Wenn Russland das Gas abstellt, bleibt in Gmünd das Hallenbad kalt

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Die Preise für das Erdgas, das durch solche Zähler strömt, erreichen derzeit nie gekannte Höhen. Die Stadtwerke prüfen deshalb ihre Preise für Strom und Gas.
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Selbst wenn Russland den Gashahn abdreht im Winter, müssen die Privatkunden in Gmünd nicht frieren, versichern die Stadtwerke

Schwäbisch Gmünd. „Für die geschützten Gas-Kunden bin ich optimistisch: Die werden nicht frieren müssen im Winter“, sagt Steffen König, der Sprecher der Gmünder Stadtwerke. Das gilt aus seiner Sicht auch für den aus Versorgersicht schlimmsten Fall: dass Russland seine Erdgaslieferungen, die seit der vergangenen Woche gedrosselt sind, komplett einstellt. 

Zu den von Gesetzes wegen sogenannten geschützten Kunden zählen Privathaushalte, wichtige Institutionen wie etwa Kliniken, aber auch kleine Gewerbetreibende. Große Industriekunden sind die „ungeschützten Kunden“, bei den Stadtwerken sind das 65 Industrie- und Gewerbekunden mit 91 Verträgen. Auf die kann König seinen Optimismus nicht ausdehnen: „Nein, das kann ich fairerweise für die nicht so sagen, das ist ganz schwierig abzuschätzen.“ Im Durchschnitt verbrauchen die geschützten Kunden rund 60 Prozent, die anderen 40 Prozent des Gases im Gmünder Netz.

Im Moment, beim derzeitigen Sommerwetter, sei die Versorgung aller Kunden in Gmünd kein Problem, versichert König. „Bei 30 Grad wird nicht viel Gas verbraucht“, sagt König. Erst ab Oktober gehe in der Regel der Verbrauch nach oben, „es hängt sehr stark von den Temperaturen ab, das ist die entscheidende Größe“. Der Blick aufs Thermometer könnte im kommenden Winter wichtiger sein als sonst.

Die Versorgung in Gmünd ist stabil nach der jüngsten Reduzierung der russischen Gaslieferungen, die Preise sind es nicht. „Wir haben in der vergangenen Woche einen Anstieg von nochmals 30 Prozent beobachtet“, sagt Steffen König. Und das auf einem ohnehin schon „wahnsinnig hohen Niveau“ – mit Gaspreisen, die „um den Faktor fünf bis sechs höher“ seien als vor der Krise, so König.

Für die Sommermonate hoffen Steffen König und seine Kollegen, dass es gelingt, die großen Gasspeicher in Deutschland möglichst komplett aufzufüllen. „Das ist jetzt eine politische Aufgabe“, so König. Der Gesamtfüllstand ist von der Bundesnetzagentur am Donnerstag der vergangenen Woche auf knapp 56 Prozent beziffert worden.

Lieber Brot statt süße Stückle

Das Krisenteam der Stadtwerke, das seit Ende März zunächst täglich zusammengekommen war und derzeit zwei Mal in der Woche tagt, kann den Fall der Fälle nicht exakt planen: „Die Herausforderung ist, dass es dann eine hochdynamische Lage wird“, sagt König. Wenn der Verbrauch in Gmünd reduziert werden muss, weil die Bundesnetzagentur das so verfügt, dürften von den Stadtwerken und ihre Großkunden viele Abwägungen und Feinabstimmungen nötig sein. Es geht nicht immer um Ja oder Nein, um voll versorgen oder ganz abschalten. König: „Um ein Beispiel zu wählen: Dann bäckt der Bäcker eben vor allem Brot und lässt die Produktion der süßen Stückle ausfallen.“

Ganz abschalten - das dürfte dann aber etwa dem Gmünder Hallenbad drohen: “Wenn kein Gas mehr da ist, dann braucht man kein Bad mehr betreiben - das steht sehr weit vorne auf der Abschaltliste“, sagt Steffen König. 

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