Wege für Trauernde bereitet

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Marion Müller, Daniela Maneljuk und Colette Eisenhuth (von links) richten die Stationen an der Kirche in Lindach ein.
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Frauen gestalten in Lindach, Großdeinbach, Rehnenhof, Wetzgau und Mutlangen Stationen zu Trauer, Tod und Hoffnung. Warum der Umgang mit diesen Themen so wichtig ist.

Schwäbisch Gmünd

Menschen mussten ihre Angehörigen an der Klinikpforte abgeben und haben sie später in einer Urne zurückbekommen. So beschreibt Daniela Maneljuk, Hospizmitarbeiterin und Mitglied im Ethikkomitee des Stauferklinikums, wie sich das Besuchsverbot in Kliniken während der ersten Coronawelle ausgewirkt hat. Das zu verarbeiten, sei sehr schwer. "Da braucht es ein Ventil", weiß Marion Müller, die Hospizmitarbeiterin, Trauerbegleiterin und Ethikkomiteemitglied ist. Mittlerweile dürfen Angehörige wieder zu Menschen, die im Sterben liegen. Doch der Abschied sei nach wie vor nicht einfach, denn aus Angst vor Ansteckung seien Berührungen kaum möglich.

Das ist mit ein Grund, weshalb Daniela Maneljuk, Marion Müller sowie Colette Eisenhuth, Ehrenamtskoordinatorin der Seelsorgeeinheit Limeshöhe, entschieden haben, ab kommenden Sonntag zwei Wochen lang Angebote für Trauerende zu machen. Bewusst in der Zeit um den 18. April, wenn Bundespräsident Walter Steinmeier zu einer zentralen Gedenkfeier für die Toten der Corona-Pandemie lädt.

Die drei Frauen haben am Donnerstag in und vor allem rund um die Heilig-Geist-Kirche in Lindach einen Trauerpfad aufgebaut. Zwei der sieben Stationen liegen bewusst im Kirchgarten, weil die Organisatorinnen auch jene erreichen wollen, die mit der Kirche nichts zu tun haben. An Station zwei geht es um Erinnerung. Hier dürfen Besucher ein Stoffband aus einem Korb nehmen und es an einem Gedenk-Busch befestigen. Die nächste Station ist mit "Klage" überschrieben, weil Trauernde hier Muggelsteine aus blauem Glas als Symbol für ihre Tränen in einen Krug werfen können: "Tränen der Verletzung, der Verzweiflung oder auch der Erleichterung" nach einer langen Zeit der Pflege und des Leidens, erklärt Marion Müller. Mit Station vier haben sie und ihre Mitstreiterinnen zusammen mit Ingrid Beck, Seelsorgerin der Landespastoral Schönenberg, am meisten gerungen: Hier geht es um das Schwere, das Menschen in ihrer Trauer tragen. Als Symbol, dass sie es nicht alleine halten müssen und es vor Gott ablegen können, haben die Frauen hier Steine bereitgelegt.

So gibt es an beinahe an jeder Station etwas, das die Besucher anfassen können. Denn "Rituale sind wichtig, um zu begreifen, was zuvor unbegreiflich war", weiß Marion Müller.

Den Organisatorinnen ist wichtig, Menschen in Trauer zu zeigen, sie sind nicht allein. Viele seien unsicher im Umgang mit Trauernden. "Da gehen Nachbarn nach einem Schicksalsschlag auf die andere Straßenseite, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen", erzählt Marion Müller. Daher war der ursprüngliche Plan der Hospizmitarbeiterinnen, ein Trauercafé einzurichten. Doch dann kam Corona und machte Angebote wie diese unmöglich. Die vorerst auf zwei Wochen begrenzten Stationen sollen nun ein Zeichen sein, aus dem vielleicht mehr entstehen kann, hofft Colette Eisenhuth – feste Stationen etwa oder doch noch irgendwann eine Trauergruppe.

Doch jetzt wollen sie erst mal viele mit ihren Stationen zu Trauer, Tod und Hoffnung erreichen. Neben jenen in Lindach gibt es ab 11. bis 25. April weitere in der Seelsorgeeinheit Limeshöhe:

Rituale sind wichtig, um zu begreifen, was zuvor unbegreiflich war.

Marion Müller, Trauerbegleiterin

"Herzensweg" heißt der Pfad an der evangelischen Kirche Großdeinbach, den Marlies Betz und Ulrike Ehrenberg-Bader gestalten.

"Klagen und Hoffen" ist das Thema an der Klagemauer in der Kirche St. Maria auf dem Rehnenhof.

"Im österlichen Licht" steht das evangelische Gemeindezentrum in Mutlangen.

"Blick in die Weite" ist die Station am Bildstock Haselbachtal/Wildeck überschrieben.

"Begleitet" von einem Engel sind Gäste in St. Georg in Mutlangen.

Zu den Stationen gibt es Gesprächsangebote

Für Trauergespräche stehen zu diesen Terminen Seelsorger bereit:

Am Sonntag, 18. April, ab 16 bis 18 Uhr: Pfarrer Matthias Frank in der katholischen Kirche in Wetzgau-Rehnenhof, Pfarrer Markus Schönfeld in der katholischen Kirche in Mutlangen und Seelsorgerin Ingrid Beck in der katholischen Kirche in Lindach.

Am Dienstag, 20. April, ab 16 bis 18 Uhr: Pfarrerin Eleonore Härter im evangelischen Gemeindezentrum in Mutlangen.

Am Freitag, 23. April, ab 16 bis 18 Uhr: Pfarrer Jochen Leitner in der evangelischen Kirche Großdeinbach.

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