Wir und die schönen Formen

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Kunsthandwerk im Labor im Chor (von links): Angela Munz, Maria Hokema und Alkie Osterland erläutern die Objekte.

Kunsthandwerk begleitet Festival Europäische Kirchenmusik.

Schwäbisch Gmünd. Aus "Ich & Wir" wird "Wir": Das ist die Begleitausstellung zum Festival Europäische Kirchenmusik. Seit vielen Jahren engagierten sich Maria Hokema, Angela Munz und Alkie Osterland dafür.

Diesmal greifen die Kunsthandwerkerinnen den Spannungsbogen zwischen Individualität und Gesellschaft auf und interpretieren ihn mit Arbeiten aus Metall, Ton, Stoff und Keramik. Warum bleibt nur das "Wir" übrig? "Weil Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker viele Gemeinsamkeiten verbinden", sagt Alkie Osterland. Die Grundtechniken etwa, aber auch die Arbeitsbedingungen in Europa. So kommen die Exponate aus Frankreich, Tschechien, Norwegen, England, Nordirland, Italien und Finnland. Dazu einige aus Deutschland.

Wer den Blick auf die Stirnwand in der Galerie für angewandte Kunst richtet, sieht "Geklöppeltes" von Armel Barraud. Es sind filigrane Arbeiten aus dünnem Draht, figürliche Darstellungen und Fantasieformen, die den Blick jeweils auf ein winziges Goldstück lenken.

Davor ein Kontrastprogramm: Martin Goergs Keramiken wirken dominant, ihre zylindrischen Formen erinnern an Gebrauchsgegenstände, "aber sie sind dafür nicht gemacht, sondern einfach schön anzusehen", sagt Maria Hokema. Die "Glasur", die eigentlich keine ist, gibt den Werken archaische Züge. Das liegt am Herstellungsverfahren, dem Salzbrand. In den Brennofen kommen große Mengen Salz, die sich durch die hohen Temperaturen als Niederschlag auf die Exponate legen.

Spielerisch wirken dagegen die Arbeiten von Robert Race. Er sammelt Materialien, vor allem Holz, und schätzt die Bewegung seiner Werke. Es sind einfach anmutende, aber sehr durchdachte "Spielzeuge", die sich mit physikalischen Kräften beschäftigen. Anregungen für solche Objekte holt sich der Kunsthandwerker auf Reisen durch viele Länder der Erde.

Künstlerin mit Gmünd-Bezug ist Maija Hellemaa aus Finnland. Sie bearbeitet Alu-Blister, wie man sie aus Tablettenpackungen kennt. Jede Ausbuchtung ziert dabei ein kleines Gesicht.

Ausbuchtungen ganz anderer Art steuert Alkie Osterland bei. Sie hat "Schwarze Wolken" aus Glas geformt, die an der Wand fast über der Ausstellung schweben. Fest auf dem Boden stehen dafür die Kermaik-Halbkugeln von Maria Hokema, die es im wahrsten Sinn des Wortes in sich haben. Im einen Fall blickt man durch eine Glasabdeckung auf "die Schätze des Meeres", Muscheln in unterschiedlichen Formen und Farben. Wer einen Blick in die andere Halbkugel werfen will, muss erst eine "lyrische Abdeckung" in die Hand nehmen. "Wir" bedeutet bei Angela Munz das Zusammenspiel von Keramik und Arrangement. "Meine Gefäße sind für Blumen und Pflanzen geschaffen", sagt sie. Die Besonderheit: Deckel können in zwei Richtungen aufgelegt werden, sie sind durch ein besonderes Brennverfahren fast schwarz.

Ausstellung "Wir" mit besonderer Eröffnung

Die Ausstellung "Wir" begleitet das (reduzierte) Festival Europäische Kirchenmusik und ist bis zum 23. August im Labor im Chor des Predigers zu sehen. Die Eröffnung läuft in diesem Jahr anders als gewohnt: Oberbürgermeister Richard Arnold wird auf dem Johannisplatz sprechen. Dazu hören die Besucher Musik vom Posaunenquartett der städtischen Musikschule. Dann kann man in kleinen Gruppen die Ausstellung besuchen. Zu sehen sind Arbeiten von zwölf Künstlerinnen und Künstlern. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. kust

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