Wenn Silber zum Kunstwerk wird

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Barbara Amstutz (l.) erläutert Ausstellungsgästen ihre Arbeiten.
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Die Stadtgoldschmiedin Barbara Amstutz aus Basel zeigt ihre Arbeiten im Labor im Prediger in Schwäbisch Gmünd. Im August wird es einen Workshop geben.

Schwäbisch Gmünd

Am „nucleus vestibularis“ kommt man in dieser Ausstellung nicht vorbei. Eine Silberskulptur der diesjährigen Stadtgoldschmiedin Barbara Amstutz, die jetzt in einer Ausstellung in der Galerie im Chor im Prediger Einblick in ihr Schaffen gibt. Bei der Eröffnung kommt die Künstlerin auch mit den vielen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch.

Hinter dem lateinischen Begriff „nucleus vestibularis“ steckt ein Werk, das zum Nachdenken anregt, das vielleicht Lebensphilosophien bereit hält. Frei übersetzt ist vom Kern des Gleichgewichtssinns die Rede. Die nach oben geöffnete Skulptur, die nicht auf festen Flächen steht, sondern auf Rundungen, gibt weitere Rätsel auf. Die Stadtgoldschmiedin hat dem Objekt an gegenüberliegenden Enden asphärische Linsen eingesetzt. Je nach Blickwinkel sieht verkleinert oder vergrößert sich die Welt dahinter. 

Zweigeteilte Arbeiten

Spannende Objekte sieht auch Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron bei Barbara Amstutz. In seiner Rede zur Eröffnung – wegen des Gewitterregens nicht auf dem Johannisplatz, sondern im Prediger Innenhof – spielt er dabei auf Arbeiten an, die zweigeteilt  sind, die für sich alleine stehen können, „aber  doch irgendwie zusammengehören“. Barbara Amstutz fertigte ein Silberobjekt, teilte es während der Entstehungsphase und fertigte zwei selbstständige Hälften. Die eine zur Vase, die andere zur Karaffe. In der Ausstellung nebeneinander präsentiert, ist die ursprüngliche Zusammengehörigkeit noch sichtbar. Die Gold- und Silberschmiedin geht nach Plan vor, bringt das Vorhaben zunächst aufs Papier. Aber irgendwann im Verlauf der Arbeit  am Objekt lässt sie dem Vorhaben freien Lauf. 

„Texturen“ ist die Ausstellung überschrieben, der Begriff lenke die Aufmerksamkeit auch auf die Oberflächen, so  Christian Baron. Die hätten bei Barbara Amstutz ihren eigenen Charakter, mal vom fein geführten Hammerschlag geprägt, mal vom glatten und polierten Material dominiert, manchmal durch Ätzungen auch entfremdet. „Eine hohe Kunst“, sagt der Erste Bürgermeister und schätzt es, dass Barbara Amstutz die nach Schwäbisch Gmünd trägt. Die Stadt, in der das Gold- und Silberschmiedehandwerk eine Jahrhunderte alte Tradition habe. Und in der es Initiativen gibt, die diese Tradition bewahren und die Fertigkeiten an die nächste Generation weitergeben. Dahinter stehe die Stiftung Gold- und Silberschmiedekunst, dahinter stehe vor allem Conrad Stütz, der sich seit mehr als 30 Jahren ums Thema Stadtgoldschmied kümmere und der zu den Mitbegründern des Hammerclubs zähle. Es ist eine Verbindung von Silberschmieden aus ganz Europa, jährlich findet an einem anderen Ort das Hammertreffen statt. 2014 war es in Schwäbisch Gmünd, damals konnte sich Barbara Amstutz einen ersten Eindruck von der Stadt machen. Christian Baron schätzt auch das Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät im Arenhaus am Marktplatz, in dem der Nachwuchs ausgebildet werde, dessen Chefin Sabine Fath die Ausstellungseröffnung verfolgte. 

Ein Workshop im August

Im Arenhaus findet ab 29. August auch der Workshop der Stadtgoldschmiedin statt, bei dem sie Teilnehmerinnen und Teilnehmer an ihren langjährigen Erfahrungen teilhaben lässt. Damit komme viel Fachwissen in die Stadt, sagt der Erste Bürgermeister und sieht darin eine gute Voraussetzung, dass dieses Handwerk Schwäbisch Gmünd erhalten bleibt.   Das musikalische Ausrufezeichen des Abends setzten  die „Esslinger Alphörner“.

Die Ausstellung „Barbara Amstutz – Texturen“ ist bis 26. Juni  Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, an Wochenenden von 11 bis 17 Uhr zu sehen. 

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