Weshalb das Gedenken die Farbe wechselte

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Gerda Fetzer zeigt eine Versehgarnitur mit handgesticktem Tuch. Das hölzerne Kruzifix hing an der Wand, das kleinere legte man dem Verstorbenen in die Hand. Der Rosenkranz ist ein sogenannter Reiskornrosenkranz.

Im Schulmuseum erzählen zahlreiche Ausstellungsstücke über Allerheiligen und Allerseelen als Tage der Erinnerung an Verstorbene.

Schwäbisch Gmünd

Die ersten beiden Tage im Monat November sind den Toten gewidmet. Der erste Monatstag allen Heiligen der katholischen Kirche, der zweite zum Gedenken der katholischen und evangelischen Toten. Das katholische Hochfest Allerheiligen ist in Baden-Württemberg ein gesetzlicher Feiertag. Es wurde bereits Ende des achten Jahrhunderts auf den 1. November festgelegt als Fest für alle Heiligen und löste damit die Feste für die einzelnen Heiligen ab, es waren zu viele geworden.

Im Gmünder Schulmuseum lagert eine große Anzahl Gebet- und Predigtbücher aus den vergangenen 100 Jahren. Sie bieten zu jedem Festtag und Heiligen ausführliche Gebete und Liturgien. Da heißt es in einem kostbaren kleinen Lederband mit Goldschnitt: "O ihr Heiligen Gottes, die ihr jetzt mit Jesus im Himmel herrschet!", gefolgt von der Bitte um Hilfe, aus dem "Thal der Thränen" glücklich in den Hafen des ewigen Friedens einlaufen zu können.

In katholischen Haushalten waren solche Gebets- und Predigtbücher beliebt. Das älteste im Schulmuseum ist von 1850. Die "Kleine illustrierte Heiligen-Legende auf jeden Tag des Jahres, ein Paradiesgärtlein mit Blumen jeder Art" von 1887 erläutert Wesen und Wirken der Heiligen. Für den ersten November steht in der "Anwendung": "Die Heiligen freuen sich unser nicht, wenn wir sie blos mit Worten verehren, sondern nur, wenn wir ihren Tugendbeispielen folgen."

Der zweite November ist dem der heiligen Malachias, Erzbischof von Armagh in Irland, gewidmet. Es wird berichtet, dass er nicht so viel Zeit in der Kirche verbrachte, wie er sich wünschte. Dafür gelang ihm, an einsamen Orten Gebete zu sprechen, bei Gängen mit Studienkollegen etwas abseits zu bleiben, "um fromme Anmuthungen zu üben". Diese Bücher dienten nicht nur zum Beten, sie gaben gleichzeitig Anweisungen für ein gottgefälliges Leben.

Dem Heiligen Malachias ist Allerseelen gewidmet, weil er seiner verstorbenen Schwester zunächst nicht die irdische Hilfe leistete, an 30 Tagen das Messopfer für ihren Weg vom Fegefeuer in den Himmel darzubringen. Er holte dies aber nach, und sein sehnlichster Wunsch, im Kloster Clairvaux an Allerseelen zu sterben, ging in Erfüllung.

Nach dem Krieg ist das aus der Mode gekommen.

Gerda Fetzer vom Gmünder Schulmuseum

Gerda Fetzer ist die Hüterin der Schätze des Schulmuseums, weist auf einen Stapel Metallkoffer. Ein wahrer Schatz an Tüchern, Kreuzen, Leuchtern, Bechern und gleichzeitig ein Stück Zeitgeschichte. "Am Geschirr kann man erkennen, aus welcher Zeit es stammt", sagt Fetzer. Die schmückenden Decken wurden im 19. Jahrhundert nur weiß bestickt. Erst ab 1905 gab es kochfeste rote Fäden. Nach dem Ersten Weltkrieg war Gold der Favorit. In den 30-er Jahren kam Blau dazu. Im Zweiten Weltkrieg wurde es bunt – doch "nach dem Krieg ist das aus der Mode gekommen", erklärt Fetzer.

Eine Versehgarnitur besteht aus großem Kruzifix, zwei Kerzenleuchtern, einem Tablett, Salz- und Ölgefäß, Weihwasserpinsel, Kniebänkchen, Totenkreuzen, die dem Verblichenen in die Hand oder auf die Brust gelegt wurden. Das Tuch für den großen Tisch wurde mit einem Spruch wie "Mein Jesus, Barmherzigkeit" und Weinlaubmotiven als Zeichen des Lebens, mit Kelch und Kreuz aufwendig bestickt. Außen herum mit kunstvoller Spitze geziert. Für die Stickereien wurden Vorlagen durch Zink- und Kupferschablonen abgepudert. Viele Exemplare mit Mustern lagern in Schubladen des Gmünder Schulmuseums.

An Allerseelen, dem zweiten Novembertag, wird der Verstorbenen in katholischen und evangelischen Familien gedacht. "Da baut man auf, was die Verstorbenen geschenkt haben und denkt liebevoll an sie", weiß Gerda Fetzer vom Schulmuseum.

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