Wirten fehlen Gäste und Personal

  • Weitere
    schließen
+
Kathrin Wiltschko und David Stalco freuen sich, nach sieben Monaten wieder im Bistro am Turm Gäste bewirten zu dürfen.
  • schließen

Seit Samstag dürfen Gastronomen im Ostalbkreis Getestete, Geimpfte und Genesene bewirten. Nun suchen viele dringend nach Mitarbeitern. Doch die Branche ist einigen zu unsicher geworden.

Schwäbisch Gmünd

Mittagspause bei Sonnenschein auf dem Gmünder Marktplatz: Am Marienbrunnen sitzen ein paar Jugendliche und Familien, die Eis essen. Am Gelatone, der früheren Eisvenezia, reicht die Warteschlange weit auf den Marktplatz hinein. In den Straßencafés hingehen sitzen nur vereinzelt Gäste. Im Biergarten des Wirtshauses Paulaner sind sieben Tische belegt. Jörg Erich Haselier ist einer der Gäste. Er habe für einen Geschäftstermin ohnehin einen Corona-Schnelltest bei der Station am Kaufland gemacht, wo die Schlange weit weniger lang sei als an der Teststelle auf dem Marktplatz. So dient ihm der Schnelltest nun auch als „Eintrittskarte“ in den Biergarten.

Doch ein Schnelltest nur für ein Essen in der Mittagspause, das sei einigen zu viel Aufwand, sagt Gastronom Hannes Barth. In seinem Lokal Zum Paradies hatte er am Montag 44 Essen – 38 zum Mitnehmen, sechs im Lokal.

Ähnliches berichtet Teresa Fragale, Betreiberin des Restaurants am Palais in der Bocksgasse. Am Samstag seien ein paar Gäste da gewesen, aber lange nicht so viele wie früher, sagt sie und meint damit die Zeit vor der coronabedingten Schließung der Gastronomie im November.

Zwei Teilzeitkräfte habe sie entlassen müssen. Nun suche sie wieder Personal, doch das sei sehr schwierig. Die meisten hätten sich etwas anderes gesucht. „In der Gastronomie besteht immer das Risiko, dass sie wieder schließen muss“, sagt sie. Momentan arbeitet ihre Tochter im Service. Zudem hilft die Enkelin derzeit in ihren Pfingstferien aus.

Seine Ferien nutzt auch Schüler David Stalco, um sich in der Gastronomie etwas dazu zu verdienen. Der 18-Jährige ist mit Kathrin Wiltschko im Service im Bistro am Turm. Die 29-jährige Betriebswirtin arbeitet als Ausgleich zu ihrem Bürojob im Bistro mit. Vor dem Lockdown war sie dort abends und am Wochenende im Einsatz. Doch momentan sei sie in Kurzarbeit, erklärt sie, weshalb sie an diesem Montag in der Mittagszeit im Bistro aushilft. Glücksfälle für die Betreiber Irene und Siegfried Bürger. Denn viele Servicekräfte hätten sich einen anderen Nebenverdienst gesucht. Es sei zu ungewiss gewesen, wann und für wie lange die Gastronomie wieder öffnen darf. Nun sei es schwer, Personal zu finden, sagt Irene Bürger. Vor allem für die Mittagspausen, in denen in der Regel viel los sei im Bistro, erklärt ihr Mann. Doch an diesem Montag sind draußen wie drinnen noch einige Tische frei. Ein Stammgast kommt vorbei und erzählt, dass er leider nur eine halbe Stunde Mittagspause habe, es aber bereits so lange dauere, bis er an einer der Teststationen an der Reihe wäre. Manche sehen auch nicht ein, weshalb sie einen negativen Schnelltest vorlegen müssen, wenn sie draußen sitzen, sagt Siegfried Bürger, der das selbst nicht nachvollziehen kann: „Wir freuen uns, dass wir wieder loslegen dürfen, aber manche Hemmnisse müssten einfach nicht sein.“ Damit meint er neben der Pflicht zur Vorlage eines Nachweises für einen negativen Test, eine Impfung oder eine überstandene Corona-Infektion für den Biergarten die Vorgabe, dass die Gastronomie um 21 Uhr schließen muss. „Das ist Kindergarten“, ärgert er sich.

In Lokalen im Ostalbkreis gilt aktuell: Gastronomen dürfen Getestete, Geimpfte und Genesene ab 6 bis 21 Uhr bewirten, die ihre Kontaktdaten angeben. Kinder bis einschließlich fünf Jahren brauchen keinen Test. Innen darf ein Gast pro 2,5 Quadratmetern sitzen. Die Tische müssen im Abstand von 1,5 Metern stehen.

In der Gastronomie besteht immer das Risiko, dass sie wieder schließen muss.“

Teresa Fragale, Wirtin im Restaurant am Palais

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL