Weihnachten in Sand gemalt

  • Weitere
    schließen
+
-

Die Gmünder Augustinuskirche wird Schauplatz eines besonderen Gottesdienstes mit Geschichten und Sandmalereien.

Schwäbisch Gmünd

Zu einem besonderen Kunstgenuss unter dem Motto "Advent, Advent, das Bäumchen brennt" begrüßte Pfarrer Matthias Walch am Sonntagabend die Besucher in der Augustinuskirche. Denn es war wieder Joki-Spezial-Abendgottesdienst. Über den leergeräumten Chorraum des Gotteshauses spannte sich eine große Leinwand. Auf dem Taufstein befanden sich fünf weihnachtlich verpackte Geschenke, deren Inhalt symbolisch für die Weihnachtsgeschichten und Gedichte standen, die Schauspielerin Sarah Gros vortrug. Für eine Visualisierung sorgte Sandkünstler Chris Kaiser. Heidrun Havran begleitete Vorträge und Sandmalereien am Klavier.

"Oh Tannenbaum" – während die Klavierklänge die Kirche erfüllten, entstanden unter Kaisers Händen bewegte Bilder: Auf der Leinwand erschien ein Tannenbaum in Saft und Kraft. Langsam vertrocknet das Bäumchen, verliert die Nadeln, nahezu spürbar war die Hitze der lodernden Flammen, in die der Baum am Ende aufging. "Das Paket des lieben Gottes" von Berthold Brecht, während Gros' Stimme nach Chicago in den Winter von 1908 entführte, wuchsen qualmende Fabrikschlote aus dem Sand. Mit unglaublicher Fingerfertigkeit tauchten Menschen an einem Bartresen auf, das geschickte Spiel mit Sand ließ die Figuren plastisch erscheinen. Hell strahlende Deckenlampen, im Hintergrund füllten sich Tische mit Wirtshausbesuchern. Im Handumdrehen verwandelte sich eine geöffnete Blechdose in zerknülltes Zeitungspapier. Die junge Frau im Vordergrund wich einem jungen Burschen mit Schildkappe. Häuser in der Dunkelheit sind das Ziel von Einbrecher Nick, der sich bei einem Einbruch vor Heiligabend einem kritischen kleinen Mädchen gegenüber sieht. Ein geschmückter Weihnachtsbaum wird sichtbar, eine Treppe windet sich nach oben. Ein kleines Mädchen in Faltenrock mit Kuscheltier taucht auf. Langsam wandelt sich der düstere Einbrecher zum Weihnachtsmann. Rudi mit der roten Nase lacht sich am Ende ins Fäustchen.

Ob das "Geschenk der Weisen" so weise war? Kaiser zaubert eine schlanke Frau mit ellenlangem Haar in den Sand, ihr Spiegelbild wird sichtbar. Della verkauft ihre Haarpracht, um ihrem geliebten Jim ein Weihnachtsgeschenk zu machen. Unter Kaisers Händen verwandelt sich die langhaarige Schönheit in einen kurzhaarigen Lausbub. Jim soll eine Kette für seinen einzigen Besitz, eine Taschenuhr, erhalten. Dieser hat die Uhr verkauft, um seiner Della edle Kämme und Haarspangen zu kaufen. Zwei junge Menschen stehen sich jetzt auf der Leinwand gegenüber, in den Händen die nun nutzlosen Geschenke.

Während am Ende Gros in die Nacht führte, zeichnete Kaiser die "Weihnachtsgeschichte" in den Sand. Eine schlichte Scheune unterm Sternenhimmel, ein Paar, das sich im Heu über ihr "wunderschönes Kind" beugt. Brechts "Gute Nacht" beendet damit den Gottesdienst im Sinne der Vorweihnachtszeit.

-
-

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL