Wieder schließt eine Traditionsgaststätte in Gmünd

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Viele Jahrzehnten lang ein Ort für gutes Essen: Nun schließt die Wirtschaft "Drei König" am Kalten Markt für immer.
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Bodenständiges Essen, bezahlbare Preise, beliebt bei vielen Gmündern: Die Wirtschaft „Drei König“ am Kalten Markt hat für immer zu.

Schwäbisch Gmünd

Gefüllte Kalbsbrust mit breiten Nudeln und Kartoffelsalat zum Beispiel: Helmut Argauer kennt die Speisekarte im Gasthaus „Drei König“ ziemlich genau. Schließlich war der ehemalige Gmünder Polizeichef dort 20 Jahre lang regelmäßig mittags zu Gast. Seit einigen Tagen können er und die anderen Stammgäste nur noch von der Erinnerung zehren: Am 31. Dezember 2021 war Schluss mit der Gmünder Traditionswirtschaft, seitdem hat die Wirtin Renate Glaser ihren Betrieb endgültig geschlossen. „Danke unseren treuen Gästen für die vielen Stunden, die wir gemeinsam verbracht haben“, steht auf nun auf einem von Hand beschriebenen Schild am Eingang.

Der „Drei König“ kann auf eine mehr als 150 Jahre zurückreichende Geschichte als Gasthaus zurückblicken. Im 18. Jahrhundert war das Haus im Besitz von mehreren Hafnern gewesen Als Anton Ritz aus Rottenburg das Haus um 1856 kaufte, begann die Ära der Wirtschaft „Drei König“, wie man in dem Buch „Alte Gmünder Gasthausherrlichkeit“ von Theo Zanek nachlesen kann. 1907 kam die Wirtschaft in den Besitz der Familie, die sie seitdem über viele Jahrzehnte geführt hat. Damals kaufte der Metzgermeister Heinrich Schuldt das Anwesen. „Harte Arbeit, reelle Ware, ein herzlicher Umgangston und die günstige Lage“, das waren die Erfolgsfaktoren laut Zaneks Standardwerk zur Gmünder Gastronomie-Geschichte. In den „Drei König“ kamen Arbeiter aus der benachbarten Silberwarenfabrik, auch Viehhändler, die beim Viehmarkt auf dem Kalten Markt rein gutes Geschäft gemacht hatten, kehrten immer wieder ein.

Nach dem Tod von Heinrich Schuldt führte dessen Witwe die Tradition weiter, ab 1956 übernahm Friedrich Schuldt die Gaststätte, dessen Name heute noch als „F. Schuldt“ an der Fassade des Gebäudes am Kalten Markt 42 steht. Dessen Nachfolgerinnen waren nach Schuldts Tod 1978 erst die Witwe, dann die Tochter. Die Tradition hatte Renate Glaser bis vor Kurzem aufrecht erhalten.

Spinat, Kartoffeln, Spiegelei

Weil von Tradition allein keiner satt wird, hatte der Drei König in den letzten Jahrzehnten seinen guten Ruf stetig gepflegt. Die Gaststätte war bekannt und beliebt vor allem wegen ihres Tagesessens, das sich auch viele Senioren gönnten. Eine feste Speisekarte gab es nicht: Jeden Tag gab's eine Auswahl von fünf oder sechs Gerichten. „Das war gut gekocht und preiswert“, erinnert sich Helmut Argauer. Und geschmeckt habe es weniger nach Restaurant, „sondern eher so, wie meine Mutter daheim gekocht hat“. Auch einfache und bodenständige Gerichte, die es in Gaststätten sonst selten gibt, wurden angeboten, Spinat mit Salzkartoffeln und Spiegelei etwa. Das galt auch für den Nachtisch: „Ofenschlupfer mit Apfelmus – wo gibt’s das denn noch?“, sagt Argauer.

Die Plätze im „Drei König“ waren mittags immer recht gut besetzt, erinnert sich Argauer. Und wer die volle Auswahl der Essen haben wollte, war gut beraten, früh zu kommen. „Viele sind schon um halb zwölf gekommen, denn ab viertel eins wurde nach und nach ein Essen von der Karte gestrichen, wenn es aus war.“

Mit der Schließung der Traditionswirtschaft am Kalten Markt gibt es erneut eine gut-schwäbisches Lokal vom alten Schlag weniger in Gmünd, nachdem auch der „Hasen“ und der „Schwanen“ in den letzten Jahren geschlossen hatte. Zu schweigen vom „Lamm“ an der Ecke Rinderbacher Gasse/Kalter Markt, dem „Kübele“, das vor gut zehn Jahren abgerissen wurde, dem „Weißen Ochsen“ und dem „Kreuz“ in der Sebaldstraße, wo der „Kreuz Karle“ bis 2003 seine über den Teller hinausragenden Schnitzel serviert hatte.

Der heimatlose Stammtisch

Helmut Argauer war freitags auch Teil einer Runde von Juristen, die sich dort zum Essen und zum „Juristenskat“ trafen. Ein neues Lokal haben Argauer und seine Tischgenossen noch keines gefunden. „Wir sind heimatlos“, sagt er. Hoffnungen, dass es im „Drei König“ mit einem neuen Wirt weitergeht, hat er keine. Die bisherige Wirtin werde die Gaststätte wohl nicht verpachten, sagt Argauer. In einem ist er sich sicher: „Der Drei König wird vielen Leuten fehlen.“

Harte Arbeit, reelle Ware, ein herzlicher Umgangston und die günstige Lage.“

Theo Zanek, Buchautor, in „Gmünder Gasthausherrlichkeit“

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