Wie hat Kaiser Barbarossa wirklich ausgesehen?

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Der Cappenberger Barbarossakopf.

Professor Dr. Knut Görich referiert in Gmünd über den berühmten Cappenberger Barbarossakopf.

Schwäbisch Gmünd.Der Geschichtsverein Schwäbisch Gmünd hat sich nach der coronabedingten Zwangspause mit einem ersten Vortrag zurückgemeldet: Professor Dr. Knut Görich von der Universität München referierte über den berühmten Cappenberger Barbarossakopf, der der großen Stauferausstellung im Jahr 1977 als populäres Aushängeschild bis hin zur Sonderbriefmarke diente und das Barbarossabild von Generationen prägte. Doch gibt die jedem Stauferfreund geläufige Kopfplastik tatsächlich das Porträt des Stauferkaisers wieder?

Professor Görich, seit seiner großen Barbarossa-Biographie 2011 einer der führenden Stauferforscher in Deutschland und Vorsitzender der Gesellschaft für staufische Geschichte in Göppingen, konnte den Zuhörern mit seinen akribisch und kriminalistischem Scharfsinn vorgetragenen Ausführungen die Fragen nach dem neuesten Forschungsstand beantworten. Sein Fazit: „Nein, der Cappenberger Kopf ist kein Porträt Barbarossas.“

Zuerst wurde die These von der Porträtähnlichkeit und dem Geschenk des Kopfes von Barbarossa an seinen Taufpaten Otto von Cappenberg als ein Konstrukt und Wunschbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit seiner damaligen Stauferseligkeit entschlüsselt.

Obwohl schon früh Zweifel an der These aufgetaucht seien, so Professor Görich, habe sich die liebgewordene Vorstellung vom Bildnis Barbarossas doch zäh bis in unsere Tage gehalten. Eine bereits 1977 erfolgte Materialanalyse, die aus wissenschaftlich unerfindlichen Gründen zurückgehalten und erst 2019 bekanntgeworden sei, habe nun das gewohnte Vorstellungsgebäude zum Einsturz gebracht.

Wenn es denn aber nicht Barbarossa ist, wer oder was ist es dann? Professor Görich konnte seinen Zuhörern plausibel darlegen, dass es sich bei dem Kopf von Anfang an um ein Reliquiar für den Hl. Johannes gehandelt habe, dessen Haare bis zum heutigen Tag in dem Reliquiar aufbewahrt werden und das von Otto dem von ihm und seinem Bruder gegründeten Kloster gestiftet wurde, um zukünftig für sein Seelenheil zu sorgen. Wenn Barbarossa seinem Paten tatsächlich ein silbernes Porträt geschenkt hat, wie es in des Grafen Testament steht, so ist es leider verloren. Der erhaltene Kopf könne es jedenfalls nicht sein.

Kein authentisches Abbild

So müsse also von der gewohnten Vorstellung von Kaiser Friedrich Barbarossa Abschied genommen werden, erklärte der Vorsitzender der Gesellschaft für staufische Geschichte in Göppingen. „Wir besitzen auch weiterhin kein authentisches Abbild von ihm.“ Was bleibt, ist ein trotzdem großartiges, mittelalterliches Kunstwerk, das in seiner künstlerischen Qualität und magischen Ausstrahlung nach wie vor seinesgleichen sucht.

Dem Vortrag, gleichwohl unter Corona-Bedingungen etwas eingeschränkt durchgeführt, wäre nach Meinung des Gmünder Geschichtsvereins ein größeres Publikum in der stauferbegeisterten Stadt Schwäbisch Gmünd zu wünschen gewesen.

Nein, der Cappenberger Kopf ist kein Porträt Barbarossas.“

Professor Dr. Knut Görich,, Vorsitzender der Gesellschaft für staufische Geschichte

Der Cappenberger Barbarossakopf. Foto: privat

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