Woran erkennt man einen Narren?

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Zu den Ausstattungsmerkmalen des Rudos gehören Schellen/Rollen, Fuchsschwanz und Saubloder. ÌFoto: privat

(6) Wieso, weshalb, warum? Der Rudo erklärt, was typische Narrenattribute der Schwäbisch-Alemannischen Fasnet sind und woher sie stammen.

Schwäbisch Gmünd

Die Fasnet fällt dieses Jahr aus. Schon wieder. Und doch wird es sie 2022 geben. Absolut coronakonform versteht sich – und zwar an dieser Stelle in der Gmünder Tagespost. Denn der Rudo hat sich dazu bereit erklärt, Woche für Woche verschiedene Bereiche der Gmender Fasnet zu beleuchten. Sein Thema heute: Woran erkennt man einen Fastnachts-Narren ? Und welche Bedeutung haben seine Attribute, seine Erscheinungsmerkmale?

Jeder kennt Till Eulenspiegel, der Narr mit dem Spiegel, den er seinem Gegenüber vorhält. Auch die Figuren der schwäbisch-alemannischen tragen verschiedene Ausstattungsmerkmale. Ich will heute auf die eingehen, die in der Gmender Fasnet, speziell beim Rudo, zu finden sind: Schellen/Rollen, Fuchsschwanz und Saubloder (Schweinsblase).

Glöckchen, Schellen und Rollen sind bei vielen Narrenfiguren zu finden. Kleine Glöckchen am Gewand oder der Narrenkappe. Und das sogenannte Geschell, größere und schwerere Rollen mit Schallschlitz, die auf einem Ledergurt befestigt quer über die Brust getragen werden. Manche dieser Geschelle wiegen bis zu 15 Kilogramm.

Glöckchen an der Kleidung waren im Hochmittelalter dem Kaiser vorbehalten, später kamen sie auch bei seinem Gefolge in Mode – und so lag es nahe, dass auch die Narren sich mit Glöckchen schmückten, um diese Mode lächerlich zu machen. Da die katholische Kirche das fastnächtliche Treiben kritisch betrachtete, wurde immer am Fasnetsonntag (dem Sonntag vor dem Rosenmontag) eine Lesung aus dem Korintherbrief gelesen: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die (Nächsten-)Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“ Soll heißen: Narren geht es nur um sich, von ihnen bekommt man nur leeres Klingeln und hohles Geschäpper zu hören. Je mehr die Pfarrer gegen den „Mummenschanz“ predigten, umso aufwändiger wurde die Ausstattung mit Schellen und Rollen: „Grad zom Bossa!“

Es sei noch darauf verwiesen, dass auch bei den Bräuchen der Winteraustreibung Kuhglocken und Schellen dazu verwendet werden, viel Lärm zu machen, um die (bösen) Wintergeister zu erschrecken.

Auch der Fuchsschwanz hat in der Fasnet eine Bedeutung. Ihn am Häs zu tragen, brachte den Rudos schon so manche Auseinandersetzung mit militanten Tierschützern ein. Dazu am Rande nur soviel: Kein Fuchs wird geschossen, damit die Narren seinen Pelz oder Schweif tragen können. Ihn zu tragen ist auch nicht eine Missachtung dieses Tiers, sondern gibt ihm aus der Tradition gesehen eine neue Bedeutung. Natürlich mögen die Rudos es, dass der Fuchs als Sinnbild der Schläue gilt, in der Fasnet geht die Bedeutung aber weiter. Christliche Theologen setzten ihn mit dem Teufel gleich, als vom Prinzip des Bösen geleiteten Betrüger der Menschen. Er stand für Unaufrichtigkeit, Betrug und üble Nachrede. Aus diesem Grund wurden im ausgehenden Mittelalter Betrüger als „Fuchsschwänzer“ bezeichnet und dazu verdonnert, Fuchsschwänze am Gewand zu tragen, und wurden so als sozial Verachtete abgestempelt – eben einem Narren gleichgestellt.

Die geräucherte Schweinsblase, besser Saubloader, dient den Rudos an einem Farrenschwanz oder Stecken befestigt als Instrument, um Lärm zu machen (wenn man sie auf den Boden schlägt) oder die Umzugsbesucher zu necken. Sucht man nach den Ursprüngen, so kommt man schnell darauf, dass es in der Fasnet Schlachtabfälle genug gab, weil ja noch einmal viel geschlachtet wurde, bevor der Fleischverzehr in der Fastenzeitstark eingeschränkt war. Insofern handelt(e) es sich bei der Verwendung von Schweinsblase um eine alte Form des Upcycling.

Die Bedeutung der Saubloader ist eher banal: Da sie schnell kaputt geht, ist sie ein Symbol der Vergänglichkeit, alles ist nichtig und eitel. In dem Zusammenhang ist vielleicht noch interessant, dass aus dem lateinischen Wort für „leerer Sack“ (follis) das französische fou (= verrückt) und das englische fool (= Narr) entstand. ⋌Fortsetzung folgt

Rudo Narrenzunft

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