Weder romantisch noch teuflisch

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Diskussion mit Blich auf das Gemälde des Gmünder Barockmalers Johann Christoph Katzenstein d.Ä. in der Maria Magdalena Ausstellung im Labor im Chor.ÌÌFoto: Hientzsch
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Diskussion „Maria 2.0 und Maria Magdalena“ räumt auf mit Mythen um die Frau an Jesu Seite.

Schwäbisch Gmünd. Die Diskussion „Maria 2.0 und Maria Magdalena“ zur Ausstellung im Labor im Chor „Maria Magdalena“ räumte überzeugend mit Romantisierung und Verteufelung der Jüngerin Jesu auf. Elke Heer, Beauftragte für Chancengleichheit, die Religionspädagoginnen Ulrike Diemer und Marie Baumann sowie die Theologin Dr. Iris Mandl-Schmidt zeichneten mit ihren Ausführungen ein völlig anderes Bild dieser Frau als die Bibel und die katholische Kirche.

Mit Detailgenauigkeit und profundem Wissen wurde der Magdalenen-Mythos entblättert bis aus dem Bild der reuigen Sünderin und Büßerin eine Jüngerin an der Seite Jesu entsteht, die bei seinem Tod unter dem Kreuz anwesend war und Erstzeugin seiner Auferstehung, so Ulrike Diemer, den zentralen Kernthemen des Christentums.

„Maria Magdalena ist neben der Mutter Maria die einzige Frau, die in allen Evangelien des Neuen Testaments erwähnt wird.“ Sie habe die gleicheherausragende Stellung wie Petrus bei den Männern und sei als erste dem Auferstandenen persönlich begegnet und habe von ihm den Verkündigungsauftrag an die Jünger erhalten.

Reuige Sünderin für alle Zeiten

Marie Baumann erläuterte die kirchengeschichtlichen Aspekte. Maria Magdalena war im Mittelalter Symbol und Vorbild, dass ein Sünder durch Buße und Umkehr Hoffnung auf Vergebung und Heilsgewissheit haben durfte.„Papst Gregor I. war es, der in einer Predigt 591 schon vorhandene Ansätze bei Kirchenvätern vor ihm bündelte. Maria Magdalena wurde mit seiner päpstlichen Autorität für alle Zeiten vor allem als reuige Sünderin etabliert,“ als Gegenpol zu Eva, der Erstsünderin, zum heilsgeschichtlichen Wendepunkt, als die Frau, die das Tor zur Erlösung wieder öffnet.

„Da man so wenig fundiertes Wissen aus der Bibel über Maria Magdalena hat, wurde mit frommer Fantasie nachgeholfen.“, sagt Marie Baumann. Maria Magdalena wurde adlig, erhielt Familiengeschichte und großen Familienbesitz, zur Prostituierten „ihre Sündenkarriere deutlicher ausgestaltet.“

Sie wurde zu einer der beliebtesten mittelalterlichen Heiligen und Patronin und zum Lieblingsmotiv von Künstlern des Barock in der Form der Sünderin, die büßt, als Frau, die Hüllen fallen lässt und raffinierte Verführerin ist. Das Gemälde des Gmünder Barockmalers Johann Christoph Katzenstein d.Ä. im Labor im Chor zeigt sie als Büßerin, der nur das Salbgefäß geblieben ist neben dem Schädel als Vanitassymbol und dem Schädel Adams sowie das Kreuz als religiöses Memento mori. Diemer: „Auf die Büßerinnenrolle beschränkt, verlor Maria Magdalena ihre Augenhöhe mit Jesus.“

„Jesus nannte sie Apostelin“

Der Zwölferkreis um Jesus als Argument der katholischen Kirche, Frauen den Zugang zur Priesterweihe zu verweigern, ist befremdlich in den Augen von Dr. Iris Mandl-Schmidt. Jesus habe Maria Magdalena Apostelin genannt, sie aber nicht in den Zwölferkreis berufen. „Wir kennen den Grund nicht, wahrscheinlich waren es soziokulturelle Gründe.“ Auch Paulus habe die Zwölfer-Tradition gesprengt, als er sich selbst als Apostel definierte. Durch Papst Johannes Paul II. wurde 1994 bestimmt, sein „Verbot der Priesterweihe von Frauen müsse gehorsam angenommen werden und dürfe auch nicht mehr diskutiert werden.“ Die Glaubenskongregation unter Joseph Ratzinger ging noch weiter. Sie gab die Worte des Papstes als unfehlbare Lehrentscheidung aus. „Wenn aber eine Kirche sich weder an Argumente noch an ihr eigenes Kirchenrecht hält, stiftet sie Unordnung,“ sagt Mandl-Schmidt.

Gelungener Rahmen

Umgeben von Kunstwerken ganz besonderer Art, erhält das Katzenstein-Gemälde mehr Gehalt. Vanitas in zarten Glasformen durch Stacheldraht geblasen erinnern an die Dornenkrone, das Salbgefäß wird durch Variationen in die Gegenwart gehoben. „I don’t know how to love him“, Magdalenas Song aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“, von Alena Fischer herzzerreißend vorgetragen, musikalische Einwürfe von Lothar Lieb, Klavier, Helga Nolte, Querflöte, und Steffi Fischer, Klarinette, machten die gehaltvolle, aufklärende Veranstaltung zum nachklingenden Erlebnis. ⋌Gise Kayser-Gantner

Wissenswertes zur Ausstellung

  • Die Ausstellung „Maria Magdalena“ ist bis zum 24.April im Labor im Chor zu sehen.
  • Geöffnet: Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage 11 bis 17 Uhr.
  • Labor im Chor, Johannisplatz 3, Eingang Bocksgasse, www.labor-im-chor.de
  • Begleitprogramm: Sonntag,27. März, um 15 Uhr, „Die Wiedergeburt des Gemäldes mit Restaurator Hermann Petersohn
  • Sonntag,3. April, 15 Uhr, Führung mit Kuratorin Alkie Osterland
  • Mittwoch,6. April, 19.30 Uhr, Maria Magdalena. Theologie, Geschichte, Kunst.Onlinevortrag mit Markus Golser, Kunsthistoriker M.A.
  • Anmeldung über wwww.gmuender-vhs.de

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