Wenn der Ehering oder das Glasauge weg sind

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Von Affe bis Uhr: Christina Weizmann mit einer Auswahl der Stücke, die derzeit beim Gmünder Fundbüro auf ihre Besitzer warten.
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Täglich werden durchschnittlich drei bis vier Stücke beim Gmünder Fundbüro abgegeben.

Schwäbisch Gmünd

Wenn Ihnen beim eiligen Gang über den Marktplatz ein 50-Euro-Schein aus der Manteltasche fällt, haben Sie zunächst Pech gehabt. Glück könnten Sie haben, wenn Sie ein, zwei Tage später beim Fundbüro der Gmünder Stadtverwaltung nachfragen und feststellen, dass ein ehrlicher Mensch Ihren Fünfziger gefunden und dort abgegeben hat. Nachfragen kann sich durchaus lohnen, denn an einem durchschnittlichen Tag werden drei bis vier Dinge beim Gmünder Fundbüro abgegeben. Diese Schätzung stammt von Christina Weizmann und sie muss es wissen: Sie betreut die Fundsachen seit 25 Jahren. In dieser Zeit gibt es kaum etwas, was nicht schon bei ihr gelandet ist: vom Glasauge bis zur Sporttasche, von der Krücke bis zum Gebiss. Immer wieder Spazierstöcke und Schirme, aber auch Duschgel wurde schon abgegeben.

Übrigens werden tendenziell montags am meisten Fundstücke abgegeben. "Vielleicht wird am Wochenende am meisten verloren", mutmaßt Christina Weizmann.

"Das Meiste wird nicht abgeholt", weiß Weizmann aus Erfahrung. Wobei da der Wert der Stücke durchaus eine Rolle spielt: Nach verlorenen Handys werde öfter nachgefragt. Bei noch eingeschalteten Handys – auch solche wurden schon abgegeben – rufen die Ordnungsbeamten den Besitzer, wenn es möglich ist, an. Ebenso werden die Beamten natürlich aktiv, wenn sie in einer Handtasche zum Beispiel Papiere der Besitzerin finden.

Einen Schirm oder auch Schal schreibt man wohl leichter ab. Allerdings bleiben oft auch Schlüssel im Fundbüro zurück, obwohl deren Ersatzbeschaffung häufig aufwendig ist. "Da fragen wir uns schon, warum das niemand vermisst", wundert sich Weizmann.

Und wenn nun jemand beim Schlendern über den Marktplatz den Fünfziger erblickt, der jemand anderem aus der Manteltasche gerutscht war? Derjenige täte gut daran, den Schein zum Fundbüro zu bringen. "Sonst wäre das Fundunterschlagung", sagt Christina Weizmann. Und die steht unter Strafe, wenn das Fundstück einen Wert von zehn Euro übersteigt.

Ehrlichkeit kann sich lohnen

Die Ehrlichkeit dagegen kann sich in Euro und Cent auszahlen. Gibt jemand ein Fundstück beim Fundbüro ab und es wird innerhalb eines halben Jahres nicht abgeholt, hat der Finder Anspruch darauf. Christina Weizmann erinnert sich an einen Fall, in dem der ehrliche Finder so nach einem halben Jahr 1000 Euro bekam.

Das Meiste wird nicht abgeholt.

Christina Weizmann, Fundbüro

Holt der Verlierer sein Gut wieder ab, hat der Finder gesetzlichen Anspruch auf Finderlohn (mehr dazu in "Gute Tipps für Finder"). Die Höhe ist definiert – Ausnahme: Das Fundstück hat "nur" emotionalen Wert, zum Beispiel ein Foto. Dann muss der Verlierer nichts zahlen, kann aber natürlich dem Finder freiwillig eine Belohnung zukommen lassen. Christina Weizmann hat auch in Sachen Finderlohn ihre Erfahrungen: Die meisten Finder, sagt sie, "wollen keinen". Trotzdem: Um den Wert und damit den daraus resultierenden Finderlohn zu ermitteln, hat sie auch schon Fundstücke beim Juwelier schätzen lassen.

Für Tierarzt-Kosten

Wollen weder Verlierer noch Finder das Fundstück haben und lässt es sich zu Geld machen, dann fließt das in die Stadtkasse. Und wird eingesetzt, zum Beispiel, wenn für eine Fundkatze eine tierärztliche Behandlung fällig wird. Denn auch Katzen gehören zu den häufigen "Fundstücken". Die werden im Tierheim Dreherhof einquartiert.

