Wenn Gefühle in der Wahlnacht zur Kunst werden

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Der Gmünder Kunstverein hat die Ausstellung "Querschnitt 2021" eröffnet.
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Ausstellung „Querschnitt“ des Gmünder Kunstvereins eröffnet. 85 Künstlerinnen und Künstler zeigen im Prediger ihre Arbeiten.

Schwäbisch Gmünd

Ein Bild mit Heftpflaster, Pril-Blume und der Anmerkung „Früher war alles besser“ ist eine von vielen Antworten der Kunstszene auf die Pandemie. Der Kunstvereinsvorsitzende Professor Dr. Klaus Ripper selbst steht hinter diesem Werk, einer von rund 100 Arbeiten, die in der Jahresausstellung „Querschnitt“ in der Galerie im Prediger zu sehen sind. Corona überlagert auch die Kunstszene der Region, die „Querschnitt“-Ausstellung schafft einen Überblick, diesmal beteiligen sich 85 Künstlerinnen und Künstler, Mitglieder des Gmünder Kunstvereins.

Bei der Eröffnung erinnert Klaus Ripper am Freitagabend an frühere Jahresausstellungen, ebenfalls bestimmt von globalen Herausforderungen der Zeit. Und er spricht vom Selbstverständnis des Kunstvereins, der eigentlich kein Künstlerverein ist, sondern sich der „Förderung der Kunst in der regionalen Gesellschaft“ verschrieben hat. Dieses Ziel sieht der Vorsitzende eher mäßig erfüllt. Bei Vernissagen hochkarätiger Ausstellungen im Kornhaus seien von den mehr als 300 Mitgliedern oft nur wenige zu sehen. Also doch ein Künstlerverein? Antworten darauf sucht Klaus Ripper bei Joseph Beuys („Jeder Mensch ist ein Künstler“) und kommt auf Goethe und Schiller, für die ein „Künstler der Inbegriff eines gebildeten Menschen“ war. Und er führt zurück auf den Kunstverein, „der zumindest neben anderen Aufgaben seinen Mitgliedern die Möglichkeit bietet, ihre Kunst einer interessierten Öffentlichkeit zu zeigen“.

Und diese Öffentlichkeit wird nicht enttäuscht. Zeichnung, Malerei, Skulptur und Arbeiten, die diese Grenzen überschreiten: Katharina Dustmann schafft „Klangbilder“. Auf den ersten Blick sind es vielleicht Landschaften, Abstraktionen. Den passenden Klang können sich Kunstbetrachter über einen QR-Code dazu holen. Amyna Wolf zeigt einen Bondage-Akt. Zu sehen ist das Bild aber nur bei Schwarzlicht. Till Vogels Werk entstand in der Bundestagswahlnacht. Ein Werk, überlagert von Corona, mit einer Bühne für die Macht, mit einer noch offenen Kanzler(innen)frage. Mit einer durchsichtigen Gestalt, die für die kommende Regierung steht, vielleicht aber auch für die Unwägbarkeiten der Pandemie. Und Uwe Küssner aktualisiert eine Bleistiftzeichnung von 1974, damals bewegt ihn ein Film über die Befreiung der Konzentrationslager. Ein schlichtes Kreuz, ein Opfer. 2021 neu aufgelegt, damit das Thema wegen all der anderen Nachrichten nicht in Vergessenheit gerät. „Bei manchen Bildern können wir auch die Textebene zu Hilfe nehmen“, sagt Klaus Ripper. Als Textcollage in die Komposition eingebaut ist das bei Antje Fischer der Fall. Oder bei Zirkelbach und dem poetischen Titel „Ich zünde den Blutmond an“. Arbeiten, die noch bis 16. Januar zu sehen sind. Im Gegensatz zum Vorjahr wieder in Präsenz, optimiert durch Erfahrungen des „Schaufenster-Querschnitt 2020“. Die Kunst war unabhängig von Öffnungszeiten entlang der Bocksgasse zu sehen. Dem trägt die aktuelle Ausstellungsgestaltung – dahinter stehen Uwe Küssner, Brigitte Schilling, Till Vogel und Mathias Hütter – Rechnung. Mehr als früher ist der „Querschnitt“ von außen zu sehen. Die Kunstvereins-Präsenz reicht noch weiter: Nach wie vor ist die Ausstellung von künstlerisch gestalteten Fahnen in der Gmünder Innenstadt zu sehen. Und schon nächsten Freitag startet eine weitere Ausstellung in der Galerie des Kunstvereins im Kornhaus: „Alles oder nichts“ mit Werken von Georg Kleber und Michael Disqué.

  • Ausstellung dauertbis zum 16. Januar
  • Die Ausstellung „Querschnitt“ mit Werken von Mitgliedern des Kunstvereins ist bis 16. Januar in der Galerie im Prediger zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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