Wohnen mit einem Hauch Geschichte

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Das ehemalige Hofmeistereigebäude St. Katharina.

Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft richtet das ehemalige Hofmeistergebäude in St. Katharina. Arbeiten auch an den Nachbargebäuden geplant.

Schwäbisch Gmünd

Es ist ein Ort, der Geschichte atmet, und ein Ort, dem schon bald wieder Leben eingehaucht wird. Das Gebäude St. Katharina 3 in der Schwerzerallee ist 300 Jahre alt, die Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft (VGW) holt es jetzt aus dem Dornröschenschlaf. Nach der inzwischen begonnenen Sanierung stehen ab Sommer 2021 fünf Wohnungen zur Verfügung. Der Gebäudekomplex St. Katharina diente einst als Siechenspital. Er besteht aus vier Gebäuden: Dem Spitalpfründhaus, der Hofmeisterei, dem Armenhäusle und der Kapelle. VGW-Geschäftsführer Celestino Piazza ist begeistert vom historischen Ambiente.

Die Vereinigte Gmünder Wohnungsbaugesellschaft mbH erwarb im Jahr 1999 den gesamten Gebäudekomplex, außer der Kapelle. Das Gebäude St.-Katharina 1/1 ist an eine Künstlerin vermietet, die dort auch eine Werkstatt betreibt. In der Kapelle ist die Rumänisch-Orthodoxe Kirchengemeinde von Schwäbisch Gmünd untergebracht, die anderen beiden Gebäude waren bis vor wenigen Jahren vermietet, stehen aber momentan leer, weil ein Mindest-Wohnstandard nicht mehr erfüllt werden konnte.

Das Spitalpfründhaus St. Katharina 1 wurde im Jahr 2020 an einen privaten Investor verkauft, der dieses zu 30 Einzimmer-Appartements umbaut. Die VGW wird nach Worten von Celestino Piazza anschließend die Gebäudeverwaltung übernehmen. In Eigenregie entsteht neuer Wohnraum im Hofmeisterhaus. Der VGW-Geschäftsführer will dort rund 650 000 Euro investieren, fünf Wohnungen mit Größen zwischen 40 und 111 Quadratmeter einbauen. "Wir achten auf eine kostengünstige Sanierung, um die Mieten niedrig zu halten", so Celestino Piazza. Deshalb sollen verstärkt VGW-Handwerker eingreifen. Auf sie wartet jede Menge Arbeit.

Wohnungen mit Charme

Wir achten auf eine kostengünstige Sanierung.

Celestino Piazza, VGW-Geschäftsführer

Die historische Bausubstanz muss erhalten werden, aber Wände, Böden, Fenster, Fensterläden und Außenfassade brauchen eine Erneuerung. Auch die Haustechnik soll auf den neuesten Stand gebracht werden. Weil bei historischen Gebäuden wie dem Hofmeisterhaus St. Katharina keine Außendämmung möglich ist, werden Wände von innen mit Multipor aufgerüstet, einem Dämmmaterial, das mit der Wand verbunden ist und keine Feuchtigkeitsschäden zulässt. Den historischen Charme haben die Wohnungen durch nicht immer akurat verlaufende Deckenhöhen, durch oft kleinere Fenster. Celestino Piazza und Bauleiter Jürgen Nagel stießen bei Voruntersuchungen immer wieder auf historische Besonderheiten. So zeichnet sich im Erdgeschoss die Decke des Gewölbekellers ab, auf dem Dachboden kann man die Bauweise des 300 Jahre alten Gebäudes erkennen.

Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes stehen den Mietern 10 Stellplätze zur Verfügung. Das frühere Armenhäusle St.-Katharina 1/1 soll ebenfalls einen neuen Anstrich erhalten.

Ein erster Sanierungsschritt ist schon geleistet: "Wir haben gemeinsam mit der Münstergemeinde die ebenfalls historische Sandsteinmauer an der Schwerzerallee sanieren lassen, ein Auftrag, den die Münsterbauhütte ausgeführt hat, so Celestino Piazza.

Ort der Zuflucht vor den Toren Schwäbisch Gmünds

Die Gründung der Kapelle reicht vermutlich bis ins erste Viertel des 13. Jahrhundert, ein Haus für Leprakranke ist seit 1326 nachgewiesen. Aussätzige und Menschen, die im Heiliggeistspital nicht erwünscht waren, wurden vor die Stadtmauern "ausgesetzt" und nach St. Katharina verbracht.

Der Unterhalt der Kranken war später Angelegenheit der Stadt und musste auf eine sichere Grundlage gestellt werden. Daher gehörten zu diesen Gebäuden Ländereien, die bewirtschaftet wurden und Wald, der eine Versorgung mit Heizmaterial garantierte.

Die Pest spielte in St. Katharina eine Rolle. Kranke wurden dort gepflegt, mit ihnen starben auch viele betreuende Menschen, vor allem Krankenschwestern. Das hat der im Jahr 2018 verstorbene Gmünder Historienmaler Hans Kloss in einem Gemälde des "Gmünder Epos" festgehalten, zu sehen in der Ausstellung in der "Grät" am Marktplatz.

Das Spitalpfründhaus, (St.-Katharina 1) wurde um 1700 errichtet, das Armenhäusle, (St.-Katharina 1/)1, wohl ebenfalls um 1700. Das an die Kapelle angebaute Hofmeistereigebäude (St.–Katharina 3) wurde ab 1716 errichtet, wohl aber erst 1759 fertiggestellt. kust

Historische Bausubstanz und spätere Einbauten kommen im Haus St. Katharina 3 zum Vorschein. Im Bild Celestino Piazza (rechts) und Bauleiter Jürgen Nagel.

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