GT-Serie: Gmender Fasnet (5)

Wilder Gegenspieler aus dem Hölltal

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Fasnet Teil 4

Wieso, weshalb, warum? Der Rudo erklärt, wie er selbst zu seinem Namen kam, welche Rolle er einnimmt und was der Vogt des Grafen von Rechberg mit all dem zu tun hat.

Schwäbisch Gmünd

Die Fasnet 2022 fällt - wie schon 2021 - ins Wasser. Nachdem die Corona-Pandemie dem närrischen Treiben einen Strich durch die Rechnung macht, soll sie trotzdem in der Gmünder Tagespost auftauchen. In erlaubter Weise versteht sich. Denn der Rudo hat sich dazu bereit erklärt, Woche für Woche verschiedene Bereiche der Gmender Fasnet zu beleuchten. In der vergangenen Woche erzählte der Rudo, dass eine Delegation des AGV 1955 den Vater des Silbermännle, Wilhelm Bauknecht, an seinem Altersruhesitz besucht hat. Woher er das wusste: „Nun, ich war dabei“, sagt der Rudo und hat noch viel mehr zu erzählen: Er hat uns viele seiner Bilder gezeigt und uns viel über das Silbermännle erzählt.

Und er hat uns noch etwas anderes erzählt, nämlich, dass schon in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts an der Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe (heute Hochschule für Gestaltung) von den Fasnetbegeisterten darüber nachgedacht wurde, dem „braven“ Silbermännle einen wilden Gegenspieler zur Seite zu stellen. Die Rede war damals vom sogenannten „Spatzentannjäger“. Das ist eine Sagengestalt, die im Spatzentann, dem Wald zwischen Mutlangen und dem Leintal, ruhelos ihr Unwesen treibt.

Ein leidenschaftlicher Jäger

Die Idee von einem Gegenspieler hat mich nicht mehr losgelassen, hat immer mehr Gestalt angenommen. Das war die Chance, mehr schwäbisch-alemannische Fasnet nach Schwäbisch Gmünd zu bringen. Zugute kam mir, dass meine Tochter Melanie zur damaligen Zeit ihre Ausbildung als Maskenbildnerin absolviert hat und eine sogenannte Tanzmaske, eine Maske mit der man sich frei bewegen kann, für ihre Zwischenprüfung anfertigen musste. Sie kannte die Sage, und hat die Urlarve gestaltet. Mit der bin ich zum Altmeister der Gmender Fasnet, Albert Scherrenbacher, gegangen. Der fand die Idee einer schwäbisch-alemannischen Maskengruppe prima, wollte aber vom Spatzentannjäger nichts wissen: „Der gehört nach Mutlangen und Durlangen.“ Ob es nicht etwas gäbe, was sich in oder um Schwäbisch Gmünd herum abspielt, fragte er.

Auch das hat mich wiederum beschäftigt, bis ich durch Zufall im Sagenbuch von Oberlehrer Ignatz Storr auf zwei Sagen stieß: Die, wie das Hölltal zu seinem Namen kam, und die von Rudo, dem Hölltalschütz. Beide sind nachzulesen auf der Internetseite der Narrenzunft unter www.rudo.gd.

Die Kurzfassung: Rudo, der Vogt des Grafen von Rechberg, war leidenschaftlicher Jäger und nahm es mit den Konventionen nicht so genau. Am Sonntag war es verboten, zu jagen, er tat es trotzdem, weil er hoffte, einen weißen Hirsch zu erlegen, dem er schon lange auf der Spur war. Tatsächlich traf er auf diesen an der Furt im Hölltal. Allerdings wurde er durch ein Kräuterweiblein am Schuss gehindert. Denn deren Auftauchen vertrieb den Hirsch. Der Zorn ergriff den Rudo, er schlug auf die Frau ein. Und diese verfluchte ihn. Wochen später passierte, dass sein Pferd an eben jener Furt scheute und ihn abwarf, wodurch er das Genick brach und verschied. Folgt man der Sage, so spukt sein Geist heute noch im Hölltal.

Neue Figur wird präsentiert

Das war die Geburtsstunde der Fasnetfigur. Das Häs (Gewand) für den Rudo wurde einem mittelalterlichen Jäger nachempfunden: Lederhose, leinenes Mittelalterhemd und Fellwams. Gleichgesinnte fanden sich, und so kam es auf der Prunksitzung und dem Gmünder Umzug 2009 zur Präsentation der Figur und am 09.09.09 zur Gründung der 1. Gmünder Narrenzunft Hölltalschütz.

Von der Larve gibt es verschiedene Grundformen und auch die farbliche Gestaltung und die Haarpracht unterscheiden sich. Immer ist sie aber ein wenig gruselig und geheimnisvoll. Darstellung einer geheimnisvollen Sagengestalt eben. Und so tummelt sich dieser Hölltalschütz seither auf den Umzügen der Umgebung. Da der Rudo ein Jäger ist, führt er bei den Umzügen eine Wildsau mit, die er gerade erlegt zu haben scheint. Seine Larve (Maske) trägt ein Fuchsfell und über dem Wams hängt ein Schellengurt. Mit Schweinsblasen an Farrenschwänzen wird gelärmt und geneckt.

⋌Fortsetzung folgt.

  • Fasnet-Serie in der Gmünder Tagespost
  • 8. Januar: Fasching - Fasnet - Karneval: Begriffsklärung und Ursprünge
Fasnet Teil 4

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