Wenn sich Kinder im Hier und Jetzt manifestieren

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Jochen Malmsheimer
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Jochen Malmsheimer beackert wie ein Berserker das Feld der Reproduktion und hat die Lacher dabei auf seiner Seite.

Schwäbisch Gmünd

Unter Frauen im gebärfähigen Alter, die bereits Kinder zur Welt gebracht haben, gibt es kaum ein Thema, das unerschöpflicher ist als die Geburt. Männer halten sich bei solchen Gesprächen eher zurück, direkt involviert sind sie ja auch nicht. Ein Jochen Malmsheimer, Vater zweier Söhne, tickt da anders. Der Kabarettist schlachtet die Menschwerdung mit allem Drum und Dran – Zeugung und Geburtsvorbereitung – und mit all seinen Folgen – von der Krabbelgruppe bis zum Elternabend – regelrecht aus.

Am Donnerstagabend gastierte der Bochumer mit seinem Programm „Halt mal, Schatz“ auf der Remsparkbühne und unterhielt sein Publikum mit einem ebenso wortgewaltigen wie wortakrobatischen Auftritt gut eineinviertel Stunden. Dass er immer wieder längere Abschnitte aus dem gleichnamigen, 2002 erschienenen Buch las, das 2020 in einer überarbeiteten Neuauflage erschien, sorgte anfangs für etwas verhaltene Reaktionen beim Publikum, das der Kabarettist mit seinem Ruhrpott-Temperament und seinem losen Mundwerk aber schnell wieder aus der Reserve lockte, sodass sich alsbald eine heitere und ausgelassene Stimmung durch den schönen Spätsommerabend zog.

Der Abend beginnt mit einigen Exkursen, in denen er etwa von einem Kollegen erzählt, der im Autokino aufgetreten ist – „solchen Unfug fängst du gar nicht erst an“. Über den Applaus gleich am Anfang freue er sich wirklich, bedankt er sich mit Nachdruck beim Publikum, was dieses ihm nach der coronabedingten Durststrecke auch sofort abnimmt.

Dann geht es los mit der „Manifestation des Kindes im Hier und Jetzt“, der Geburt. Die terminologischen Exzesse, die sich wie ein philosophischer Überbau über die Dinge legen, in diesem Fall die Geburt, durchziehen den ganzen Abend. Doch der Kabarettist kann auch anders, was er sogleich mit einem Dialog beweist, der sich zwischen ihm und seiner Frau entspinnt: Als sie ihm eröffnet, sie sei schwanger, fragt er: „Was ist in dich gefahren?“ – „Ja du natürlich.“

Zauber des Neuanfangs?

Von Zauber des Neuanfangs bleibt bei Malmsheimer wenig übrig, das verrät auch schon der Titel. Ist das Kind geboren, bringt die männliche Hälfte gerade noch ein „toll“ heraus, und schon wird die Verantwortung abgeschoben: „Halt mal, Schatz.“ Doch zuvor läuft eine Hausgeburt über die Bühne, die nicht hält, was sie verspricht, denn ein Kind kommt heraus und kein Wohnraum; in dem wird’s ganz im Gegenteil nun enger. Ein gefundenes Fressen ist der Geburtsvorbereitungskurs, bei denen sich die schwangeren Frauen mit „noch vier Wochen!“ begrüßen. Der Mann dackelt auf labbrigen Wollsocken hinterher, weil ja die Schuhe vor der Tür bleiben müssen. „Nie zeigte sich ein Mann würdeloser“, echauffiert sich der Kabarettist.

Nicht viel besser kommt das männliche Geschlecht nach dem Geschlechtsakt weg: Postkpoital falle das Glied wie ein Soufflé zusammen, das man anhauche, anders ausgedrückt „eine Eierspeisenimplosion“.

Wie ergiebig das ganze Feld rund ums Kinderbekommen ist, demonstriert Malmsheimer, als es mit den Elternabenden weitergeht. Wenn sie auch noch waldorflich angehaucht sind und die Erzieherin mit einem Körbchen Märchenwolle daherkommt, gibt es für ihn kein Halten mehr und er lästert ab, was das Zeugs hält. Da gibt’s beim Campingurlaub auf jeden Fall mehr zu lachen, zumindest dann, wenn irgendwann der Kampf mit dem Planen-und dem Stangensack gewonnen ist.

„Nie zeigte sich ein Mann würdeloser.“

Jochen Malmsheimer über Männer im Geburtsvorbereitungskurs

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