Wenn Erzieherinnen plötzlich ausfallen, dann wird's eng

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Symbolfoto Kindergarten
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Gmünds Kindergärten könnten mehr Fachkräfte vertragen. Die Stadt steht aber gut da. Die Öffnungszeiten können im Normalfall gehalten werden.

Schwäbisch Gmünd

Insgesamt gibt's 14 Kindergärten und Kindertagesstätten in Gmünd und den Stadtteilen. Rund 200 Erzieherinnen und Erzieher kümmern sich dort um die Betreuung der Kinder. Das klingt viel, ist aber immer noch zu wenig. Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist groß. Was fehlt, ist das Fachpersonal, heißt es aus dem Gmünder Amt für Bildung und Sport. Der größte Mangel herrsche in Einrichtungen mit Ganztagsangebot und damit verbundenem Schichtbetrieb, erklärt dessen Leiter Klaus Arnholdt.

Kindergärten habe er bislang nicht komplett schließen müssen. „Grundsätzlich können die Öffnungszeiten gehalten werden“, erläutert er. Aber es gebe vereinzelt Ausnahmesituationen, wenn beispielsweise mehrere Fachkräfte wegen Krankheit oder Beschäftigungsverbot durch Schwangerschaft unvorhergesehen ausfallen. „Dann benötigen wir Zeit zur Nachbesetzung.“ Dies bestätigt Regina Stöckle. Als Leiterin der Abteilung „Frühe Bildung“ im Gmünder Amt ist sie in enger Abstimmung mit den Kita-Leitungen für die Einteilung der Springkräfte zuständig, wenn die fest angestellten Kräfte krank, in Quarantäne oder im Urlaub sind.

Zwei Kindergärten musste sie in den vergangenen Monaten für wenige Tage schließen, weil nahezu das ganze Personal an Corona erkrankt war. „Wir jonglieren, was machbar ist“, beschreibt sie ihren Arbeitsalltag. Wenn aber zum Beispiel Stellen wegen Krankheit längerfristig nicht besetzt werden können und an dieser Stelle Springkräfte eingeteilt werden, fehlten diese wiederum an anderer Stelle. Hin und wieder appellierten deshalb die Kindergarten-Leitungen an nicht-berufstätige Eltern, ihre Kinder für ein paar Tage zuhause zu betreuen, wenn's möglich ist.

Weil der Mangel an Erzieherinnen im ganzen Land zu spüren ist, erlaubt das Kultusministerium per Verordnung eine Übergangsregel zur Erhöhung der Gruppenstärke in Kindergärten, wenn's nicht anders geht. Eine Erzieherin oder ein Erzieher ist somit für mehr Kinder als bislang verantwortlich. Diese Verordnung endet eigentlich am 31. August 2022. „Mehr Kinder pro Gruppe verringern in jedem Fall die Qualität und verschlechtern die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Klaus Arnholdt eine Auswirkung. Leider sei aber eine Verlängerung der Erhöhung der Gruppenstärke wohl kurzfristig alternativlos. „Sondereffekte“, wie beispielsweise zahlreiche geflüchtete Kinder aus der Ukraine, könnten nur durch größere Gruppen ausgeglichen werden. Ob die Verordnung verlängert wird, ist noch offen.

Arnholdt macht zahlreiche Faktoren für den Fachkräftemangel in Kindergärten verantwortlich. Zum einen werde der Beruf nicht genügend in der Gesellschaft anerkannt. Vor allem jungen Männern erscheine die Ausbildung wenig attraktiv. In den vergangenen Corona-Jahren sei die Belastung für die Fachkräfte in Kitas enorm groß, dadurch der Krankenstand hoch gewesen. Schwangere erhielten ein sofortiges Beschäftigungsverbot. Gmünd stehe im Vergleich zu anderen Kommunen aber gut da, erläutert Regina Stöckle. Die Stadt habe für rund eine Million Euro im Rahmen der Ausbildungsplatzoffensive insgesamt 16 zusätzliche Stellen in Kitas geschaffen. „Das effektivste Mittel ist, die Zahl der Ausbildungsplätze weiter zu erhöhen und die Attraktivität des Berufs, aber auch das Image zu verbessern“, sagt Klaus Arnholdt. „Wir haben alle - auch die zusätzlichen Ausbildungsplätze - besetzen können“, freut sich der Amtsleiter.

Die Corona-Verordnung Kita in Baden-Württemberg

Die Übergangsregel: Steht die Mindestpersonalanzahl an Betreuungskräften in Kindergärten und Kitas auf Grund der Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht zur Verfügung, kann der Mindestpersonalschlüssel längstens bis zum 31. August 2022 um bis zu 20 Prozent unterschritten werden, sofern die Wahrnehmung der Aufsichtspflicht uneingeschränkt möglich ist. Wird die Mindestpersonalanzahl um mehr als 20 Prozent unterschritten, ist insoweit Ersatz durch eine geeignete Erziehungs- und Betreuungsperson erforderlich.

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