Wenn das Gmünder Silbermännle reden könnte

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Ein Bild aus alten Tagen: Wilhelm Bauknecht (hinten rechts) mit einigen jungen Narren und dem Silberglöckle. Bauknecht gilt als der geistige Vater des Gmünder Silbermännles.Ì

Schwäbisch Gmünd

  • Fasnet-Serie in der Gmünder Tagespost
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So manches närrische Häs bleibt auch dieses Jahr im Schrank. Coronabedingt. Wie schon 2021 wird es auch 2022 keine Fasnet geben. Nachdem die Corona-Pandemie dem närrischen Treiben einen Strich durch die Rechnung macht, soll sie immerhin in der Gmünder Tagespost stattfinden. In gewisser Weise versteht sich. Der Rudo hat sich dazu bereiterklärt, Woche für Woche verschiedene Bereiche der Gmender Fasnet zu beleuchten. In der heutigen Folge dreht sich alles ums Gmünder Silbermännle.

Die Gmünder kennen das Silbermännle von der Bühne im Stadtgarten oder auf dem Umzugswagen der Gmender Fasnet, umgeben von Garden und Hofstaat. Majestätisch winkend wirkt es immer ein wenig entrückt, und so frage ich mich: Was denkt dieser gute Geist? Was würde er uns erzählen, wenn er reden könnte?

Symbolfigur der Fasnet

Sicher würde das Silbermännle zunächst seiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass es als Symbolfigur der Gmender Fasnet hoch angesehen ist und bei allen wichtigen Veranstaltungen in der 5. Jahreszeit auftritt. Es würde wahrscheinlich auch äußern, dass es genießt, so umjubelt zu werden und so viel Freude bei Kindern, Erwachsenen und Senioren auszulösen. Möglicherweise käme auch seine Trauer zum Ausdruck, dass sein Auftreten durch die Pandemie stark eingeschränkt ist und auch sonst seine Zeit im Jahr auf wenige Wochen begrenzt ist.

Und dann würde es über seine Ursprünge erzählen, von der Sage, die es umgibt: Damals, als es in den unruhigen Zeiten der Reformation den Gmündern wirtschaftlich schlecht ging, kam der Silberschmied Ignatz Eusebius Storr von Verzweiflung getrieben in den Wald hinter Gotteszell, weil er ob der miserablen Auftragslage nicht mehr wusste, wie er seine vielköpfige Familie ernähren sollte. Der gute Geist erschien dem armen Mann und riet ihm, silberne Rosenkränze herzustellen. Diesen Rat befolgte nicht nur Storr, sondern seine ganze Zunft – und so kamen er und sein Hausstand, aber auch alle Silberschmiede und ganz Schwäbisch Gmünd wieder zu Ansehen und Wohlstand, was wiederum die Verehrung erklärt, die dem Silbermännle entgegen gebracht wird.

Was das Silbermännle möglicherweise nicht erzählen würde: Diese Sage wurde zwar in den 1930er-Jahren im Stadtarchiv „gefunden“, getarnt als Augenzeugenprotokoll des Ignatz Eusebius Storr samt Zeichnung. Entstanden ist sie aber wohl in Zusammenarbeit zwischen Wilhelm Bauknecht und Albert Deibele. Bauknecht war Lehrer an der Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe (heute Fachhochschule für Gestaltung) und Vorsitzender des Gmünder Kunstvereins. Von ihm sind viele Zeichnungen und Gemälde des Silbermännle erhalten, er gilt als dessen geistiger Vater . Albert Deibele war treibende Kraft und Leiter des Stadtarchivs und hat wohl an dem närrischen Unterfangen mitgewirkt, die Silbermännle-Sage „zu finden“.

Stolz wäre das Silbermännle allerdings sicherlich, dass es nach seiner Geburt als unsere Symbolfigur in den 1930er Jahren ein massiv silberne Maske getragen hat, die in den Kriegswirren verloren ging.

Seine Freude hat das Gmünder Silbermännle auch an der Kinderfigur, den Silberglöckle, die seit Mitte der 1990er Jahre beim Umzug am Faschingsdienstag seinen Wagen begleiten. Die Altersgenossen vom Jahrgang 1955 haben nicht nur den Narrenbaum nach Gmünd gebracht: Sie haben auch das Kinderkostüm und eine Marionette gestaltet, die eine Zeit lang am Umzug teilgenommen hat. ⋌Fortsetzung folgt

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