Wie geht solidarisch in der Pandemie?

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Was bedeutet Solidarität? Auf Schildern gab's eine Auswahl.
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Etwa 80 Menschen folgen laut Polizei am Samstag dem Aufruf verschiedener Organisationen, den Begriff der Solidarität zu definieren und sich von den sogenannten Querdenkern abzugrenzen.

Schwäbisch Gmünd

Solidarität. Das war das Leitmotiv einer Demonstration am Samstagnachmittag in der Ledergasse. Aufgerufen hatten nach Angaben von Mit-Organisatorin Kerstin Petzold über 20 Organisationen, vom „Bündnis Aufstehen gegen Rassismus“, über den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) bis hin zum Arbeitskreis Asyl.

Wie Kerstin Petzold sagte, sei der Anlass für diese Veranstaltung, dass die sogenannten Quer-Denker für diesen Tag eine Demonstration in Gmünd angemeldet hatten. Diese sei aber von der Stadt verboten worden, weil sich deren Teilnehmer in der Vergangenheit „bewusst rücksichtlos verhalten“ und Auflagen wie Abstände oder Maskenpflicht verletzt hätten, so Kerstin Petzold. Das Motto der Querdenker-Demo wäre gewesen: „Für Solidarität statt Diskriminierung - alle Menschen sind gleich, aber Geimpfte sind gleicher?“. Gegen diese Verwendung des Begriffs Solidarität wollten die Demonstrierenden ein Zeichen setzen. „Da haben wir ein anderes Verständnis von Solidarität“, betonte Kerstin Petzold. Nämlich? Rund um den Platz der Demo entlang der Ledergasse waren Schilder aufgestellt, darauf hatten Menschen im Vorfeld aufgeschrieben, was ihnen der Begriff bedeutet. Etwa, der Kampf um gute Arbeitsplätze. Die Umverteilung von unten nach oben zu stoppen. Oder gegen Benachteiligung einzustehen. Eine ganze Reihe Redner brachte in der gut einstündigen Veranstaltung ihr Verständnis von Solidarität zum Ausdruck. Ein Auszug:

Ali Nagelbach („Bündnis Aufstehen gegen Rassismus“): Die Querdenker, so Nagelbach, handelten alles andere als solidarisch. Vielmehr seien sie mit ihrer Agitation, die zur Spaltung der Gesellschaft und zu Unsicherheit beitrage, ein „Steigbügelhalter für rechte Kräfte“.

Außerdem lenkten sie von den wirklich wichtigen Themen ab, etwa der „Entlassungswelle“ von Minijobbern im Gastrogewerbe, dem Einzelhandel oder der Tourismusbranche im Zuge der Corona-Pandemie. Auch Frauen seien verstärkt betroffen, weil 65 Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor weiblich seien. Außerdem seien es vor allem Frauen gewesen, die in der Pandemie ihre Arbeitszeiten reduzierten, um wegfallende Stunden von Kindergarten oder Schulen zu Hause auszugleichen.

Joschi Moser (Gmünder Aidshilfe) berichte von seiner eigenen Coronaerkrankung. Er sei auf der Intensivstation künstlich beamtet worden. „Das war die schlimmste Erfahrung meines Lebens“, so Moser. Im Krankenhaus habe er sich mit einer Krankenschwester ausgetauscht. Diese habe gemeint, die Pflegekräfte zu beklatschen sei ja „ganz nett“. Viel wichtiger seien aber bessere Arbeitsbedingungen und eine adäquate Bezahlung. „Das ist überfällig“, bekräftigte Moser. Gesundheit dürfe nicht betriebswirtschaftlich beurteilt werden. Mit Blick auf die Querdenker, die von Freiheit, Demokratie und Grundrechten redeten, meinte er: „Genau die machen diese Werte verächtlich!“.

Peter Yay-Müller (IG Metall) sagte, wer am Arbeitsplatz Schutzmaßnahmen wie Tests oder Masken verteufle, handle egoistisch, das habe nichts mit Solidarität zu tun. Wenn sich solche Menschen auf die Meinungsfreiheit beriefen, sei das „beängstigend“. Ein Verbot von Querdenker-Demos sei keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern eine Grenze, die die Gesellschaft ziehe, nach dem Motto: „Auf solche Egoshooter haben wir keinen Bock“, so Yay-Müller. Mit Blick auf die Zukunft meinte Yay-Müller, dass die Corona-Krise die Schieflagen der Arbeitswelt wie unter einem Brennglas verdeutlicht habe. Er forderte einen „Neustart in eine veränderte Gesellschaft“ und „Solidarität mit Respekt“.

Die Polizei war rund um die Ledergasse präsent, ein Anti-Konflikt-Team patrouillierte. Bis auf einen Ruf „Hitlerjugend!“ in Richtung der Kundgebung blieb es ruhig. „Alles im grünen Bereich“, meinte Gerd Hägele, Leiter des Gmünder Ordnungsamts. Die Polizei zählte zur Hauptzeit etwa 80 Demonstranten.

Auch Joshi Moser von der Aidshilfe sprach.

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