„Wir können es noch schaffen“

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In der Salvatorklause auf ein halbes Gläschen Bier (v.l.): Ricarda Lang, Winfried Kienhöfer, MdL Martina Häusler, Cem Özdemir, Alt-Stadtrat Elmar Hägele, Bürgermeister Christian Baron.
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Grünen-Spitzenpolitiker Cem Özdemir und Bundestagskandidatin Ricarda Lang sind zu Besuch in Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd

Es sind zwei Generationen Grüne, die hier zusammen auftreten: Cem Özdemir, 55, seit 40 Jahren Mitglied der Grünen, vor 27 Jahren zum ersten Mal in den Bundestag gewählt. Und Ricarda Lang, 27 Jahre alt, die bei einer der ersten Fridays-for-Future-Demonstration im Dezember 2018 dabei war – und jetzt in den Bundestag will. „Klimaschutz ist kein Trend, es ist die Existenzfrage unserer Zeit“, sagt Lang. Und sie sagt, was sie oft gehört habe - und nicht mehr hören mag: „Jetzt bist du jung und radikal, aber du wirst schon noch vernünftig.“ Doch für solche Art Vernunft stehe die große Koalition von CDU und SPD, es sei eine Vernunft des Weiter so. „Wir stehen vor der Entscheidung: Ignorieren wir die Veränderung - oder gestalten wir sie?“ Dafür werben Ricarda Lang und Cem Özdemir. Sie haben den Optimismus, dass vieles machbar ist beim Versuch, die CO2-Abhängigkeit der Gesellschaft zu beenden. „Wir können es noch schaffen, wir haben es noch in der Hand, aber wir haben keine Zeit zu verlieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir alles, was wir dafür brauchen, in unserer Gesellschaft haben“, so Lang. Özdemir zitiert Barack Obama, den früheren US-Präsidenten: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt – und die letzte, die noch etwas tun kann.“

Am Rande der Kundgebung ein weiteres Aufeinandertreffen von Generationen. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, zitiert eine ältere Frau Helmut Schmidt. Und fragt, wie denn die Grünen all die großen Pläne finanzieren wollen? Neben ihr steht ein junger Mann, 40 Jahre jünger, ein Grünen-Transparent um den Körper gelegt, und zählt Fakten auf, die aus seiner Sicht für die Machbarkeit der Grünen-Ideen sprechen. Und überhaupt: „Für die Hochwasser-Folgen sind jetzt 30 Milliarden da; von so viel Geld könnte man fast jedem Deutschen ein Elektroauto kaufen.“ Ein Generationentreffen der anderen Art hatte es zuvor gegeben: Ricarda Lang, die zusammen mit Cem Özdemir die Salvatorfreunde besuchte, drückte ihren Respekt für deren ehrenamtliches Engagement aus: „Es ist eine tolle Arbeit, die Sie hier machen.“ Winfried Kienhöfer von den Salvatorfreunden hatte den beiden Grünen-Politikern auf dem Salvator den Ort und die Arbeit seiner Mitstreiter erklärt. Er verabschiedete Cem Özdemir seinerseits mit Lob: „Bleiben Sie so, sagen Sie Ihre Meinung.“

Die Klimapolitik war nicht das einzige Thema der Grünen-Politiker bei der Kundgebung: Ricarda Lang will Verbesserungen für Menschen, die in der Pflege und im Gesundheitswesen arbeiten. „Das Gesundheitssystem ist für mich ein echtes Herzensthema“, sagt sie. Und: „Wir Grüne treten an, um den Ausnahmezustand, der Normalität ist in der Pflege, zu überwinden.“ Es brauche mehr Lohn, mehr Personal – und man müsse Pflegekräfte „endlich als das betrachten, was sie sind: Experten in unserem Gesundheitssystem“.

Cem Özdemir sprach über Außenpolitik. Man müsse weiterhin mit Leuten wie Putin, Erdogan oder Orban reden, aber sich nicht gemein machen. Er sprach über sein Lebensthema, seinen Verfassungspatriotismus („Das ist etwas wert, dass wir in einer Demokratie sind. Meine Aufgabe sehe ich auch darin, dass wir unser Grundgesetz beschützen“) und über falsche und richtige Verkehrspolitik: „5400 Kilometer stillgelegte Bahnkilometer seit 1994. Dass man in vielen Gegenden auf das Auto angewiesen ist, das ist kein Naturgesetz, das ist auch die Folge falscher Politik." Özdemir betonte, dass die Grünen wenn irgend möglich aus dem deutsch-russischen Gas-Pipeline-Projekt "Nordstream 2" noch aussteigen wollen. Und dass die Grünen nicht für eine Impfpflicht sind. Aber: „Ich sehe das als Bürgerpflicht“, sagt er. Wie das Wählen auch: „Meine herzliche Bitte: Gehen Sie zur Wahl. Wer nicht wählt, wählt auch - aber die falschen.“

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