Weg zum Tod lebenswert gestalten

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Über 80 000 Kilometer sind die Team-Mitglider der SAPV pro Jahr unterwegs, um Menschen das Sterben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen - und das seit zehn Jahren.

Seit zehn Jahren ist die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung im Einsatz, um vom Stauferklinikum aus Menschen, die zuhause sterben möchten, zu versorgen.

Schwäbisch Gmünd

Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, kurz SAPV. Hinter diesem etwas sperrigen Begriff steht ein Team aus heute 13 Pflegefachkräften und zehn Klinikärzten, das zusammen mit fünf niedergelassenen Ärzten eine wichtige Funktion übernimmt: die Versorgung von Menschen, bei denen das Ende absehbar ist und die den Wunsch haben, zu Hause sterben zu können.

In diesem Monat feiert die SAPV ein Jubiläum. Seit zehn Jahren ist das Team im gesamten Ostalbkreis unterwegs, um schwerstkranke und sterbende Menschen daheim und in Pflegeheimen zu beraten, begleiten und zu betreuen. In der Zwischenzeit konnte annähernd 3000 Patientinnen und Patienten ermöglicht werden, ihre letzte Lebenszeit in ihrem eigenen Zuhause zu verbringen.

„Niemand redet gerne über das Sterben. Jedoch ist es besonders wichtig, eine hochwertige Versorgungsmöglichkeit für sterbende Menschen auch in den heimischen vier Wänden anbieten zu können“, sagt Landrat Dr. Joachim Bläse.

Vor genau zehn Jahren waren die Voraussetzungen erfüllt, damit die SAPV Ostalb ihre Arbeit aufnehmen konnte, als neuntes Team in Baden-Württemberg. Vorangetrieben hatten die Gründung am Stauferklinikum der ärztliche Standortleiter und Chefarzt Prof. Dr. Holger Hebart und sein mittlerweile verstorbener Arztkollege Dr. Wolfgang Grimminger. Heute leiten Prof. Dr. Hebart und der pflegerische Standortleiter Franz Xaver Pretzel die SAPV. Der überwiegende Teil der heutigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist bereits seit der ersten Stunde mit dabei.

Was genau ist Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung? Der Gesetzgeber definiert dies so: Die SAPV dient dem Ziel, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen zu erhalten, zu fördern und zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer vertrauten häuslichen oder familiären Umgebung zu ermöglichen und Symptome und Leiden einzelfallgerecht zu lindern.

Fünf Fahrzeuge stehen bereit, mit denen das Team im Ostalbkreis unterwegs ist. Teilweise mit Allrad, um auch bei Eis und Schnee alle Einsatzorte erreichen zu können. Jährlich werden über 80 000 Kilometer zurückgelegt. „Die Zahlen sind beeindruckend, mehr als die Zahlen interessieren uns aber die Menschen, die dahinter stehen. Hinter jedem einzelnen Patienten steht eine Geschichte, ein eigenes Schicksal, eigene Bedürfnisse, Sorgen und Ängste“, sagt die Koordinatorin der SAPV, Olga Marra-Hillberger. „Unser Team arbeitet gemeinsam daran, die Selbstbestimmung der Patienten zu erhalten, zu fördern und zu verbessern.

Zu Beginn einer Begleitung werden Wünsche und Ziele eruiert, es wird beraten, informiert und aufgeklärt. Das vermittelt allen Beteiligten Sicherheit. Durch eine effiziente Symptomkontrolle kann für Patienten eine möglichst gute Lebensqualität erreicht werden. Dadurch wird der Raum geschaffen, dass diese wertvolle letzte Lebenszeit selbstbestimmt genutzt werden kann.

Die SAPV Ostalb ist Teil eines Versorgungsnetzwerkes. „Wir arbeiten eng mit Hospizen, Sozialstationen, Hausärzten und weiteren Institutionen zusammen. Dies ist für eine umfassende Versorgung besonders wichtig“, weiß Dr. Heidrun Stumme. Sie ist Leitende Ärztin am Zentrum für Innere Medizin am Stauferklinikum. Die Palliativmedizinerin leitet das ärztliche Team der SAPV Ostalb.

Nicht jeder kann die Dienste in Anspruch nehmen. Möglich ist dies, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So muss beispielsweise eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik vorliegen. Oder es handelt sich um Patienten mit schweren neurologischen, psychiatrischen oder psychischen Problemen wie Krampfanfällen, Lähmungen, Panik oder Angst. Auch Atemnot oder Übelkeit, ein Darmverschluss oder Probleme mit Wunden können Voraussetzung für die Leistungen der SAPV sein.

Und wie ist es, in einem Beruf tätig zu sein, bei dem sich alles um das Sterben dreht? „Das Sterben steht bei unserer Arbeit nicht im Vordergrund. Primär geht es uns darum, Menschen zu versorgen, zu unterstützen und zu begleiten um die Zeit bis zum Tod möglichst lebenswert zu gestalten. Es geht darum, Raum zu schaffen für Begegnung, Abschied und Freude. Diese Arbeit erfüllt uns, da wir Teil einer ganz besonderen Zeit im Leben dieser Menschen sind“, berichtet Olga Marra-Hillberger.

Wer die SAPV Ostalb unterstützen möchte, kann dies gerne tun unter: Spendenkonto Kreissparkasse Ostalb, IBAN: DE 40 6145 0050 0110 0006 60, BIC: OASPDE6AXXX, Stichwort: SAPV Ostalb

Niemand

Dr. Joachim Bläse,, Landrat

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