„Wir müssen nicht x Autos haben“

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Prof. Christian Berg bei seinem Vortrag vor dem Gmünder Rotary-Club.

Prof. Christian Berg beim Rotary-Club Schwäbisch Gmünd-Rosenstein.

Schwäbisch Gmünd. In seinem neuen Buch „Ist Nachhaltigkeit utopisch?“ plädiert der renommierte Sozialwissenschaftler und Theologe Prof. Dr. Christian Berg für ein Umdenken in hochentwickelten westlichen Gesellschaften. „Unsere Lebensweise ist nicht exportierbar“, betonte der Referent in seinem Vortrag beim Rotary-Club Schwäbisch Gmünd-Rosenstein. Innerhalb der letzten 80 Jahren habe sich die Weltbevölkerung vervierfacht, der Rohstoffverbrauch verachtfacht und der Energieverbrauch verzehnfacht. Vor diesem Hintergrund sieht Prof. Berg eine Lösung darin, Denkbarrieren abzubauen und mit Prinzipien nachhaltigen Handelns eine Veränderung herbei zu führen.

In Gmünd ist Prof. Berg kein Unbekannter. Für mehrere Jahre saß er im Hochschulrat der Hochschule für Gestaltung. Als Mitglied des Club of Rome beschäftigt sich der Honorar-Gastprofessor der TU Clausthal und der Universität des Saarlandes intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit. Gleich zu Beginn seines Vortrags erinnerte . Berg an die denkwürdigen Szenarien des Club of Rome aus den 1970er Jahren. In einem dieser Szenarien wurde prognostiziert, dass die Menschheit bis 2072 einen zivilisatorischen Kollaps erlebe, wenn das „Business as usual“ (normales Geschäft) der damaligen Zeit einfach so weitergeführt werden würde. „So weit sind wir heute davon gar nicht mehr entfernt“, meinte Prof. Berg.

Vor neun Jahren wirkte er beim „Nachhaltigkeitsdialog“ mit Bundeskanzlerin Merkel mit. „Heute bemängelt der Bundesrechnungshof immer noch Dinge, die wir schon damals bemängelt haben“, resümiert Berg. Doch spricht er sowohl Politik wie auch der Wirtschaft nicht eine grundsätzliche Bereitschaft zur Veränderung ab. Seiner Meinung nach müssten Denkbarrieren abgebaut werden. „Wir können nicht exponentiell denken, das sollten unsere Kinder künftig in der Schule lernen.“ Ebenso müsse das Verursacherprinzip gelebt werden. „Es dürfen nicht die Kosten der Sünden von heute auf die nächsten Generationen verschoben werden.“ Soziale Ungleichheit sieht Prof. Berg auch als Barriere. „Dabei geht es nicht um Wohlstand, sondern um Ungleichheit, die gesellschaftliche Probleme verschärft.“ Und schließlich seien Monokultur und ein übersteigerter Konsumismus weitere Barrieren. „Aber wir brauchen Diversität, Vielfalt in allen Kulturen und wir müssen nicht x Autos, x Urlaube und unsere Kinder nicht x Spielsachen haben, um wirklich zufrieden und glücklich zu sein.“

Aktuell, so konstatiert Berg, würden wir leben, als hätten wir vier oder fünf Erden zur Verfügung. So könnten die Gesellschaften der westlichen Welt aber nicht weiterleben. Und worin sieht er die Lösung? „Wir brauchen einen Policy-Mix“, sagt der Wissenschaftler und meint damit eine Mischung aus Anreizen, Geboten sowie klaren Verboten. Im Ranking jener Länder, die die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen gut umsetzen, stehe Deutschland nur auf Platz sechs. Den ersten Platz nehme Schweden ein. „Alle Top-Performer kommen aber aus Europa. Und diese Tatsache muss und kann uns Mut machen. Denn wir Europäer können mit unserem Know-how und unserem Willen in Sachen Nachhaltigkeit Vorreiter für andere Kontinente sein und damit mit nachhaltigen Erfindungen und Entwicklungen einen völlig neuen Wachstumsprozess in Gang setzen.“

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