Wir sind mündige Bürger

  • Weitere
    schließen
+
Die Gruppe "Wir für Grundrechte GD" hatte nach eigenen Angaben zur friedlichen Mahnwache gegen die Corona-Verordnungen geladen – unter Wahrung der Abstandsregeln.
  • schließen

Rund 70 Menschen demonstrieren am Samstag zwischen Johanniskirche und Prediger für die "Wahrung und Wiederherstellung der Grundrechte".

Schwäbisch Gmünd

Samstag kurz vor elf Uhr. Auf dem mit rot-weißem Absperrband gesicherten Platz hinter dem Johannisturm haben sich rund 70 Menschen versammelt. Manche tragen Transparente. "Weg mit den Corona-Verordnungen", heißt es da. Oder: "Ich bin keine Extremistin." Die meisten begrüßen sich per Handschlag.

Eingeladen hatte die Gruppe "Wir für Grundrechte GD". Die Organisatoren betonen zu Beginn, dass sie "mit einer friedlichen Mahnwache für die Wahrung und Wiederherstellung der Grundrechte" einstehen wollten. Denn die geltenden Corona-Verordnungen beruhten auf Voraussetzungen, die längst nicht mehr gegeben seien. Dabei lehnten sie aber jegliche Art von Extremismus ab und distanzierten sich auch klar von den jüngsten "Vorkommnissen in Stuttgart".

Die Redner beleuchten verschiedene Artikel des Grundgesetzes und kritisieren, dass die Corona-Verordnungen diese außer Kraft setzten – was nach Meinung der Demonstranten etliche vermeidbare Belastungen und Schäden nach sich ziehe. Etwa Artikel 6: "Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft". Durch die Schließung der Schulen und das erzwungene "Home-Schooling" sei eine unzumutbare Belastung entstanden. Die Demonstranten forderten eine "vollständige und zuverlässige Öffnung der Schulen". Auch finanziell seien die Lasten groß: Der Kinderbonus der Bundesregierung sei nachteilig für Alleinerziehende, weil er zur Hälfte für jedes Elternteil fällig sei. Die Demonstranten forderten den "vollen Kinderbonus für Alleinerziehende". Die Redner betonen, es gebe in Baden-Württemberg keine Maskenpflicht an Schulen und rufen die Schulleitungen auf, dies auch transparent zu machen. Gerade für Kinder seien die Masken befremdlich und bedrohlich, sie fühlten sich dadurch "bedrückt, beeinträchtigt, krank und ansteckend". Um ihre Argumente zu untermauern, lassen die Demonstranten auch drei Kinder aus Schulen in Gmünd und Hussenhofen von ihren Erfahrungen berichten. Dass Lehrer auf Abstand pochten. Dass ein vom Lehrer ausgeliehenes Buch nur mit dem Ärmel, nicht mit der Hand, durchzublättern sei. Oder eben, dass Masken aufzusetzen seien. Bei den Demonstranten rufen diese Schilderungen hörbar Unmut hervor.

Die Zahlen sind unten, aber die machen immer weiter!

Markus Haintz, Rechtsanwalt

Auch den Artikel 12, die Berufsfreiheit, sehen die Demonstranten zu sehr eingeschränkt. Einmal durch das komplette Verbot, etwa für Bars und Diskotheken. Zum anderen auch durch das "Regelwirrwarr und die ständigen Änderungen". Die Demonstranten fordern, dass jeder Bürger frei seinem Beruf nachgehen müssen dürfe – ohne unzumutbare wirtschaftliche Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen. "Wir sind eigenverantwortliche und mündige Menschen, wir werden nicht zulassen, dass man uns zu einer unmündigen Gesellschaft degradiert."

Das führt die Redner, unter anderem auch den Ulmer Rechtsanwalt Markus Haintz, schließlich auch zu Artikel 20, dem Recht auf Widerstand. Dieses sieht er in Gefahr, wenn Gerichte "willkürliche Grenzen" für die Anzahl von Teilnehmern bei Demos festlegten. "Was können die Leute denn machen, außer auf die Straße zu gehen", fragte Haintz und bilanziert: "Die Zahlen sind unten, aber die machen immer weiter! Solange bis der Impfstoff da ist, das kann ich euch garantieren!"

An einer Stelle seiner Rede fragt Haintz, wo er weiter machen soll. Aus dem benachbarten Café Margrit ruft ein Mann: "Hör auf!" Ein Demonstrant kontert: "Halt die Fresse", wird aber von einem Ordner sofort zur Ruhe ermahnt. Ansonsten bleibt es rund um die Demo entspannt und friedlich.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

WEITERE ARTIKEL