Wenn Schulkinder Eltern pflegen

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Das gibt es in Deutschland 480 000 Mal. Eine Veranstaltungsreihe am Donnerstag soll über die Situation der „Young Carers“ aufklären. 

Mit den „Young Carers“ beschäftigt sich eine Veranstaltungsreihe am Donnerstag im Stadtgarten. Im Bild (von links) Hans-Peter Reuter, Leiter des Amts für Familie und Soziales,  David Schenk (Jugendarbeit), Heidi Macho, Sonja Hoffmann und Renate Wahl.


Schwäbisch Gmünd. Ist Pflege kinderleicht? „Natürlich nicht“, sagt Sonja Hoffmann, bei  der Stadtverwaltung für die Seniorenarbeit engagiert. Eine Veranstaltungsreihe befasst sich an diesem Donnerstag ab 16 Uhr mit dem heiklen Thema. In Deutschland soll es, sagt Sonja Hoffmann, 480 000 Kinder geben, die Menschen in der Familie pflegen, die „Young Carers“. 

Eine Umfrage am Parler-Gymnasium, Hans-Baldung-Gymnasium, der Schiller-Realschule, Friedensschule und Mozartschule hat ergeben, dass mindestens ein oder zwei Kinder in einer Klasse Menschen pflegen.  „Und es geht da nicht nur ums Einkaufen“, sagt  Heidi Macho vom Amt für Familie und Soziales. Die jungen Leute, 10 bis 18 Jahre alt, putzen, kochen, waschen und helfen auch im Bad und auf der Toilette. Wenn sich die Verantwortlichkeit umdrehe, wenn Kinder für ihre Eltern da sein müssten, bleibe das nicht ohne Folgen. „Statt auf Klassenarbeiten zu lernen, Hausaufgaben zu machen oder einfach mal Freizeit zu haben, sind diese Kinder immer im Einsatz.“ 

„Young Carers“ mit dieser Aufgabe nicht allein zu lassen, das sei jetzt eine gesellschaftliche Notwendigkeit.  Oft würden sie in der Schule gerügt, weil sie müde sind, weil sie keine Hausaufgaben erledigt haben, weiß Sonja Hoffmann. Da helfe es, wenn ein Lehrer mal die Arbeit zuhause anerkenne. Deshalb richten sich die Veranstaltungen am Donnerstag vor allem an Menschen, die mit Kindern arbeiten, Lehrer, Erzieher und natürlich junge Leute, die selbst betroffen sind. 

In einem Impulsvortrag beschäftigt sich Dr. Thomas Gentner mit dem Theme „Pflegende Kinder und Jugendliche an der Schule“, Lana Rebhan war selbst „Young Carer“ und berichtet über ihre Erfahrungen: „Young Carers – zwischen Krise und Chance“ nennt sie ihren Beitrag. Und der Arzt Dr. Gottfried Barth spricht zum Thema „Gefahr für die seelische Entwicklung“. Außerdem laden die Veranstalter dazu ein, an Infotischen ins Gespräch zu kommen. Dort sind etwa die Schulsozialarbeit oder die Telefonseelsorge vertreten. 

Das Projekt „support# young carers“ startete im Coronajahr 2021 und soll Ende 2022 auslaufen. „Aber wir hoffen, dass das weiter ein Thema bleibt“, sagt Sonja Hoffmann. Immerhin gibt es für die Initiative Lob aus dem Sozialministerium in Stuttgart, das insgesamt 128 000 Euro für das Projekt zur Verfügung stellt, wie Renate Wahl, Leiterin des Generationentreffs Spitalmühle, sagt. Sie wünscht sie, dass das Thema aus dem Schatten geholt wird und erinnert sich an die eigene Kindheit in einem Drei-Generationen-Haus. Da sei es selbstverständlich gewesen, den Opa zu pflegen. Kuno Staudenmaier

Rubriklistenbild: © kust

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