchfahren soll", sagt der Göppinger Bahn-Experte. Aber vielleicht fällt den 2021 gefragten Bahnplanern doch ein raffinierter Dreh ein, Radweg und Bahnstrecke zu verbinden.

Warum nicht neue Mobilitätsformen testen? Wir sind für vieles offen.

Markus Herrmann, Sprecher Stadt Gmünd

Eines ist erwiesen: Nebenbahnen können Erfolgsprojekte sein. Erfolgreiche Vorbilder haben die Idee zur Reaktivierung befördert: "Die Strecke Schorndorf Rudersberg hat rund 5000 Fahrgäste am Tag, die Schönbuchbahn bei Böblingen 10 000, das ist schon eine Hausnummer", sagt der Bahnfreund aus Göppingen.

Oder es entsteht aus der einen Idee noch eine ganz andere: "Es müssen ja nicht unbedingt echte Schienen sein", findet Markus Herrmann. Vielleicht könne man die Strecke auch "mit Elektrobussen aufwerten oder mit Wasserstoffbussen". Herrmann: "Warum nicht neue Mobilitätsformen testen? Wir sind für vieles offen."

42 mögliche Strecken in Baden-Württemberg

Studie: In der Studie, die den Plänen zugrunde liegt, sind 42 mögliche Strecken in Baden-Württemberg untersucht worden. Die Klepperle-Trasse fällt unter die Kategorie A, das sind die Strecken mit dem besten Fahrgastpotenzial. Sie findet man auf der Homepage des Landesverkehrministeriums: www.vm.baden-wuerttemberg.de. Menü: Mobilität und Verkehr, "Reaktivierung Bahnstrecken".

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