Geeignete Fundstücke gibt das Ordnungsamt nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist zum Beispiel an die Wohnsitzlosenhilfe ab. Fahrräder gehen oft an den Werkhof Ost. Früher hat das Fundbüro immer wieder eine Versteigerung nicht abgeholter Stücke angesetzt. Aber "das lohnt sich nicht mehr", sagt Christina Weizmann. Vielleicht, so ihr Eindruck, ist im Lauf der Jahre der Anteil qualitativ höherwertiger Fundstücke zurückgegangen. Auf seiner Homepage stellt das Fundbüro klar: Offenbar entsorgte Gegenstände werden nicht angenommen.

Nicht bei jedem Fundstück muss das Fundbüro die halbjährige Aufbewahrungsfrist einhalten, sagt Christina Weizmann: Lebensmittel werden nur gelagert, bis ihre Haltbarkeit endet.

Gute Tipps für Verlierer

Beim Fundbüro nachfragen, am besten nach ein paar Tagen oder Wochen nochmal. Manches wird erst später gefunden oder nicht gleich abgegeben.

Das Fundbüro ist zu finden im Hof des Waisenhauses, direkt vom Marktplatz her zugänglich. Und es ist telefonisch erreichbar: (07171) 6033242.

Auch im Internet kann man nachschauen, was im Fundbüro abgegeben wurde: www.schwaebisch-gmuend.de/fundsachen. Falls das Verlorne nicht auf der Liste steht, trotzdem nachfragen (siehe dazu: Wem gehört das denn?).

EC-, Kredit- oder Handykarten sofort sperren lassen, wenn der Verlust bemerkt wird. Dazu 116 116 anrufen.

Gute Tipps für Finder

Gefundenes auf jeden Fall beim Fundbüro abgeben oder den Fund der Polizei melden. Wer eine Fundsache behält, kann mit dem Gesetz in Konflikt kommen.

Nicht zu lange warten, bis man Gefundenes abgibt. Sonst könnte auch das als Unterschlagung ausgelegt werden. Eine Woche sei zu lang, sagt Christina Weizmann.

Finderlohn: Darauf hat man ab einem gewissen Wert gesetzlichen Anspruch: – fünf Prozent des Werts, wenn das Fundstück bis 500 Euro wert ist; – drei Prozent, wenn es wertvoller ist. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel bei Funden in Amtsräumen. Wer Finderlohn möchte, muss das sagen, wenn er das Stück beim Fundbüro abgibt.

Wem gehört das denn?

Schwäbisch Gmünd. Der Ehering? Das Handy? Wenn Ihnen etwas fehlt und Sie es trotz heftiger Suche nicht mehr finden, könnte sich ein Blick ins Internet lohnen. Auf der Seite der Stadt Schwäbisch Gmünd ist unter dem Stichwort "Fundbüro" eine Liste mit einer Auswahl der Dinge zu finden, die dort abgegeben wurden. Zur ersten Orientierung: Viele der gefundenen Tiere sind mit Fotos abgebildet. Hier ein Auszug aus der Liste (Stand 12, Januar):

  • Brille, Marke Hilfiger, grau mit grünen Aufklebern. Beim Fundbüro seit 17. September.
  • Fahrrad, Marke Cyco, schwarz. beim Fundbüro seit 13. August.
  • Fahrrad, Marke Cyco, schwarz-grau. Beim Fundbüro seit 14. Juli.
  • Kopfhörer, Marke Motorola, grau-schwarz. Beim Fundbüro seit 8. Dezember.
  • Zwei Babykatzen, getigert. Beim Fundbüro seit 23. Dezember.
  • Katze, getigert. Beim Fundbüro seit 8. Dezember.
  • Handy/Smartphone, Marke Samsung, schwarz mit Klapphülle. Beim Fundbüro seit 29. Oktober.
  • Schildkröte, Farbe schildpatt. Beim Fundbüro seit 5. Oktober.
  • Schmuck, goldfarben. Beim Fundamt seit 20. August.
  • Bluetooth-Lautsprecher, schwarz-grau, beim Fundbüro seit 6. August.
  • Iphone, weiß mit schwarzer Klapphülle. Beim Fundbüro seit 30. Juli.
  • Handy/Smartphone, Marke LG, schwarz, Flagge auf Rückseite. Beim Fundbüro seit 27. Juli.
  • Handy/Smartphone, Marke Huawei, weiß. Beim Fundbüro seit 16. Juli.

Wer zum Beispiel das zuletzt aufgeführte Smartphone vermisst, sollte sich nicht mehr zu viel Zeit lassen für den Besuch beim Fundbüro: Die gesetzliche Aufbewahrungsfrist beträgt ein halbes Jahr.

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